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Horror im Orient-Express

Zug der Verdammten

Worin die Abenteurer aufgrund beharrlicher Ermittlungen einem seltsamen Zug auf die Spur kommen.

Dienstag
Aus dem einen oder anderen Grund machen sich Lord Charles Robert Finley, Dr. Paul Henrik Clemmensen, Johann Augustus Veni'utu Denbacher und Don Ricardo Leon Ruiz Aguilar de la Barbastro auf die Suche nach dem verschwundenen Mr. Henry Stanley. Ein Zeitungsartikel verrät ihnen bald in welche Richtungen ihre Nachforschungen gehen müssen.
Artikel in der Times auf einer der hinteren Seiten:

Mann in verschlossenem Raum verschwunden
Mr. Henry Stanley, ein 37-jähriger Prokurist, ist am vergangenen Montag aus seinem Zimmer in Stoke Newington verschwunden. Dort wohnt er bei Mrs. Constance Atkins Untermiete. An besagtem Abend kam er rechtzeitig zum Tee um sechs Uhr pm nach Hause. Um sieben ging er auf sein Zimmer. Eine Weile später hörte seine Zimmerwirtin einen Schrei und ein lautes Getöse. Sie eilte zu seinem Zimmer. Auf ihr Klopfen bekam sie keine Antwort, so dass sie die Tür öffnete und den Raum voller Rauch jedoch ohne ihren Untermieter vorfand.
Eine erste Untersuchung von hilfsbereiten Nachbarn ergab, dass die Fenster geschlossen und von innen verriegelt waren. Da Mr. Henry Stanley jedoch nicht durch das Wohnzimmer gekommen war, wo Mrs. Atkins gesessen und gelesen hatte, und dies der einzige Zugang zu seinem Zimmer war, rief man daraufhin die Polizei, um dem Verschwinden aus einem geschlossenen Zimmer nachzugehen.
Inspector Gerald Wight – uns bereits als tüchtiger Polizeioffizier bekannt – ist mit dem Fall betraut und ließ verlautbaren, dass „er im Laufe der nächsten Wochen die Motive für Mr. Stanleys Verschwinden ohne jeden Zweifel herausfinden würde, da solche Angelegenheiten die Angewohnheit hätten, früher oder später ans Licht zu kommen.“

Es kommt zu einem mehr oder minder zufälligen Zusammentreffen im Westminster Palace Hotel. Man stellt sich einander vor und fährt dann gemeinsam im Taxi zu zur Wohnung von Mr. Stanley. Die recht geschäftstüchtige Vermieterin Mrs. Constance Atkins bestätigt vom Charme Don Ricardos eingewickelt den Bericht in der Times, nach der ihr Untermieter wie üblich gemeinsam mit ihr Tee getrunken habe, um sich dann mit seiner neuesten Errungenschaft – einem elektrischen Modellzug – auf sein Zimmer zurückzuziehen. Kurz darauf scheint er unter lautem Getöse mit einem Schrei und unter viel Rauch - und bemerkbarer Russentwicklung jedoch ohne erkennbaren Brandherd verschwunden zu sein. Eine genauere Untersuchung des Zimmers ergibt, dass sich von Nordost nach Südwest eine Rachspur an der Zimmerdecke entlang zieht, parallel dazu schwerer erkennbare Spuren wie von schweren Rädern in Teppich und Boden mit weitem Abstand. In den jeweiligen Ecken des Zimmers, an den Enden der Rauchspur hat die Tapete Blasen geworfen, als sei sie bedampft worden.
Der danach aufgesuchte untersuchende Inspector Gerald Wight kann etwaige Schulden oder eine angespannte Privatsituation ebenso wie ein gewaltsames Eindringen aus niederen Beweggründen mit anschließender Entführung nahezu ausschließen und gab den zuletzt erworbenen Modellzug an den Experten Mr. Arthur Butter aus eben der Train Spotters` Association, der auch Mr. Stanley angehört.
Dieser weiß zu erzählen, dass das Zugmodel, der Tender und die beiden Personenwagons nach einem authentischen Vorbild handgefertigt wurden. Der Originalzug war im Jahre 1897 auf der Strecke London-Liverpool nordwestlich Londons auf gerader Strecke entgleist und es waren viele Todesopfer zu beklagen. Und in der Tat scheint der Radstand dieses Zuges nahezu identisch mit dem Abstand zwischen den parallelen Spuren in Mr. Stanleys Zimmer zu sein. Beim Gehen bittet Mr. Butter darum, dass man die Eisenbahn und die zugehörige Bahnplatte (welche auffällig schlicht und mit möglichst viel gewundener Strecke geschaffen worden zu sein scheint) mitnehme.
Beim gemeinsamen, sehr angenehm verlaufenden Dinner im Hotel lernen die Herren auch Mrs. Clemmensen und die Kinder der Clemmensens kennen.
Bei mehreren Probeläufen in unterschiedlicher Richtung und Zusammenstellung der Waggons im Hotelzimmer von Lord Finley fallen merkwürdige Schriftzeichen unter den einzelnen Modellen und sechzehn Taschentücher mit dem Monogramm AA, die offensichtlich zur  unter der Platte auf.

