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Geschichte und Geschichten

Vor langer, langer Zeit, vor 1000 Jahren begann die Zeitrechung auf Rokugan. Seitdem schreiben die Historiker und die Ikoma-Barden nieder, was alles geschieht.

Ein grober Überblick

Es gab unterhalb der Clans immer mal wieder Reibereien, die aber eher selten zu offenen Schlachten führten. Dennoch hat es sie immer wieder gegeben.
Zweimal in der Geschichte des Reiches formten Kulte von Blutmagiern riesige Armeen aus Untoten, um das Reich zu überrennen und die Schriftrollen zu erobern, die Fu Leng banden - und beide Male wurden sie unter großen Opfern vernichtet. Noch immer sind Blutmagier die große Bedrohung des Bösen nördlich der Großen Mauer.
Einigen Samurai oder Shugenja, die sich besonders hervorgetan hatten, wurde vom Kaiser die Ehre zuteil, einen eigenen Clan gründen zu dürfen - diese niederen Clans stehen zwar im Schatten der sieben großen Clans, erfüllen aber teilweise sehr wichtige Rollen im Reich.
Blauäugige Teufel landeten mit einer großen Flotte und einer Invasionsstreitmacht an der Küste Rokugans und wurden unter großen Opfern ins Meer zurückgetrieben.
Die Schattenlande haben sich mehrmals an der großen Mauer versucht, aber bis jetzt bleibt der Clan des Krebses unüberwunden in seiner Wacht auf der Mauer.
Und der Clan des Einhorns kehrte nach 800 Jahren ins Reich zurück. Zuerst hielt man sie für eine Invasion von Barbaren, aber nach einigen... Missverständnissen wurden sie im Reich empfangen und ihnen ihre alten Länder wieder übergeben.

 

