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Ein Ritterlehen

Im Frühmittelalter entstand das Lehnswesen aus den Vorbildern des römischen Klientelwesens und des germanischen Gefolgschaftswesens. Der Lehnsherr, der der rechtliche Eigentümer von Grund und Boden oder bestimmter Rechte war, verlieh diese an den Vasall, Lehnsmann oder Lehensträger - meist auf Lebenszeit oder gar als Erblehen, also auch an die Nachkommen des Vasallen. Beide verpflichteten sich zu gegenseitiger Treue: Der Lehnsherr zu Schutz und Schirm, der Lehnsmann zu Rat und Hilfe. Zur Hilfe konnten auch persönliche Dienste gehören: beispielsweise das Halten des Steigbügels, die Begleitung bei festlichen Anlässen oder der Dienst bei der Festtafel. Weiterhin waren Lehnsherr und Vasall zu gegenseitiger Achtung verpflichtet; das beinhaltete, dass der Lehnsherr seinen Vasall per Gesetz nicht schlagen, demütigen oder sich an seiner Frau oder Tochter vergreifen durfte.
Der Lehnseid wurde meist unter Verwendung traditioneller Formeln geleistet; er beinhaltete das Treue- und Hilfsversprechen des Vasalls, das Treue- und Schutzversprechen des Herrn und das Akzeptieren der Folgen bei Treuebruch. War die räumliche Entfernung zwischen Lehnsherr und Vasall zu groß, konnte der Lehnsherr einen Vertreter benennen, vor dem der Lehnseid zuleisten war. Den gesamten Vertragsabschluss beim Lehnseid bezeichnet man auch als Kommendation.

Natürlich ist es das Ziel eines jeden jungen Ritters nicht nur Ruhm, sondern auch Macht zu erlangen. Und ein Lehen ist dafür ein glänzender Anfang: Hier kann man sein Lebensunterhalt erwirtschaften. Hier hat man einen Platz, wo man ausruhen, zur Not gesunden und Pläne schmieden kann. Hier kann man seine - wie auch immer gewonnenen - Güter lagern. Hier hat man einen Platz, den man befestigen kann, um sich eine Zuflucht zu schaffen. Hier ist man endlich einmal selbst der Herr. Und schlussendlich: mit einem Lehen kann man sich eine Frau suchen und selbst eine Dynastie gründen.


Rittergut

Die Große Halle ist das Herz des Ritterguts. Sie kann von einer Feste - wenn der Lehnsherr sehr reich und mächtig ist - umgeben sein oder von einfachen anderen Bauten, in denen alles untergebracht ist, was auf einem Bauernhof nicht fehlen darf. Denn schlussendlich ist das Gut nichts anderes; allerdings ist dieser Hof der prächtigste in der ganzen Gegend...
In der Großen Halle und seinen Nebenzimmern leben der Ritter und seine Familie, sowie Knappen, Pagen, der Verwalter und - bei Bannerrittern - die Haushaltritter. Alle anderen Knechte und Mägde schlafen an ihrem Arbeitsplatz.
Das Land des Ritters wird hauptsächlich durch Frondienst bestellt und geerntet. Meist wird Weizen für die ritterliche Tafel und Hafer für die Tiere und Bediensteten angebaut.

Dorf

Das Dorf unterscheidet sich von den umliegenden Weilern vor allem durch den Sitz des Ritters, die Kirche und den Markt.
Hier leben etwa 120 Personen, allerdings sind die Leute vom Gut schon mit hineingerechnet. Die allermeisten Bewohner arbeiten in der Landwirtschaft; allerdings gibt es vielleicht auch zwei oder drei Handwerker: einen Schmied, Zimmermann oder Böttcher. Ein paar schöne Häuser der reicheren Freien stehen hier; die meisten Gebäude sind allerdings Häuschen und Hütten mit kleinen Ställen und Scheunen.
Einmal in der Woche findet hier ein kleiner Markt statt, auf dem alles für den Hausgebrauch erworben werden kann, was nicht zu Hause hergestellt wird. Vielleicht kommt hin und wieder sogar einer der fahrenden Händler dazu und bietet Waren feil, die aus der großen, weiten Welt kommen.
Die größte Mühle der Gegend gehört dem Ritter. Alle Dörfler müssen hier ihr Korn mahlen; der Ritter nimmt einen Teil davon als Gebühr. Falls es noch andere Mühlen gibt, nimmt er einen kleineren Teil als Steuer für dort gemahlenes Getreide.

