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Lord Sheridan Stuart Granville

Anstelle eines Tagebuchs
Wie Forster in Lord Sheridans Dienste kam
Nach den Geschehnissen auf Searwater Hall

Charakterbogen

Anrede:
Als jüngerer Sohn eines Dukes wird er mit The Lord Sheridan Granville vorgestellt, über ihn gesprochen wird als (The) Lord Sheridan (Granville), angesprochen wird er mit My Lord oder Lord Sheridan oder von guten Freunden als Sheridan oder Granville. Er unterschreibt nur mit seinem Namen.

Beschreibung in zwei Worten:
Smooth Operator

Stil:
Zurückhaltend, aber extrem elegant (sowohl was Kleidung als auch alles andere angeht).

Biographie:
Geboren am 23. November 1835. Er verlebt eine kurze, aber glückliche Kindheit in Goodwood House, dem Landsitz der Familie in West Sussex, nahe Chichester, an der englischen Kanalküste. Er hat eine besonders enge Beziehung zu seinem zwei Jahre älteren Bruder Alistair, die bis heute anhält. (Er ist auch der einzige Außenstehende, der von Lord Sheridans Geheimdiensttätigkeit weiß.) Er besucht Harrow, dann das St John's College, Cambridge, (sein Bruder geht nach Eton und Oxford), wo er sich für die Naturwissenschaften und besonders Mathematik interessiert. Schon damals wird er Mitglied der 1812 von Charles Babbage und anderen Mathematikern und Mathematikstudenten in Cambridge als Analytical Society gegründeten Cambridge Philosophical Society.
1854 lässt er sich in angetrunkenem Zustand bei White's auf eine verbale Auseinandersetzung mit Lord Kennington über die Nutzlosigkeit jüngerer Söhne ein und landet dadurch zum großen Entsetzen seines Bruders, unterdessen der Duke of Richmond, als Captain bei der Kavallerie . Er wird bei der Attacke der Leichten Brigade bei Balaklawa am 25. Oktober 1854 verwundet. Von Granatsplittern und seinem über ihm zusammenbrechenden Pferd Pegasus schwer am linken Bein verletzt, muss er dabei, ohne weiter eingreifen zu können, die Vernichtung seines Regiments miterleben. 
Nach der Schlacht wird er halbtot von einem unbekannten Soldaten (Nat Forster, jetzt sein persönlicher Diener) gefunden, der ihm Wasser gibt und dafür sorgt, dass er ins Lazarett kommt. Die Ärzte dort wollen sein Bein amputieren, aber Forster setzt Granvilles gegenteilige Wünsche durch. Als die Ärzte daraufhin jede Verantwortung ablehnen, pflegt er Granville selbst mit Hausmitteln, die er von seiner Mutter übernommen hat. Er verschwindet, bevor Richmond mit einem eigenen Arzt (Dr. Simmons) aus England eintrifft und seinen Bruder auf der Familienyacht "Victorious" nach Hause bringt. 
Während seiner langen Rekonvaleszenz entdeckt Lord Sheridan seine Liebe zur Mathematik wieder und beschäftigt sich auch mit dem Problem der Verschlüsselung von Texten. Er veröffentlicht in den "Proceedings of the Cambridge Philosophical Society" einige Aufsätze zur Numerik und analytischen Zahlentheorie. Ein weiterer Aufsatz, in dem er die These aufstellt, dass ein wesentliches Merkmal eines guten Codes sei, dass die Kommunikationspartner keinen Schaden erleiden, wenn das Verschlüsselungssystem bekannt wird und dass allein der Schlüssel selbst für die Sicherheit sorgen sollte , wird nie gedruckt, sondern landet über bestimmte Cambridger Kreise im Kriegsministerium. Die allgemeine Meinung ist, dass es wünschenswert wäre, Lord Sheridan in den Geheimdienst Ihrer Majestät aufzunehmen. Es wird vorsichtig ein Kontakt hergestellt, und schließlich wird er tatsächlich als Agent und vor allem Kryptographer angeworben. 
Tatsächlich ging die Anregung, ihn mit einem Angebot zu kontaktieren, von dem im Kriegministerium beschäftigten Lord Kennington aus. Ob dessen Vorschlag auch von einem schlechten Gewissen diktiert wurde, sei dahingestellt. Sicher ist, dass er Granville im Auge behalten hat, seit dieser auf die Krim gefahren ist. Aus dieser Zeit (und von ihm) hat Granville auch seinen Codenamen "Bellerophon", den er ihm wegen seines Pferdes Pegasus verliehen hat. 
Nachdem Lord Sheridan schon einige Zeit beim Geheimdienst ist, kommt es zu einer Aussprache zwischen den beiden, in der Lord Kennington sich entschuldigen will, was Lord Sheridan aber als unnötig ablehnt. Er selbst gibt zu, sich von den Worten über nutzlose jüngere Söhne getroffen gefühlt zu haben. Er war sich der Sinnlosigkeit seiner Existenz schon länger bewusst und die Zeit bei der Armee hat ihm endlich eine wertvolle Aufgabe gegeben – wenn er sich auch natürlich einen anderen Ausgang gewünscht hätte. 
Lord Kennington ist zwar Lord Sheridans Vorgesetzer, aber seit dieser Zeit verbindet sie auch eine Freundschaft oder vielleicht sogar eher eine Art Vater-Sohn-Beziehung. 
Nachdem er wieder laufen kann, verlässt Lord Sheridan (unter anderem auf Anraten von Lady Arabella Darlington) England für einige Zeit (es werden drei Jahre) und bereist den Kontinent (wo er auch seine ersten Geheimaufträge für die britische Regierung durchführt). 
In Paris hat er eine achtmonatige Affäre mit der Kurtisane Valentine Gautier ("La Colombine"), die ihm hilft, sich mit seinem in seinen Augen entstellten Körper anzufreunden. Doch bis heute hat er nur Beziehungen mit Kurtisanen, die er für ihre Dienste bezahlt, da er glaubt, seinen Körper keiner wirklichen Lady zumuten zu können. 
Nach seiner ehrenvollen Entlassung aus der Kavallerie, wird Lord Sheridan schließlich Offizier bei der Marine und bekleidet unterdessen den Rang eines Commanders. Tatsächlich ist er jedoch hauptsächlich im Geheimdienst Ihrer Majestät (noch immer vor allem als Kryptographer) beschäftigt. Durch seine Stellung hört er viel, kann sich überall bewegen und unauffällig eigentlich fast jeden treffen. Durch die Behinderung durch seine steifes Bein findet es auch niemand ungewöhnlich, wenn er sich auf Bällen und Gesellschaften beispielweise "zum Kartenspielen" zurückzieht. In der Gesellschaft ist er vor allem bekannt als vollendeter Gentleman, Mathematiker und Technik-Enthusiast. 
Früher voller patriotischem Tatendrang ist er nach seiner Verwundung ein erklärter Kriegsgegner und verabscheut jede Art von Hurra-Patriotismus oder unreflektierter Heldenverehrung. Aus diesem Grund hasst er auch das Tennyson-Gedicht "The Charge of the Light Brigade" und verweist statt dessen auf Kiplings "The Last of the Light Brigade".

