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Die Jagd

Die Jagd ist ein ritterliches und adliges Vergnügen und neben Kampf und Minne die liebste Beschäftigung eines Ritters. Jagden sind nicht nur da, um Fleisch auf den Tisch zu bekommen, sondern sind auch Zerstreuung und können mit geladenen Gästen gesellschaftliche Ereignisse sein. Ab einer bestimmten Größe des Lehens ist der Lehnsherr sogar verpflichtet für seine Lehnsmänner Jagden zu veranstalten. Und - auch das ist ja nicht zu verachten - auf die Falkenjagd gehen gerne auch die Damen.
Im Mittelalter gibt es zwei große Bücher, die sich mit der Jagd beschäftigen: Kaiser Friedrichs II. De arte venandi cum avibus, das zwischen 1241 und 1248 entstand, behandelt ausführlich die Falknerei und Gaston Phoebus' (Gaston III., Graf von Foix) Le Livre de la Chasse, das Anfang des 15. Jahrhunderts entstand, behandelt die Jagd im allgemeinen.
Den Bauern ist die Jagd streng verboten und Wilderer müssen mit drakonischen Strafen rechnen, wenn sie erwischt werden.


Treue Begleiter

Zwar kann der Mensch auch alleine jagen, aber das ritterliche Vergnügen besteht ja gerade darin, dass man die Jagd zu einer Kunstform mit allerlei eigenen Regeln und Gesetzen gemacht hat. Außerdem kann man sich bei dem gesellschaftlichen Ereignis Jagd auch gut mit seinen Prestigeobjekten ins rechte Licht rücken.

Hunde

Gute Jagdhunde sind der Stolz des ritterlichen Zwingers. Ein Ritter, der gute Jagdhunde besitzt, hat ein großes Prestige. Hunde können oft als Preise auf Turnieren gewonnen werden, ansonsten müssen sie sorgsam gezüchtet und trainiert werden, um einen guten Jagdhund abzugeben.
Es gibt verschiedene Arten von Jagdhunden für verschiedene Arten zu jagen:
Jagdhunde, die vor allem nach Sicht jagen und für Eber- oder Bärenhatz eingesetzt werden,
Schweißhunde, die vor der Jagd überhaupt erst einmal eine Fährte erschnuppern,
Bracken, die, nachdem sie eine Spur aufgenommen haben, ihr den ganzen Tag folgen können und zur Treibjagd eingesetzt werden, und
Stöberhunde, die in Dickungen oder im Schilf Wild aufspüren und aufschrecken und vor allem für die Falkenjagd benutzt werden.

Falken

Die Falknerei ist ein königlicher Sport und es gibt genaue Regeln, an die man sich zu halten hat.
Ein Ritter, der einen Falken - oder gar mehrere - hat, besitzt großes Prestige. Falken können oft auch als Preise auf Turnieren gewonnen werden, ansonsten müssen sie von Falknern als Nestlinge gefangen und trainiert werden, um einen guten Jagdvogel abzugeben.
Üblicherweise gilt die Regel:
Ein Adler, ein Geier und ein Milan für einen Kaiser,
ein Gerfalken für einen König,
ein Wanderfalken für einen Fürsten, einen Herzog, einen Graf und einen Baron,
ein Würgfalken für einen Ritter,
ein Lannerfalke für einen Knappen,
ein Zwergfalken für eine Lady,
ein Baumfalke für einen Jüngling,
ein Hühnerhabicht für einen Freisassen
und ein Männchen für den Armen,
ein Finkenhabicht für einen Priester,
ein Sperber für einen Küster,
ein Turmfalken für einen Pagen.

 

Jagdwild

Jagd wird auf fast jedes Tier, das in der Wildnis vorkommt, gemacht. Je nach Tierart muss und wird jedoch anders gejagt. Man unterscheidet zwischen der klassischen Jagd, der Treibjagd, der Hundejagd und der Falkenjagd.
Die klassische Jagd bedeutet für den Jäger sich auf die Lauer zu legen und zu warten, dass seine Beute zu ihm kommt, um sie dann mit einer Fernwaffe zur Strecke zu bringen.
Bei der Treibjagd wird ein Gebiet eingekesselt und von der einen Seite treiben die Treiber durch lautes Rufen und anderen Krach das Wild in die andere Richtung, in der die Jäger warten.
Bei der Hundejagd nimmt eine Meute die Spur eines Beutetieres auf und die Jäger verfolgen ihr Wild über längere Zeit durch die Wildnis.
Die Falkenjagd überlässt die "Arbeit" dem edlen Vogel. Jagdbares Wild wird aufgestöbert und dann wird der Vogel fliegen gelassen.

Hirsch

Die Hirsche in ganz Mitteleuropa verbreitet und erreicht eine Schulterhöhe von 1,50 m und ein Gewicht von 300 kg.
Kennzeichnend ist das Geweih, verzweigte Stangen, die jedes Jahr abgeworfen werden und anschließend nachwachsen.
Der Hirsch ist Gegenstand der klassischen und der Treibjagd.

Hirschkuh

Rotwild ist in ganz Mitteleuropa verbreitet und erreicht eine Schulterhöhe von 1,50 m und ein Gewicht von 300 kg.
Die Hirschkühe, teilweise auch als Hindin oder Hinde bezeichnet, leben in größeren oder kleineren Rudeln, die einem meist älteren, aber noch gebärfähigen Tier folgen. In der griechischen Mythologie war die Hirschkuh der Jagdgöttin Artemis heilig.
Das Rotwild ist Gegenstand der klassischen und der Treibjagd.