Kirche

Eine kleine, meist eher armselige Kapelle oder Kirche steht in der Mitte des Dorfes. Sie ist das größte Gebäude des Orts - abgesehen vom Anwesen des Ritters - und ist aus Stein gebaut.
Der Priester ist meist fast ebenso ungebildet und analphabetisch wie die Bauern und lebt in einer Hütte nebenan. Er leitet die Kirchengemeinde und hält sonntags die Messe und führt Taufen, Trauungen und Beerdigungen durch. Für seine Versorgung ist der Ritter verantwortlich.
Der Friedhof, deswegen oft auch Kirchhof genannt, liegt oft direkt um die Kirche herum.
Am Sonntag wird hier die Messe gelesen und es wird erwartet, dass (und oft auch überprüft, ob) alle, die auf dem Land des Ritters leben, auch kommen.

Umliegende Weiler

Um das Dorf herum liegen üblicherweise noch ein paar kleine Weiler. Sie sind nicht weiter als eine Meile vom Dorf entfernt. Meist bestehen sie nur aus kleinen Katen für die Menschen und noch kleineren Schuppen für die Tiere. Selten findet sich hier auch eine zerfallene Kapelle.
In den Weilern leben wiederum je etwa 100 Bauern oder Leibeigene, die zur Kirche, für den Markt, Festlichkeiten und natürlich ihren Frondienst ins Dorf kommen.
Dicht gedrängt um die Weiler und das Dorf herum liegen die Felder. (Das kultivierte Land misst meist nur eine Quadratmeile, da sonst die Arbeitswege zu lang werden.) Es wird Gerste, aus der das tägliche Brot und Ale besteht, und Hafer angebaut; Weizen ist ein Luxusgut. Die Hälfte der Felder liegt im Wechsel brach, um sich zu erholen.
Zwischen den Äckern der Bauern liegt auch immer wieder ein Acker des Ritters, das natürlich auch bearbeitet werden muss.

Wälder

Zwischen den Weilern und Dörfern liegt immer wieder wildes, unkultiviertes Land. Meist ist das Land bewaldet.
Hier wachsen wilde Früchte, hier werden die Schweine gemästet. Der Ritter kann Brennholz schlagen lassen und seinen Bauern erlauben, das gefallene Holz für sich zu sammeln. Vielleicht findet man sogar wilde Bienen, denen man den Honig entwenden kann.
Und natürlich kann der Ritter hier - wenn es kein königlicher Wald ist - jagen. Den Bauern ist die Jagd streng verboten und Wilderer müssen mit drakonischen Strafen rechnen, wenn sie erwischt werden.

Gewässer

Falls in diesen Gebieten Gewässer sind, kann der Ritter hier natürlich auch fischen lassen - und angeln dürfen üblicherweise auch die Bauern.
Im Süßwasser findet man beispielsweise Aale, Hechte, Forellen, Saiblinge, Äschen, Karpfen, Rotaugen, Schleien, Welse, Stichlinge und Zander.
Im Gedenken an die Kreuzigung ist es üblich am Freitag und während der Fastenzeit kein Fleisch zu essen, sondern eben Fisch. So ist es Tradition.

Tiere

Auf einem Bauernhof - und der Gutshof des Ritters ist schließlich nichts anderes - gibt es natürlich auch eine ganze Reihe von Tieren.
Zum einen sind da natürlich die Tiere, die der ganze Stolz eines Ritters sind: seine Pferde, Hunde und Falken. Ohne ein ordentliches Ross, das seinen Herren in die Schlacht trägt, ist eine Ritter eben einfach kein Ritter; und Hunde und Falken zur Jagd sind wertvolle und edle Prestigeobjekte unter den Adligen.
Aber es gibt auch noch die ganz normalen Bauerhoftiere. Sicherlich werden sie vom Ritter nicht so geschätzt, aber sie sind nützlich und ohne sie würde das Gut nicht funktionieren.