Aussehen:
Überdurchschnittlich groß, durchaus trainiert (um seine Behinderung auszugleichen, versucht er wenigstens den Rest seiner Körpers fit zu halten), dunkelbraunes Haar mit Koteletten, aber ohne Bart, dunkle, gerade Augenbrauen über grünbraunen Augen. 
Er ist stets sehr elegant gekleidet und nie ohne seinen Gehstock unterwegs, den er zwar auch tatsächlich braucht, der aber auch mit einem Handgriff in eine Pistole oder einen Dolch verwandelt werden kann. Meist hat er auch ein Einglas bei sich, das sich bei einer genaueren Untersuchung als starke Lupe entpuppen würde. 
Eine Narbe läuft durch seine Augenbraue, eine über seinen Wangenknochen und eine entlang seiner Kinnlinie (alle links). Auf seinem Körper sind die schlimmsten Narben auf seinem linken Knie und Oberschenkel, über seine Hüfte auslaufend und teilweise noch bis auf seinen unteren Bauch.

Tugenden:
Er ist von seiner Arbeit besessen. Wenn er sich in was verbeißt (beispielsweise einen Code) arbeitet er auch mal 2 Tage durch. Forster versucht das zu unterbinden - mit eher fragwürdigem Erfolg. 
Er ist loyal. 
Er ist ehrlich (soweit das im Rahmen seiner Tätigkeit möglich ist).
Er ist ein vollendeter Gentleman.
Er ist Frauen gegenüber nicht nur höflich, sondern auch freundlich (solange sie ihn nicht mit Gefühlsausbrüchen überfordern). Er tanzt sogar mit Mauerblümchen oder plaudert mit ihnen.