Über die Anfänge der Magie

Der Clan des Phönix begründet seine Tradition zu gleichen Teilen auf Shiba, dem Götterkind sowie auf Isawa, dem Magier. Isawa war es, der, als die Kami ihr Turnier beendet hatten und vor die Menschen traten um zu verkünden, dass sie von nun an über die Menschen herrschen und sie beschützen würden, jene um sich sammelte, die das Haupt nicht vor Hantei und seinen Geschwistern beugen wollten, und sie entlang der Küste bis jenseits der Berge des Schlafenden Donners führte. Dort bauten sie ihre Stadt – eine Stadt namens Gisei Toshi. Trotz des rauen Klimas des Nordens überlebte und wuchs die Stadt unter der Führung von Isawa, seinen Brüdern, Schwestern und Kindern – nicht zuletzt wegen Isawas Magie.
Als Fu Lengs Horden über Rokugan herfielen, wähnte sich Isawas Volk zunächst sicher, denn die Kämpfe waren weit im Westen und das ganze neue Reich Hanteis lag zwischen ihnen und den Schattenlanden. Doch die Oger und Goblins von Fu Leng fanden bald auch den Weg entlang der Bergketten tief ins Reich und schon bald sahen sich auch die Menschen von Gisei Toshi den Schrecken und der Verderbtheit der Armeen Fu Lengs gegenüber und erfuhren schnell, dass selbst all die Macht ihrer Shugenja die Stadt nicht würde halten können. Da kamen eines Tages Shinsei und Shiba nach Gisei Toshi, denn Shiba suchte nach einem Auserwählten, der an der Seite Shinseis gegen Fu Leng ziehen würde.
Isawa weigerte sich lange und die drei stritten bis tief in die Nacht. Schließlich versprach Shiba, dass er und seine Nachfahren auf ewig über die Kinder Isawas wachen würden, und Isawa versprach, Shiba die Gefolgschaft zu schwören – unter der Bedingung, dass Shiba zu seinen Füßen knien würde, wenn er den Treueeid sprach. Jeder andere der Kami hätte ob der Ungeheuerlichkeit dieser Forderung die Fassung verloren, aber Shiba verstand sofort, dass diese eine Geste der Demut das Leben von Tausenden retten und vielleicht sogar den ganzen Krieg gewinnen könnte – und so kniete er vor Isawa.
Isawa selbst sandte seine fünf Geschwister zu den anderen großen Clans (alle bis auf den Skorpionclan), um diese in die Geheimnisse der Magie einzuweihen und sie nach Kräften zu unterstützen. In vielerlei Hinsicht sind die Isawa die Mütter und Väter der Magie in ganz Rokugan.
Nachdem Fu Leng bezwungen war, füllten der Clan des Phönix schnell die Rolle der Sammler, Hüter und Verwalter allen Magischen Wissens in Rokugan aus. Auch die Lehre Shinseis sowie den Glauben an die sieben großen Kami und all die niederen Götter verbreiteten sie in Rokugan – bauten Tempel und Schreine, gründeten Klöster, predigten zu den Menschen. So wie er es geschworen hatte, wachten Shiba und die seinen treu über die Isawa. Auf den Schultern des Clans lastete auch die Aufgabe, das Reich vor Blutmagie zu schützen, denn sie kannten Blutmagie besser als sonst ein Clan.
Die Shiba-Familie steht – als Nachkommen des Clansgründers Shiba – offiziell dem Clan vor. Tatsächlich ist der Posten des Clansdaimyos jedoch vor allem ein zeremonieller Posten für den Phönix – die eigentlichen Entscheidungen werden von den Fünf Elementarmeistern getroffen, den mächtigsten Magiern der Isawa-Familie.
Die Isawa-Familie wiederum ist die größte Familie des Phönix, und die machtvollste dazu. Die Isawa unterhalten neben einer allgemeinen Shugenja-Schule noch eine Magieschule, die jeweils auf eines der fünf Elemente (Feuer, Wasser, Erde, Luft, Leere) spezialisiert ist. Gerade die Magie der Leere ist unter den anderen Clans so gut wie vollkommen unbekannt. Die Isawa selbst sind bekannt für ihr Verständnis der Magie.
Im Clan des Phönix gibt es nur eine Schwertschule, die der Shiba-Familie. Die Shiba haben einen eigentümlichen Stand im Reich – zwar sind sie direkte Nachkommen von Shiba, dem Gott und Clansgründer, und repräsentieren den Clan gegenüber dem restlichen Reich, aber alle wichtigen Entscheidungen im Clan werden von den Shugenja der Isawa-Familie getroffen. Die Schuler der Shiba sind kompetente Bushi und vermögen es sogar noch besser als die Bushi des Drachen, Seite an Seite mit den Shugenja ihres Clans zu kämpfen, sie zu schützen und ihnen zur Seite zu stehen.

 

Der Clan der Schlange

Von einem Tag auf den anderen löschte der Clan des Phönix den niederen Clan der Schlange aus: samt Frauen, Alten und Kindern, samt Tieren und Vieh - und da in nur sechs Tagen. Dies schockierte das Reich, denn an und für sich ist der Clan des Phönix für seine Gewaltlosigkeit und seinen Unwillen, Blut zu vergießen, bekannt.

 

Die Schlacht des zerbrochenen Daisho

In der Schlacht des zerbrochenen Daisho stellte sich eine ganze Armee des Phönix zwischen die Armeen des Kranichs und des Löwen und auch nicht wich, als der Löwe – sicher, der Phönix würde seinem traditionellen Verbündeten, dem Kranich, beistehen, über die Armee des Phönix herfiel. Die Bushi des Phönix stellten sich den Löwen in den Weg, doch nicht einer von ihnen zog sein Schwert.
Hunderte und Aberhunderte Phönixe verloren ihr Leben, bevor der Löwe verwirrt zurückfiel, und noch mehr verloren ihr Leben, als der Kranich durch die Reihen des Phönix hindurch versuchte, seine Feinde die Löwen zu erreichen. Schließlich erkannten beide Generäle ihre Schande und ließen voneinander ab.
Die Diplomaten des Phönix gelten noch heute am Kaiserhofe stets als Stimmen der Moderation und des Friedens – was hinter ihrem Rücken dennoch, gerade von hitzköpfigen Löwen, Krebsen oder Kranichen als Schwäche ausgelegt wird.

