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Nachrichten über die Ereignisse des Jahres A. D. MCLXXXVIII

Frankreich / England / Angevinisches Reich
Die päpstlichen Kreuzprediger Kardinallegat Heinrich von Albano und Erzbischof Joscius von Tyrus haben in Frankreich für rege Kreuzzugsbegeisterung gesorgt. Außerdem gelang ihnen ein kurzzeitiger Ausgleich zwischen Frankreich und England; beide Könige und ihre Großen nahmen am 21. Januar das Kreuz in Gisors in der Normandie; zu Ostern 1189 wollen sie aufbrechen. Zur Finanzierung ist sogleich eine neue Steuer von 10% auf Einkünfte und bewegliche Vermögen, der
„Saladinszehnte“, erhoben worden.
Später im Jahr sah sich Richard Löwenherz einem Aufstand aquitanischer Barone gegenüber, die außerdem vom Grafen von Toulouse unterstützt wurden. Beim Kampf gegen diese rückte er bis nach Toulouse vor, was wiederum König Philipp erzürnte, der sogleich als Vergeltung Bery und die Touraine annektierte. Bei einem Treffen in Bonmoulins huldigte Richard Philipp, sehr zu Heinrichs II. Verdruss, der ebenfalls anwesend war und sein Angevinisches Reich nun faktisch
geteilt sieht. Richard wendet sich damit offen gegen seinen Vater und beugt sich dem zur Zeit mächtigeren König Philipp.
Heiliges Land
Sultan Saladin zieht weiter durch das Heilige Land und erobert christliche Festungen. Die Christen halten nur noch einige im Norden und die Hafenstädte Tripolis und Antiochia, die von der sizilianischen Flotte erfolgreich entsetzt wurden, sowie Tyrus, das Markgraf Konrad von Montferrat verteidigt. Schlimme Zustände herrschen dagegen in den belagerten Festungen Kerak und Montréal, die bislang als uneinnehmbar galten.
Indes hat sich Saladin den Besiegten gegenüber großzügig gezeigt. Wer Geld hat, kann sich freien Abzug zur Küste erkaufen; im Juni ist sogar König Guido freigekommen, gegen den Eid, das Land zu verlassen, wovon er sich danach aber sofort entbinden ließ. Außerdem wurde vier
syrischen Priestern erlaubt, weiterhin am Heiligen Grab den Gottesdienst zu vollführen, obwohl ansonsten alle christlichen Kreuze Jerusalems von den Dächern entfernt wurden. Auch hat Saladin den Rat seiner Emire abgelehnt, Akkon, die zuvor reichste Stadt Palästinas, schleifen zu lassen.
Imperium
Nachdem die ersten seiner Fürsten bereits im Winter 1187/88 das Kreuz genommen hatten, hat der Kaiser selbst nun nachgezogen. Auf dem Hoftag in Mainz im März unterwarf sich nach Jahren der Querelen endlich sein alter Widersacher Erzbischof Philipp von Köln, und nun nahm auch Barbarossa, sichtlich gestärkt, das Kreuz. Weitere Reichsfürsten folgten; allein Heinrich der Löwe nahm, vor die Wahl gestellt, lieber drei weitere Jahre in englischer Verbannung in Kauf.
Als in Mainz infolge der Kreuzzugsbewegung Judenpogrome aufzuflammen drohten, griff der Kaiser sofort ein und drohte wirkungsvoll mit drakonischen Strafen.
Wie auch die beiden anderen Könige will Barbarossa im Frühjahr 1189 aufbrechen. Vorweg schickte er eine Gesandtschaft mit einem Ultimatum an Saladin, das dieser aber ablehnte.
In Magdeburg hat Erzbischof Wichmann das Stadtrecht niederschreiben lassen, ein bislang ungekannter Vorgang in städtischen Führungen.
Lübeck sind vom Kaiser die 1181 durch Heinrich den Löwen erteilten Privilegien bestätigt worden; die Stadt steht damit am Sprung zu einer goldenen Zukunft.
Papst Clemens hat indes mit dem Kaiser den langen Streit um die Besetzung des Trierer Erzbistums beigelegt. Beide Seiten einigten sich auf einen dritten Kandidaten. In diesem Rahmen versprach Clemens, des Kaisers Sohn Heinrich VI. zum Kaiser krönen zu wollen, sofern die Staufer die letzten noch von ihnen besetzten Teile des Patrimonium Petri räumen würden.
Byzanz
Kaiser Isaak II. Angelos sieht sich zur Zeit in der Klemme. Obgleich Christ, führt er diplomatische Gespräche mit Saladin, da Kaiser Friedrich gleichzeitig mit den anderen Balkanmächten und den
Normannen, die beide Byzanz feindlich gesinnt sind, Kontakte pflegt.
Die Situation eskalierte derart, dass schließlich die deutschen Gesandten in Konstantinopel in Ketten gelegt wurden.
Iberien
Fernando II., König von León, ist tot. Seine Nachfolge war umstritten, weil er Kinder von zwei Ehefrauen hatte; zuletzt intervenierte aber Alfons VIII., König von Kastilien, und verhalf Alfons IX. auf den Thron. Seit 1158 sind die beiden Reiche getrennt; jedoch sollen sie wieder zusammen fallen, wenn eine der beiden Linien ausstürbe. Alfons IX. umgarnte daher Alfons VIII.’ Erbtochter
Berenguaria besonders heftig. Nach seiner Krönung gab er dem kastilischen König einen höfischen Kuß – in der Hoffnung auf die Hand Berenguarias. Sein Onkel offenbarte ihm jedoch, dass er Berenguaria bereits dem jüngeren Bruder des Kaisers, Konrad von Seligenstadt, versprochen hatte. Für den Hofstaat sah es folglich so aus, als habe Alfons IX. dem Kastilier einen Vasallitätskuss gegeben...

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