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Nachrichten über die Ereignisse des Jahres A. D. MCLXXXVIX

Frankreich / England / Angevinisches Reich
König Philipp und Richard Löwenherz haben gemeinsam die Länder Heinrichs II. angegriffen und dabei insbesondere die Burgen an der Loire und die Touraine heimgesucht. Am 4. Juli musste Heinrich den Vertrag von Azay-le-Rideau unterzeichnen, nach dem er Philipp als Lehnsherren anerkennt. Außerdem beschworen alle drei Könige noch einmal ihren Plan, auf den Kreuzzug zu ziehen. Zwei Tage darauf jedoch starb König Heinrich II. von England, und mit der Thronfolge
sind für den 32jährigen Richard Löwenherz noch einige Aufgaben verbunden, die es vor dem Kreuzzug zu regeln gilt. Diesen will er aber offenbar unbedingt durchführen; es sind schon Kronämter zur Finanzierung des Unternehmens verkauft worden.
Heiliges Land
Saladins Feldzug gegen die Christen zeitigt weitere Erfolge. Obwohl Tyrus unter Markgraf Konrad von Montferrat noch uneingenommen bleibt, so ist doch der größte Teil des Heiligen Landes verloren. Sogar die einst unbezwingbaren Festungen Kerak und Montréal sind nach
eineinhalbjähriger Belagerung schließlich gefallen. In Montréal war der Salzmangel zuletzt so groß, dass es zahlreiche Erblindungsfälle unter der Besatzung gab; die belagerten Franken in Kerak hatten am Ende sogar ihre Frauen und Kinder gegen Lebensmittel getauscht, um sie und sich vor dem Hungertod zu bewahren.
König Guido hat indes in Tripolis ein Häuflein Ritter um sich geschart und ist nach Tyrus gezogen, wo Konrad sich jedoch weigert, die Stadt, die eigentlich Kronbesitz war, zu räumen. Nach
mehrmonatiger Belagerung von Tyrus hat der König dann völlig überraschend einen Angriff auf Akkon gewagt, was unter den Franken allgemein als Torheit gilt, da Saladin als übermächtig angesehen wird. Guido hat jedoch ein befestigtes Lager vor Akkon errichtet, und gedenkt, nicht zu weichen.
Imperium
Im Mai ist das Kreuzheer des Kaisers von Regensburg aus aufgebrochen. Das mit 100.000 Mann größte Kreuzheer aller Zeiten umfasst neben dem Kaiser selbst seinen Sohn Herzog Friedrich von Schwaben, den Erzbischof von Tarentaise, 8 Bischöfe, 3 Markgrafen und 29 Grafen aus allen deutschen Gauen. Durch Ungarn konnte das Heer rasch vorrücken, doch aufgrund der diplomatischen Streitigkeiten mit Byzanz kam es dann ins Stocken. Kaiser Friedrich „Barbarossa“ hat schließlich Philippopel besetzen lassen und droht nun sogar Kaiser Isaak II. Angelos mit der Eroberung Konstantinopels, falls das Kreuzheer weiter behindert werde.
In Deutschland hat Hamburg als erste Stadt Schiffahrtsprivilegien vom Kaiser erhalten.
Mathilde, die geschätzte Gattin Herzog Heinrichs des Löwen, ist im Sommer gestorben. Der Löwe nahm dies und des Kaisers Abwesenheit zum Anlass, nach Deutschland zurückzukehren und eine Restauration seines alten Machtbereichs zu versuchen. Er besetzte Lübeck und zerstörte
Braunschweig; Heinrich VI. erklärte ihm jedoch sogleich den Reichskrieg und rückt nun gegen den Herzog vor.
Sizilien
König Wilhelm II. ist gestorben. Damit tritt nun der Erbfall ein, durch den das blühende Königreich an des Kaisers Sohn Heinrich, der mit Siziliens Thronerbin Konstanze verheiratet ist, fällt. Da sie befürchten, im Imperium unterzugehen, sollte Heinrich dereinst Kaiser werden und Sizilien ans Reich angliedern, haben die Barone jetzt seine Abwesenheit genutzt und Tankred von Lecce, einen illegitimen Enkel von Wilhelms Vorgänger Roger II., zum König ausgerufen. Der Hof
ist jedoch gespalten in Anhänger Tankreds (vor allem Vizekanzler Matthäus von Aiello) und prostaufische Kräfte (die Mehrzahl der Festland-Barone), und der Usurpator hat es folglich nicht leicht.
Auch Papst Clemens ist unzufrieden, denn Heinrich VI. ließ bereits durchblicken, ihm den Gefolgseid zu verweigern, den die vorigen Herrscher Siziliens, die Hauteville, zuletzt immer wieder bekräftigt hatten. Derzeit aber ist Heinrich wegen des Kaisers Kreuzfahrt in Deutschland gebunden, und wird kaum die Zeit aufbringen, sich sein sizilianisches Erbe mit Gewalt zu holen.
Böhmen
Herzog Friedrich von Böhmen ist gestorben. Ihm folgt nun Konrad Otto nach, der bislang Markgraf von Mähren war. Er vereinigte dabei erstmals seit Generationen wieder Böhmen und Mähren und schuf sich damit eine große Machtbasis; die Widerstände des Adels zerschlug er
mit einem Statut, das den Adeligen alle ihre derzeitigen Besitztümer garantierte.
Iberien
Sancho I., König von Portugal, hat in der andauernden Reconquista einen weiteren Erfolg errungen und das Algarve zurückerobert. Ob er die Gewinne länger halten können wird, muss er allerdings noch beweisen.

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