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Lux Ex Ternebris - Azred

Azred ibn Hadschi Khara al-Bastra ibn Hadschi Khalid ibn Hadschi Ahmed el-Tarha ibn Hadschi Dharhar ibn Hadschi Nazir

Azred wird als jüngster von fünf Söhnen dem Wesir Hadschi Khara al-Bastra ibn Hadschi Khalid ibn Hadschi Ahmed el-Tarha ibn Hadschi Dharhar ibn Hadschi Nazir (Heir) des Sultan von Kairo im Jahre 542 (1164) geboren. In seiner Kinderzeit im Harem wird er von allen verwöhnt. Alle Damen und auch die Sklavinnen scheinen den Knaben zu lieben (Venus Blessing). Doch diese glückliche Zeit geht schnell, viel zu schnell vorbei, denn der Wesir beschließt, dass auch sein jüngster endlich zu einem Mann werden müsse. Die Zeiten sind zu kriegerisch, als dass einer seiner Söhne es sich leisten könnte, die ganze Zeit im Harem verwöhnt zu werden.
Als der große Salahad-Din (Saladin) 549 (1171) zum Sultan wird, bekommt Azred also seine eigenen Zimmer im Palast. Und zusammen mit seinen vier älteren Brüdern lernt er die Künste der arabischen Kriegerkaste: den Kampf. Es zeigt sich, dass er ein geborener Krieger ist. Seine Reflexe sind schnell und er zeigt ein erstaunlichen Talent: Er ist weder Rechts- noch Linkshänder, sondern kann mit beiden Seiten gleich gut kämpfen (Ambidexterious). Und so unterrichten ihn seine Lehrer in der Kunst des beidhändigen Kampfes.
Seine Brüder Said, Dajin, Sanshid und Feyhach jedoch sind ihm immer an Jahren und so auch an Kraft und Geschicklichkeit weit voraus. Er liebt sie alle vier von Herzen; seinem sonnigen Gemüt (Carefree) kommt es nicht in den Sinn, neidisch oder eifersüchtig zu werden. Aber die ewigen Sticheleien der Älteren hasst der Jüngling mit der ganzen Leidenschaft seines jungen Herzens.
So kommt es, dass er sich ein anderes Gebiet sucht, auf dem er der Führende und Bessere ist. Er lernt, sich am Hofe zu benehmen, den Frauen zu schmeicheln und die Zitar zu spielen. Und er hat Erfolg damit. Zum einen sind seine Lehrmeister stolz auf ihn und halten den anderen Brüdern Azred als Vorbild vor, zum anderen genießt der schöne, junge Krieger, der so wohl zu reden versteht, bald die Huld vieler junger Damen (Venus Blessing). Bei einigen dieser Abenteuer, auf die er sich einlässt, retten ihn wohl nur seine körperlichen Fähigkeiten als Krieger vor den bitteren Konsequenzen seiner süßen Abenteuer. Azred genießt sein Leben in vollen Zügen... 
Doch dann eines schönen Tages, als er in der Bibliothek seines Vaters nach einigen Noten sucht, entdeckt er einige Traktate über die Wissenschaft, die Schönen Künste, die Artes Liberales wie sie im christlichen Landen genannt werden. Er sieht sie, ließt sie und ist hingerissen... Er geht in ihnen auf. Ihm scheint, nun er habe endlich seine Bestimmung gefunden! Ihm ist, als hätte er erst in diesem Moment das erste Mal geatmet. Als würde er jetzt das erste mal sehen, hören, riechen und schmecken. Als würde er erst jetzt anfangen zu leben. Es ist als habe Allah selbst sich in diesen Dingen für ihn offenbart (Weakness: Artes Liberales).
Azred fängt an, alle Schriften, die die Wissenschaft berühren und derer er habhaft werden kann zu sammeln. Er ließt viel; viel mehr als einem so jungen Mann wie ihm eigentlich ansteht. Man findet ihn ein wenig eigenartig, seltsam. Zumal der junge Krieger nun auch sein Training an den Waffen schleifen lässt.
Auch den anderen Höflingen kommt dies zu Ohren und so wird Hadschi Khara al Bastra aufgefordert, doch einmal seinen Sohn zu einer Audienz beim Sultan mitzubringen. Was eigentlich dazu gedacht war, den Wesir zu diskreditieren, geht für die Intriganten nach hinten los. Sultan Salahad-Din findet Gefallen an dem jungen Mann und legt ihm nahe, dass das Reich nicht nur Krieger, sondern auch Philosophen brauche. Nach diesem Gespräch unterstützt der Wesir die Leidenschaft seines Sohnes aus ganzem Herzen. Und innerhalb kurzer Zeit hat Azred sich einen Namen als Gelehrter gemacht. Natürlich ist er auch immer noch Krieger, doch die meiste Zeit verbringt er nun in den großen Bibliotheken, die Kairo zu bieten hat. Und er ist bald ein regelmäßiger Gast am Hof.
Hier fliegen ihm die Herzen nur so zu. Seine freundliche, offene, ehrliche Art macht ihm viele Freunde. Und er ist intelligent genug, sich nicht in die Intrigen verwickeln zu lassen. Nur von den Frauen kann er die Finger auch jetzt nicht lassen. Und sie nicht von ihm...