 

Akodo und Matsu

Die Familien der Akodo und der Matsu verbindet eine Rivalität, die ihre Wurzeln in der Gründung des Clans selbst hat. Akodo, der Clansgründer, suchte einst nach den besten Schwertkämpfern des Reiches, um sie für seinen Clan zu gewinnen. In der Schwertmaid Matsu fand er die größte Schwertkämpferin des Reiches – doch diese hatte für Akodo und die Männer, die er um sich gesammelt hatte, nichts als Spott übrig. Jahrelang wartete und hoffte Akodo, dass mit dem wachsenden Ruhm seines Clans auch der Anreiz für Matsu wachsen würde, ihren Platz unter den Löwen zu suchen – und an seiner Seite. Schließlich war es Akodo, der Matsu aufsuchte, um seinem Drängen Nachdruck zu verleihen.
Matsu fasste sein Werben allerdings als Beleidigung auf und forderte ihn zum Duell: der Gewinner würde die Armeen und den Clan befehligen, der Verlierer dem Gewinner dienen. Akodo forderte aber, dass, sollte er verlieren, Matsu ihn heiraten würde, und Matsu forderte, dass, sollte sie verlieren, Akodo nie wieder um ihre Hand anhalten würde. Es heißt, Himmel und Erde wären ob der Gewalt ihrer Schwerthiebe in ihren Grundfesten erschüttert worden – doch am Ende war es Akodo, der das Duell gewann.
Matsu heiratete schließlich den vierten Gefolgsmann von Akodo (und als Akodo, in seinem Stolz verletzt, sie daraufhin zur Rede stellte, meinte sie nur "Wenn ich Dich heirate, bin ich die Frau von Akodo. Wenn ich ihn heirate, ist er der Mann von Matsu."), und beide gründeten Familien und Schwertkampfschulen im Clan des Löwen.
Die Akodo gelten als diszipliniert, als hervorragende Strategen und Anführer, und ihre Schwertkunst der Akodo gründet sich auf der Präzision, mit der sie ihre Schläge setzen, mit der sie scheinbar mühelos die Stellen am Körper ihrer Gegner treffen, die nicht von
Rüstung bedeckt sind. Man sagt, mit der selben Präzision, mit der ein Schüler der Akodo-Schule sein Schwert führt, kann er auch ganze Armeen führen.
Die Matsu gelten als stolz und ungestüm, als wilde Krieger, denen die Disziplin der Akodo fremd ist, die aber nichtsdestotrotz fürchterliche Gegner sind. Ihre Schwertkunst fußt auf der legendären Kampfeswut der Matsu, die ihre Gegner vor Furcht erzittern lässt, und die einen Bushi der Matsu zu einem wilden Berserker in der Schlacht machen. Man sagt, einen zornigen Matsu können selbst die Götter und Kami nicht von seinem Gegner trennen.

 

Togashi und Shinsei

Der Krieg gegen Fu Leng und die Begegnung mit Shinsei veränderten Togashi zutiefst – gerade Shinseis Lehren waren ihm zunächst ein Mysterium. Es gibt die Geschichte, dass Togashi, beeindruckt und verwirrt von der tiefen Weisheit Shinseis, sich zurückzog und sich weigerte, zu essen oder zu trinken, bis er die Lehren Shinseis verstanden hätte. Tage über Tage gingen ins Land und während die Anhänger Togashis um ihn herum Speisen und Getränke aufhäuften, mit denen sie hofften, ihr Clanoberhaupt von seinem Fasten (das ihn trotz seiner Göttlichkeit langsam umbrachte) abzubringen, blieb Togashi schweigend, grimmig und regungslos. Schließlich hörte Shinsei davon und begab sich zu Togashi. Über Berge von gekochtem Reis und Krüge voller Sake kletternd näherte er sich Togashi und nahm schließlich neben ihm Platz und bot ihm eine Pflaume zu essen an. Togaschi sah den Mönch grimmig an und meinte, er würde weder Essen noch trinken, bis er die Lehren Shinseis verstanden habe. Shinsei lächelte nur, legte die Pflaume nieder und sagte, "Ebensowenig wie ich". Daraufhin, so sagt man, war Togashi erleuchtet, denn nun sah er, wie sein selbstsüchtiges Ringen um Erkenntnis seinen Clan, ihn selbst und schließlich auch das Wissen, das er (verkörpert in Shinsei) suchte, ihn umbrachte. Shinsei und Togashi genossen ein gemeinsames Mahl an den Speisen um sie herum und gingen dann wieder voneinander.
Togashi und der Clan des Drachen errangen viel Ruhm während des Krieges gegen Fu Leng, doch als dieser endgültig bezwungen war, kehrten sie einfach wieder in ihre Berge zurück.