Laster:
Er spielt sehr gerne, vor allem Spiele, die Können und Konzentration erfordern, wie beispielsweise Whist. Wenn er erst mal dabei ist, kann es schon mal bis in den Morgen gehen. 
Er wettet auf Pferde.
Er hat immer mal wieder eine offizielle Geliebte, stets eine nicht unbedingt immer ausgesprochen schöne, aber immer sehr gebildete und geistvolle Kurtisane, die er in entsprechendem Stil aushält. Insgesamt waren es aber nicht übermäßig viele und die Beziehungen dauerten in der Regel länger (auf jeden Fall länger als 1 Jahr).

Schwächen:
Er hat noch immer ein steifes Bein und etliche Narben. Das steife Bein ist eine tatsächliche Behinderung. Er kann nicht schnell laufen, nicht mehr gut fechten oder boxen. Auf Bällen tanzt er stets nur einen Tanz. Er reitet nur auf Molly (eigentlich Molyneux), seiner liebenswürdigen rotbraunen Stute. Reiten zur Jagd und springen, vor allem im Gelände, sind eigentlich ausgeschlossen. 
Bei Überlastung oder auch bei nassem, kalten Wetter (er ist kein Freund des englischen Winters) hat er auch immer noch Schmerzen, die sein Diener Nat Forster jedoch mit Kräuterumschlägen und einer hausgemachten Salbe nach dem Rezept seiner alten Mutter zu behandeln weiß. 
Außerdem kann er noch immer kein Blut sehen. Größere Verletzungen lassen ihn vielleicht nicht sofort in Ohnmacht fallen, aber er wird kreidebleich und muss sich abwenden. Ihm wird schwindelig und er muss sich setzen oder zumindest irgendwo festhalten. Er braucht einige Zeit, bis er die Contenance wiedergefunden hat. Das alles ist ihm natürlich ungemein peinlich. 
Er hat auch Probleme mit Gewittern, wobei ein normales Gewitter nicht so schlimm ist, weil er sich da immer wieder den Zusammenhang zwischen Blitz und Donner erklären kann. Schrecklich sind für ihn besonders die seltenen Wetterlagen, wo man keine Blitze sieht, aber der Donner über den Himmel rollt ... fast wie Kanonendonner.
Er schießt gut, aber nicht gerne. Direkt nach dem Krieg hatte er eine extreme Abneigung gegen jede Form von Schusswaffen, die er sich unterdessen aber abtrainiert hat. Was nicht bedeutet, dass er es besonders schätzt, eine Pistole in der Hand zu haben. Aber manchmal geht es eben nicht anders.
Er trinkt sehr wenig Alkohol (Trunkenheit brachte ihn schließlich zur Armee), und lehnt auch jede Form von sonstiger Betäubung (Laudanum, Opium) ab, was vermutlich damit zusammenhängt, dass er nach seiner Verwundung laudanumsüchtig war.

Was er mag:
Kryptographie ist unterdessen seine Leidenschaft. Wenn er an einem Code arbeitet, ist er praktisch nicht ansprechbar und neigt dann durchaus zu Geek-Verhalten. Typisches Zitat: "Forster? Mehr Kaffee." (Allein, dass er nicht "bitte" sagt, zeigt, wie unsozial er dann werden kann.)
Außerdem begeistert er sich für Mathematik, Technik allgemein und im besonderen Luftschiffe.
Er liebt Pferde und war früher ein exzellenter Reiter. Auch wenn er jetzt nicht mehr so gut und so lange reiten kann, liebt er Pferde noch immer, wenn er sich ihnen jetzt auch, gerade wenn er sie nicht kennt, vorsichtiger nähert. Er hat ein sehr gutes Auge für die Qualitäten eines Pferdes. Sein Traum für die Zukunft ist der Aufbau eines hervorragenden Gestüts.
Er hat Spaß am gesellschaftlichen Leben.

Er ist stolz auf:
Darauf, dass er seinen Job gut macht und auf seine Intelligenz. Er ist tatsächlich ziemlich klug, aber dass es ihm so wichtig ist, ist vermutlich, genau wie sein überaus eleganter Kleidungsstil, eine Kompensation seiner körperliche Unterlegenheit den meisten anderen Männern gegenüber. ("Du bist vielleicht stärker als ich, kannst besser reiten/fechten/boxen etc., aber ich bin schlauer.")

Romantische Ziele:
Die Frau seines Leben zu finden (natürlich!), auch wenn er das nie zugeben würde, wobei er die gerade in letzter Zeit deutlichen Bemühungen seiner Schwägerin Louisa, ihn mit Debütantinnen zu verkuppeln, in zunehmendem Maße anstrengen. Junge Unschuldslämmer interessieren ihn nicht. Seine Gefühle ihnen gegenüber, wenn er ihnen in der Gesellschaft begegnet, sind zwar durchaus wohlwollend, aber eher auf eine onkelhafte Weise.