Diese Abenteuer sind die einzigen "Fehltritte" des jungen Mannes. Und er bewahrt Schweigen darüber; nicht einmal seinen geliebten Brüdern erzählt er davon. Und so steigt sein Stern steil und schnell. Man ist überall der Meinung, dass dieser junge, edle und starke Mann ein Liebling Allahs ist. Alles, was er beginnt, läuft wie von allein. Alles, was er in die Hände nimmt, gelingt...
Bis ihn eines Nachts die Haremswächter des Wesirs Hadschi Neriman, wenn auch nicht erwischen, so doch ihn zu erkennen glauben. Sein Bruder Dajin schwört, die beiden wären die ganze Nacht beisammen gewesen und hätten über die Taktiken der Christen geredet.
Doch die ganze Sache beginnt zu einem Skandal zu werden und so schickt Sultan Salahad-Din den jungen Azred auf eine diplomatische Mission nach Bagdad. Seine Mission erfüllt der junge Krieger ohne Schwierigkeiten. Auch am Hofe Bagdads nimmt man ihn mit offenen Armen und offenen Herzen auf. Aus der Lektion von Wesir Hadschi Neriman hat Azred jedoch auch gelernt: Er macht den Damen zwar den Hof, aber er überschreitet keine der höfischen Grenzen mehr.
Auf der Rückreise nach Kairo wird er und seine Karawane von Kreuzfahrern angegriffen. Azred und die Seinigen können die Angreifer zwar zurückschlagen, aber Azred sieht nun die Notwendigkeit der Verteidigung des Reiches. Er schickt Boten nach Kairo, um seine Mission zu beenden und seinen Vater von seinem Entschluss zu informieren. Dann schließt er sich dem muselmanischem Heer an.
In den Kämpfen lernt Azred schnell drei Dinge: Manchmal sind die, die unedel sind, im Kampfe edler und tapferer als die, die edel geboren sind; Adel ist eine Sache des Herzens und nicht der Geburt.
Die Christen begehen im Namen ihres Gottes der Liebe Taten, die eines Shaitan würdig wären; aber auch ihr Blut ist rot, auch bei ihnen gibt es Gute und Böse, und diese Guten können tapfer und edel sein, so gut wie jeder Muslim.
Im Krieg selber steckt der Shaitan! Zwar trennen sich hier die Tapferen von den Feiglingen, aber auch die Tapferen werden in Versuchung geführt, schreckliche Dinge zu tun, um eines taktischen Vorteils wegen...
Azred wird im Kampf von d`Alsante besiegt und als Kriegsbeute nach Frankreich verschleppt. Die Reise ist hart. Nicht nur, dass er gefangen ist und das aus tiefstem Herzen zu hassen lernt (Obesessed: Personal Freedom). Es ist einfach kalt in diesem grausamen Land. Und außerdem fehlt ihm alles, was zu einer Zivilisation einfach dazu gehört. Die Menschen sind kalt und hartherzig und nicht gastfreundlich, nicht einmal zu Ihresgleichen... Die einfachen Leute scheinen Angst vor den Kreuzfahrern zu haben. Sie haben nicht eine gemeinsame Sprache, sondern können sich oft selbst nicht miteinander verständigen. Alles ist hier anders und sehr seltsam. Und - als der Winter kommt - noch dazu unbarmherzig kalt. Warum Allah dieses Land geschaffen hat, weiß Er vermutlich selber nicht.
Endlich mitten im Nirgendwo angekommen, wird Azred an den Pranger geschmiedet. Er versucht die Situation mit soviel Würde und stoischer Gelassenheit zu ertragen, wie ein gefangener Kreuzfahrer, den er einst gesehen hat. In der Nacht wird er von einer Frau vom d´ouefschen Pranger befreit. Er versteht nicht, warum sie es tut, aber er ist ihr dankbar.
Er schlägt sich nach Norden durch und trifft bald auf einen Haufen von einigen armen Leuten, die vogelfrei sind. Zuerst tut er sich nur mit ihnen zusammen, um besser zu überleben, aber bald wird er ihr Anführer und übernimmt für sie die Verantwortung für sie.
Im Wald trifft er auf die Frau, die ihn befreit hatte, und entführt sie. Von dem Lösegeld erhofft er sich seine Leute durch den Winter bringen zu können. Doch die Frau, Flamma, fasziniert ihn auch. Nicht nur, dass sie sich kleidet, kämpft und sich gibt wie ein Mann, irgend etwas hindert ihn, mit ihr so zu flirten und sie um den Finger zu wickeln, wie er es normalerweise mit Frauen tut. Irgend etwas an ihr ist anders als an allen anderen Frauen. Und dieses Lächeln, das ihr gesamtes Wesen zu ändern scheint, möchte er noch öfter auf ihr Gesicht zaubern...

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