Pferde

Der Ritter benötigt mindestens fünf Pferde: ein Schlachtross, ein Saumtier für sich, seine Knappen, seine Frau und einen Diener.
Wenn der Ritter reich ist, reiten er und seine Frau vielleicht Zelter und er besitzt ein Rennpferd und mehrere einfache Reitpferde.
Die Pferdeherde des Lehen besteht üblicherweise aus zehn Pferden: einem Hengst, vier Stuten, zwei Jährlingen, zwei Hengstfohlen und einem Wallach, der gerade eingeritten wird.
Schlachtrösser können niemals selbst ausgebildet werden; sie müssen immer gekauft oder erbeutet werden.

Hunde

Natürlich gibt es auch Arbeitshunde, aber die Jagdhunde sind der Stolz des ritterlichen Zwingers. Ein Ritter, der gute Jagdhunde besitzt, hat ein großes Prestige. Hunde können oft als Preise auf Turnieren gewonnen werden, ansonsten müssen sie sorgsam gezüchtet und trainiert werden, um einen guten Jagdhund abzugeben.
Es gibt verschiedene Arten von Jagdhunden für verschiedene Arten zu jagen.
Mehr dazu ist auf der Jagdseite zu finden.

Falken

Die Falknerei ist ein königlicher Sport und es gibt genaue Regeln, an die man sich zu halten hat. Für die höfische Gesellschaft bietet sie alles, was das Leben ausmacht: Zeremoniell, sportliche Herausforderung, gesellschaftliches Treiben.
Ein Ritter, der einen guten Falken - oder gar mehrere - in seinem Besitz hat, besitzt ein großes Prestige. Falken können oft auch als Preise auf Turnieren gewonnen werden, ansonsten müssen sie von Falknern als Nestlinge gefangen und trainiert werden, um einen guten Jagdvogel abzugeben.
Mehr dazu ist auf der Jagdseite zu finden.

Rinder

Rinder sind wichtige Nutztiere. Sie geben Milch, aus der Käse und Butter hergestellt wird, Fleisch für den Herd und Leder für Ausrüstung. Und Ochsen sind gute Arbeitstiere fürs Feld.
Zur Herde gehören etwa 20 Tiere: ein Bulle, ein Jungbulle, sechs Ochsen, fünf Milchkühe, fünf Kälber und zwei unerfahrene Ochsen.

Schafe

Schafe sind vor allem wegen ihrer Wolle wichtig, die im Haus von den Frauen zu Stoff und Kleidung verarbeitet wird. Der Lammbraten zu Ostern ist Tradition.
Zur Herde gehören etwa 30 Tiere: ein Widder, 14 Mutterschafe und ihre Lämmer.

Schweine

Schweine liefern das meiste Fleisch pro Huf von allen domestizierten Tieren. Die Herde wird tagsüber in die nahegelegenen Wälder getrieben, um sich dort an den Eicheln, Nüssen und Kastanien fett zu fressen.
Zur Herde gehören etwa 30 Tiere: ein Eber, sechs Säue und ihre vielen, vielen Ferkel.

Federvieh

Federvieh darf auf keinem Hof fehlen. Es läuft meist tagsüber frei herum und wird nachts eingesperrt, damit der Fuchs oder Marder nicht seinen Teil bekommen kann.
Gänse, Enten und Hühner liefern allesamt Fleisch für den Herd und Federn zum Stopfen von Kissen oder Schmücken von Hüten. Auch die Eier der Hühner sind ein wichtiger Teil der Nahrung auf dem Hof; sie zu finden ist nicht immer leicht. Der Gänsebraten zu St. Martin ist Tradition.
Auf dem Hof schnattern, quaken, krähen und zischen bestimmt 50 Stück Federvieh durcheinander.

Katzen

Wie auch heute noch gibt es sicherlich auch Katzen auf dem Gut. Sie jagen Mäuse und andere Nager, die sich über die eingelagerten Vorräte hermachen wollen.
Sie sind eigentlich reine Nutztiere und keine Haus- oder gar Schoßtiere. Doch wer weiß schon, was sich die Dame des Hauses oder eine Tochter in den Kopf setzt, wenn sie so ein niedlichen Schnurrer trifft.