Berufliche Ziele:
einen unbrechbaren Code zu entwickeln
seine Nemesis Ch’maira (gr. Χίμαιρα), einen Kryptographen des preussisch-imperialen Dienstes, der einzige, der seine eigenen Codes brechen kann und dessen Codes wiederum für ihn eine wirkliche Herausforderung sind, zu enttarnen und zu fassen.
für die Zukunft: einmal die beste Pferdezucht Englands zu haben ... aber noch braucht ihn sein Vaterland für andere Dinge.

Gesellschaftliche Ziele: 
Persönlich ist er gesellschaftlich im Moment da, wo er sein will.
Gesamtgesellschaftlich ist er für einen moderaten Reformkurs, weil er vermutet, dass sich sonst eine Katastrophe anbahnen wird. Er befürchtet so etwas wie die Französische Revolution: Verarmte hungernde Massen erheben sich und alles wird nur noch viel schlimmer. Außerdem wird Forster es nicht müde, ihn immer wieder an das Leid der armen, hungernden Bevölkerung vor allem in den Slums der Städte zu erinnern.
Außerdem auf jeden Fall die Vermeidung von offenen kriegerischen Auseinandersetzungen. Das ist einer der Gründe dafür, dass er beim Geheimdienst ist.

Kammerdiener: 
Nat Forster (55) aus Liverpool, ehemaliger Dieb und Einbrecher, dann Soldat, jetzt schon seit über 10 Jahren als persönlicher Diener bei Lord Sheridan.
Lord Sheridan fand ihn, als er von einer drei Jahre dauernden Reise vom Kontinent zurückkam, bettelnd auf der Straße und nahm ihn daraufhin in seine Dienste. Unterdessen hat Forster schon häufig seinen Wert bewiesen, sei es bei dem Entwenden von Gegenständen, dem Öffnen von Schlössern oder auch der Abwehr feindlicher Subjekte, wobei ihm da zugute kommt, dass er nicht von den Fairplay-Gedanken eines Gentlemans behindert wird, sondern seinen Kampfstil direkt aus der Liverpooler Gosse übernommen hat. Außerdem ist er eine Quelle von unerschöpflichem Wissen über Hausmittel gegen die unterschiedlichsten Gebrechen, die er angeblich alle von seiner alten Mutter in Liverpool (eine mythische Gestalt, keiner hat sie je gesehen) übernommen hat.

Geschwister: 
Alistair William Granville (37), Duke of Richmond, verheiratet mit Louisa Victoria Granville, geborene Lennox
Kinder: Benedict Stuart Granville (18), Earl of March, Henrietta Louisa (17), Victoria Annabel (15) und Frederick Sheridan (11)
Als Duke wird er mit His Grace The Duke of Richmond vorgestellt, angesprochen wird er mit Your Grace (von niedriger Gestellten) oder Duke (von Gleichgestellten), danach mit Sir oder von Freunden einfach als Richmond. Über ihn geredet wird als His Grace (von niedriger Gestellten) oder The Duke Richmond (von Gleichgestellten). Er unterschreibt nur mit Richmond.
Lady Sophia (33), verheiratet mit Julian MacAllister, Marquess of Alverstoke, erstgeborener Sohn des Duke of Avon
Kinder: Alexandra (14), Helena und Serena (Zwillinge, 11) und Julian (6), Earl of St. Ives
Lady Frederica (27), verheiratet mit Lucas Rutherford, Marquess of Ware
Kinder: Lucas (7), Earl of Worth, William (5) und Beatrice (2)
Lady Georgiana (22), unverheiratet und ein Wildfang, wie er im Buche steht

Wohnorte:
Lord Sheridan selbst hat eine großzügige Junggesellenwohnung in Albany (ein in genau solche Junggesellenwohnungen umgewandelter ehemaliger Palast in London)
und ist immer willkommen auf dem Familiensitz Goodwood House bei Chichester, West Sussex
und dem Stadthaus der Familie "Richmond House" in London.

Lord Sheridan in Werten:
Reiten: gut, Schütze: gut, Beziehungen: hervorragend, Finanzier: gut, Umgangsformen: hervorragend, Schauspieler: gut, Schöne Künste: armselig, Arzt: armselig, Konstrukteur: gut, Naturwissenschaften: hervorragend, Wahrnehmung: hervorragend