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Calling Cards

sind etwas typisch Angelsächsisches. Da sie in der deutschen Gesellschaft nicht so üblich waren und in der Literatur dementsprechend nicht (so häufig) vorkommen, sind hier ein paar Tipps, wie man mit ihnen umgeht.

Calling Cards aus "The Delineator"

So oft wie der richtige Gebrauch von Calling Cards und die Etikette bei Besuchen von unseren werten Lesern in Leserbriefen nachgefragt wird, scheint es nötig einige Punkte herauszugreifen und zu erklären.

  • Es ist bekannt, dass Ehefrauen die Karten ihrer Gatten hinterlassen. Es ist für eine verheiratete Frau üblich, dass sie, wenn sie eine andere verheiratete Frau aufsucht, eine ihrer eigenen Karten und zwei Karten ihres Gatten hinterlässt, eine für die Gastgeberin und eine für ihren Gatten.
  • Als eine Art Daumenregel gilt, dass man in einer großen Stadt nicht mehr Besuche macht, als die Bekanntschaft an Jahren dauert; dies wird als ausreichend betrachtet.
  • Es gibt auch Gelegenheiten, bei denen Besuche zwingend erforderlich sind. Nach einem Hochzeitsfrühstück, einem Mittagsmahl, einem Dinner, einer card party oder jeder anderen Abendgesellschaft, zu der man eingeladen worden ist, sollte man seine Gastgeberin aufsuchen, unabhängig davon, ob man die Einladung angenommen hat oder nicht.
  • Wenn man die Einladung zu einer kirchliche Trauung oder eine Heiratsanzeige erhält, ist es unerlässlich an die, in deren Namen es ausgerichtet wurde, und an das frisch verheiratete Paar eine Karte zu senden.
  • In großen Städten ist es üblich Karten zu hinterlassen, wenn man zum Tee gewesen ist.
  • Es ist unschicklich "Ich muss absagen." oder "Ich nehme an." auf eine Karte zu schreiben. Eine Absage muss immer mit einer Bestätigung und Danksagung für eine Einladung geschrieben werden.
  • Es ist unangemessen sich einzubilden, dass seine Bekanntschaft nicht erwünscht ist, nur weil ein Besuch nicht prompt erwidert wird. Es gibt viele Gründe für verzögerte Gegenbesuche: Krankheit in der Familie, Abwesenheit aus der Stadt. Viele Beschäftigungen können die mit den besten Vorsätzen ausgestattete Person davon abhalten einen Gegenbesuch zu unternehmen.
  • Wenn eine Bekannte nach einer langen Verzögerung einen aufsucht, ist es seine Pflicht sie herzlich willkommen zu heißen - und schnell jede Erklärung, die sie hervorbringt, zu akzeptieren und niemals wieder darauf zurückzukommen.

Calling Cards (für Gentlemen) aus "Harper's Bazaar" (1868)

Karten für die kommende Saison sollten aus matten Karton, groß und fast quadratisch sein. Farbige Karten, besonders sandfarben, dürfen als elegant gelten. Die Beschriftung sollte im Satz "old English" gedruckt oder in Schreibschrift erfolgen. 50 Karten kosten etwa $3,50.
Eine Ecke der Karte wird umgeknickt, um den Grund des Besuchs anzugeben. In verschiedenen Städten gilt eine unterschiedliche Bedeutung dieser geknickten Karten. Wir beschreiben, was in der New Yorker Gesellschaft üblich ist:

  • Auf der oberen linken Ecke ist das Wort Visite auf der Rückseite gedruckt. Diese Ecke wird umgeknickt, so dass das Wort auf der Vorderseite neben dem Namen sichtbar ist. Diese Ecke wird umgeknickt, um zu zeigen, dass ein gewöhnlicher Besuch  gemacht wird.
  • Auf der oberen rechten Ecke steht Felicitation, wenn man einen Besuch zum Gratulieren bei einem frohen Ereignis, wie einer Hochzeit oder einer Geburt, macht.
  • Auf der unteren linken Ecke steht Conge oder Good-by, um sich zu verabschieden, wenn man die Stadt verlässt.
  • Auf der verbleibenden Ecke steht Condolence für Trauerbesuche.