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Nachrichten über die Ereignisse des Jahres A. D. MCLXXXVII

Frankreich / England / Angevinisches Reich
König Philipp II. August ist mit einem Heer gegen die Engländer vorgerückt. Deren König Heinrich II. musste Frieden schließen, da er offenbar Sorge hat, Richard Löwenherz könnte ihm sonst in den Rücken fallen. Später wurde die Heirat von Philipps Halbschwester Alix mit
Heinrichs Sohn Johann vereinbart; dieser Verbindung soll der gesamte angevinische Festlandsbesitz außer der Normandie zufallen.
Später im Jahr traf Philipp Kaiser Friedrich I. an der Maas zu offenbar beiderseitig vorteilhaften Gesprächen. Die Gegner Philipps befürchten nun eine machtvolle Allianz der Staufer und Capetinger.
Vom Hofe von Königin Eleonore in Poitiers kommt die Nachricht, dass Chrétien von Troyes in der Tat ein neues Epos verfasst hat, den „Perceval“.
Aus Rom kamen nach der Schocknachricht vom Fall Jerusalems recht bald der zisterziensische Kardinallegat Heinrich von Albano und Erzbischof Joscius von Tyrus, um den Kreuzzug zu predigen. Sie bemühen sich dem päpstlichen Wunsche gemäß insbesondere um einen Ausgleich zwischen England und Frankreich, damit beide Mächte sich auf den Kreuzzug konzentrieren können.
Jerusalem
Rainald von Châtillon, Fürst von Antiochia und Oultrejordain, hat im Frühjahr eine sarazenische Karawane auf dem Weg nach Damaskus überfallen lassen. Sultan Saladin verlangte vergeblich
Wiedergutmachung und erklärte schließlich den Krieg. Im Juli erlitten die Christen bei Hattin eine vernichtende Niederlage; König Guido wurde gefangen, alle gefangenen Ritter erschlagen und Fürst Rainald von Saladin eigenhändig enthauptet. In der Folge gingen Akkon und Askalon verloren, und nach 14tägiger Belagerung kapitulierte auch Jerusalem am 2. Oktober, wobei Königin Sibylle ihrem Mann in die Gefangenschaft folgte. Der Stadt hatte es auch nichts geholfen, dass zur Buße die Töchter der Stadtherren auf dem Kalvarienberge kalte Wannenbäder genommen und sich das Haupthaar haben scheren lassen.
Wo Saladin hinkommt, fallen die Festungen; nur Tyrus konnte bislang eine Belagerung abwehren. Der Sultan plant, im kommenden Jahr auch den Norden des Heiligen Landes anzugreifen.
Die Christenheit ist nach dieser schrecklichen Nachricht außer sich, der Verlust von Jerusalem und dem heiligen Kreuz, das die Eroberer mit sich fortnahmen, ist ein schwerer Schlag. Man sagt, dass Papst Urban bei Erhalt dieser Nachricht vor Gram verschied. Sein Nachfolger Gregor jedenfalls setzte die Enzyklika „Audita tremendi“ auf, die seitdem in Europa verbreitet wird. Seinem Vorschlag gemäß sollen alle europäischen Mächte auf sieben Jahre Frieden schließen, um sich jetzt zuerst der Wiedergewinnung des Heiligen Landes zu widmen. Als erster hat bereits Richard Löwenherz, Graf von Poitou und Sohn König Heinrichs von England, das Kreuz genommen, sehr zum Jubel des Volkes.
Desweiteren schreiben Dichter Kreuzeslieder und Elegien auf den Fall Jerusalems.
Imperium
In Toul hat Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein Bündnis mit dem französischen König Philipp geschlossen. Damit hat er den Staufern einen Partner gegen die Welfen geschaffen, die auch seit dem Sturz Heinrichs des Löwen nicht aufgehört haben, eigene Machtpolitik zu betreiben.
Im Dezember findet ein Reichstag in Straßburg statt. Auf diesem, so heißt es, wollen die ersten deutschen Fürsten das Kreuz nehmen.
Kirche
Schwere Zeit für den Vatikan: Ende Oktober verstarb Papst Urban III. Zu seinem Nachfolger wählte die Kurie Albertus, der als Gregor VIII. fünf Tage später geweiht wurde; jedoch ist der neue Papst nach nur 53 Tagen ebenfalls verschieden. Am 20. Dezember nun hat Paulus Scolarus die Weihen zum neuen Papst erhalten; er nahm den Namen Clemens III. an.
Nach 153 Jahren Bauzeit ist der Würzburger Dom schlußgeweiht worden.
Chorweihen erhielten außerdem die Zisterzienserabtei von Heiligenkreuz und der Dom von Verona.
Byzanz
Der oströmische Kaiser Isaak II. Angelos hat das neue großbulgarische Reich offiziell anerkannt. Doch mit diesem Freundschaftsbeweis konnte er dennoch keinen Beistand gegen Ungarn erhalten, das im Laufe des Jahres die byzantinischen Besitzungen Dalmatien, Kroatien und Serbien
erobern konnte.
Sizilien
König Wilhelm II. hat eine Flotte von 50 Galeeren nach Tripolis geschickt, die dort dem Entsatz der Stadt von den feindlichen Belagerern helfen soll.

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