Bär

Der Bär, in Europa eigentlich der Braunbär, erreicht eine Schulterhöhe von rund 90 bis 150 cm. Sein Gesichtssinn ist unterentwickelt, sein Gehörsinn ist durchschnittlich ausgeprägt, sein Geruchssinn hingegen sehr gut.
Als eines der größten an Land lebenden Raubtiere der Erde spielt er in zahlreichen Mythen und Sagen eine wichtige Rolle. Meister Petz gilt als gutmütig und mächtig, aber ein bisschen langsam.
Eine beliebte Unterhaltung ist, einem Bären und einem Auerochsen oder Bullen in einer Arena beim Kampf zu zuschauen.
Der Bär ist Gegenstand der klassischen und der Treibjagd.

Wildschwein

Schwarzwild erreicht eine Länge von 140 bis 150 cm und ein Gewicht zwischen 80 und 90 kg.
Wildschweine leben meist in Mutterfamilien, den sogenannten Rotten zusammen. Keiler leben oft einzelgängerisch.
Ein starker, älterer Keiler ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr wird als Basse bezeichnet. Das weibliche Tier heißt Bache, die Jungtiere nennt man von der Geburt bis zum darauffolgenden 31. März Frischling, danach Überläufer. Die Eckzähne des Keilers werden als Gewaff bezeichnet. Die Eckzähne im Oberkiefer heißen Haderer, die im Unterkiefer nennt man Gewehre.
Das Wildschwein ist Gegenstand der klassischen und der Treibjagd.

Auerochse

Der Auerochse oder Ur erreicht eine Schulterhöhe von 1,75 bis 1,88 m bei den Bullen und ein Gewicht von bis zu einer Tonne. Die Tiere leben in Herden zusammen, die von einem Bullen geführt werden. Die beeindruckenden Hörner wurden bis zu 80 cm lang.
Eine beliebte Unterhaltung ist, einem Auerochsen oder Bullen und einem Bären in einer Arena beim Kampf zu zuschauen.
Der Auerochse ist Gegenstand der klassischen und der Treibjagd.

Wolf

Der Wolf erreichte eine Schulterhöhe von etwa 80 cm und ein Gewicht bis zu 80 kg.
Die normale Sozialordnung des Wolfes ist das Rudel, das im Regelfall aus einem Elternpaar und deren Nachkommen besteht.
Besonders die Sachsen verehren und fürchten den Wolf; es gibt zahlreiche Sagen und Märchen über Werwölfe oder Wolfskinder. Ihr Göttervater Odin wird von zwei Wölfen begleitet, die als streitlustige und tapfere Tiere den Kampf verfolgen und sich auf die gefallenen Leichen stürzen. Und der Fenriswolf wird, wieder frei, das Weltenende einläuten und den Mond verschlingen. Meister Isegrimm gilt als böse.
Der Wolf ist Gegenstand der klassischen und der Treibjagd.

Fuchs

Der Fuchs ist etwa 75 cm lang zusätzlich zu dem 40 cm langen, buschigen Schwanz. Er erreicht eine Schulterhöhe von 40 cm und ein Gewicht von etwa 7-9 kg.
In der Jägersprache wird der weibliche Fuchs Fähe und der männliche Rüde genannt. Jungtiere nennt man Welpen, Junge eines Wurfs werden als Geheck bezeichnet.
In der Fabel hat Meister Reinecke seit den Zeiten des Äsop den Ruf, schlau und listig zu sein.
Der Fuchs ist Gegenstand der klassischen, der Treib- und der Hundejagd.

Otter

Der Otter lebt sowohl an Land als auch im Wasser und hat kurze Beine mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen. Otter werden bis zu einen Meter lang und können 22 bis 45 kg wiegen.
Sie besitzen einen wundervollen Pelz mit mehr als 1,000 Haaren pro mm².
Der Otter ist Gegenstand der klassischen, der Treib- und der Hundejagd.

Hase

Der Hase wird etwa 60 bis 70 cm lang und bei einer mittleren Körpermasse vier bis fünf kg schwer. Auffallend sind die sehr langen Ohren, die Löffel genannt werden.
Der Hase ist meistens ein Einzelgänger, der sich tagsüber in Hecken, Strauchwerk, Wald auch in hohem Gras verborgen hält. Der Hase liegt immer in einer Mulde (Sasse) mit dem Kopf gegen den Wind.
Die letzte Jagd, Mitte Januar vor der Paarungszeit, wird Hasensilvester genannt. Dieses Ereignis wird unter den Jägern gerne gefeiert. Meister Lampe gilt als ängstlich.
Der Hase ist Gegenstand der klassischen, der Treib- und der Hundejagd.

Vögel

Zum Wildgeflügel gehören sehr, sehr viele Vogelarten: Im Wasser findet man das Blesshuhn, den Kormoran, den Brachvogel, die Wildente, die Wildgans, den Löffelreiher, den Schwan und die Pfeifente, an Ufern zusätzlich noch die Möwe, den Regenpfeifer und die Schnepfe und in Marschen außerdem noch die Rohrdommel, den Kranich, den Fischreiher, das Teichhuhn und den Storch.
Im Wald findet man die Krähe, den Auerhahn, die Elster, den Fasan, den Star und die Waldschnepfe.
Im offenen Gelände und in besiedelten Gebieten findet man die Trappe, den Kranich, das Moorhuhn, die Lärche, die Elster, den Fasan, den Star, die Krähe und das Rebhuhn.
Gabelweihe, Taube und Drossel sind eigentlich überall zu finden.
Meister Adebar , der Storch gilt als stolz, Adelheid, die Gans als geschwätzig, Meister Lütke, der Kranich als bürokratisch und Tybbke, die Ente als dumm.
All diese Vögel sind Gegenstand der Falkenjagd.
Wildgans, Wildente und Taube sind auch Gegenstand der Treibjagd.