 

Die Ize Zumi

Togashi, der spätere Clansgründer, nahm als einziger nicht an dem Turnier, das die Kami, die Götterkinder, abhielten um zu bestimmen, wer von ihnen über die Welt herrschen solle – auch wenn seine Brüder Hida und Akodo ihm dies als Feigheit vorwarfen – denn er wusste bereits den Ausgang dieses Turniers. Nachdem Hantei als Sieger hervorgegangen war, zog sich Togashi in die Berge des Nordens zurück, um dort ein Kloster zu bauen und in Einsamkeit zu meditieren.
Zwei Samurai – Mirumoto und Agasha – schlossen sich ihm an. Togashi ignorierte sie zunächst, doch ihre Entschlossenheit, an der Seite Togashis nach Erleuchtung zu streben und von ihm zu lernen, überzeugte ihn bald, und zusammen mit ihnen gründete er den Clan des Drachen.
In den folgenden Jahren wuchs der Clan des Drachen an Zahl, denn viele Samurai gingen in die Berge, um an Weisheit und Wissen Togashis teilzuhaben. Jene unter den Neuankömmlingen, die Talent und Interesse für den Schwertkampf besaßen, schlossen sich Miromoto an, lernten und praktizierten die von ihm begründete niten-Schwerttechnik, in der Langschwert und Kurzschwert gleichermaßen benutzt werden. Jene, die eine Affinität zu den Elementen aufwiesen, wurden von Agasha unter seine Fittiche genommen, und er lehrte sie seine Sicht der Welt und seine Art der Magie. Jene aber, die vor allem anderen nach Weisheit und Erleuchtung suchten, folgten Togashi selber, und bildeten bald den Kern der Tätowierten Mönche, der Ize Zumi.
Die Ize Zumi sind insofern schon einzigartig für Rokugan, als dass sie als Samurais als Mönche leben! Zwar ist es durchaus üblich, dass Samurai sich nach Vollendung ihres vierzigsten Lebensjahres das Haupt scheren und die Roben eines Mönches nehmen – aber die Ize Zumi sind vielfach junge Samurai in der Blüte ihrer Jahre! Selten tragen sie mehr als einfache Roben und wie die meisten anderen Mönchsorden entsagen auch sie dem Weltlichen und leben ein Leben voller Askese und Meditation.
Einzigartig dabei ist aber, dass die Ize Zumi keinen festen Weg folgen – wie zum Beispiel den Lehren des Shinsei – sondern jeder Ize Zumi seinen eigenen, individuellen Weg zur Erleuchtung sucht. So mag ein Ize Zumi die Erleuchtung in stiller Meditation suchen, ein anderer aber in wildester körperlicher Aktivität. Einer mag sich durch Askese und Fasten läutern, ein anderer in Sinnesfreuden und Völlerei seinen Weg finden. Einzigartig sind auch die Tätowierungen der Ize Zumi – bei manchen nur spärlich, bei anderen den ganzen Körper bedeckend – die sie unverkennbar machen. Die Ize Zumi sind grundsätzlich Pazifisten, können aber zu fürchterlichen Kriegern werden, wenn sie dazu getrieben werden. Ize Zumi kämpfen meist waffenlos, nur mit ihren Händen und Füssen.