Mittwoch
Am nächsten Morgen fertigt Herr Denbacher bei der Polizei eine Ablichtung des Photos von Henry Stanley an. Und der hilfsbereite Inspector Wight lässt die Gesellschaft die Quittung des Zugkaufs sehen, so kann der Antiquitätenhändler festgestellt werden, der den Modellzug an Mr. Stanley verkaufte. Ermuntert von zahlreichen Käufen in seinem kuriosen Laden weiß er schließlich zu erzählen, dass er vor etwa drei Monaten von einer gewissen Mrs. Randolph Alexis den Zug erhalten hat und dass dieser wohl aus dem Besitz ihres Sohnes stammt.
Nachdem ein Besuch bei Mrs. Alexis am späten Nachmittag brieflich aversiert ist, fährt die Gesellschaft in die British Libary im British Museum. Vielleicht lassen sich dort noch einige Wissenslücken füllen... Nach dem heldenhaften Erwerb einer Lesekarte durch Lord Finley lässt dieser sich einige Bücher zum Themenbereich Züge des ausgehenden 19. Jhds. sowie ungewöhnlicher Schriften und Schriftzeichen geben. Don Ricardo und Herr Denbacher zeigen jedoch schnell, dass sie nicht so viel Sitzfleisch haben, wie Dr. Clemmensen und Lord Finlay. Nach der Durchsicht der ersten Bücher scheinen die Zeichen auf dem Modellzug am ehesten Ähnlichkeiten mit denen aus dem polynesischen Raum aufzuweisen, geben jedoch in dieser Form und Zusammenstellung keinen Sinn. Man fertigt eine Kopie der Zeichen an und gibt diese mit der Bitte um Rückantwort zur Weiterleitung an den Experten des British Museum auf diesem Gebiet: Prof. Smythe. Sicherlich wird der Gentleman sich gleich bei seiner Rückkehr in der nächsten Woche der Frage der Herrschaften annehmen.
Bei der weiteren Suche nach Berichten über das Zugunglück 1897 fällt rasch ein Herr auf, welcher sich mit genau der gleichen Thematik beschäftigt. Nachdem er und seine sehr präzise Buchauswahl von Lord Finley und Dr. Clemensen dabei eine Zeit lang beobachtet wurden, sprechen Don Ricardo und Herr Denbacher den Unbekannten sehr direkt an. Er stellt sich als ein gewisser Beddows vor und bietet an, dass man sich bezüglich des Zuges noch einmal treffen könnte und gibt seine Karte (Professor Smith, St. John Woods) weiter. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Zeit eilen die Herren dann zu Mrs. Alexis, die sich erweist als Witwe in anscheinend schwierigen Zeiten erweist – wie die vielen leeren Stellen, an denen wohl einstmals Nippes standen und Bilder hingen, in ihrem Haus stumm bezeugen. Das Interesse ihres Sohnes an dem Zug – dessen Modell er selbst gebaut hat – rührt wohl daher, dass sein Vater bei dem ursprünglichen Zugunglück 1897 ums Leben kam. Alexander selbst verschwand 1917 unter sehr mysteriösen Umständen; anhand gefundener Blutflecken vermutete die Polizei einen Mordfall. Obgleich zu vermuten ist, dass Mrs. Alexis deutlich mehr weiß, als sie offenbart, leisten die Gentlemen ihrer Bitte das Haus zu verlassen Folge und begeben sich zurück ins Hotel zum Dinner. Dort kontaktiert Beddows die Herren und lädt nach St. John Woods in das Haus seines Herren ein.
In dem gutbürgerlichen Anwesen des Herrn Professors Smith stellt dieser sich als Sprachwissenschaftler vor – der sich inzwischen jedoch mit Metaphysik und Parapsychologie beschäftigt. Er erzählt von spurlos verschwundenen aber wieder erschienenen Objekten wie beispielsweise dem Zug. Nachdem ihm von den bisherigen Ergebnissen berichtet wird, weiß er zu erzählen, dass der Zug seit seinem Verschwinden 1897 zwischenzeitlich von verschieden zuverlässigen Zeugen gesehen worden sein will, unter anderem 1917 im Westend (wo auch die Wohnung von Mrs. Alexis liegt) und im vorigen Frühjahr. Der Professor und Beddows sind nicht nur dem Zug auf der Spur, sondern haben auch andere Objekte im Visier: eine Kutsche in London und ein Fischerboot in Norwegen. Bei einem guten Cognac, leckeren Häppchen und Tabak von sehr unterschiedlicher Qualität diskutieren die Herren noch bis spät in die Nacht über die möglichen Erklärungen für die Phänomene. Mit dem Eindruck in dem Professor einen zuverlässigen und einigermaßen kompetenten Verbündeten gefunden zu haben, wünschen sich alle eine gute Nacht, fahren zurück in Hotel und hauen sich aufs Ohr.
Donnerstag
Am nächsten Morgen erfragen die Herren bei Beddows telefonisch das genaue Datum des Unglückes und der Erscheinung 1917, um in den alten Ausgaben der Times mehr darüber zu erfahren: Don Ricardo und Herr Denbacher finden immerhin eine Todesanzeige von Randolph Alexis. Und im Burke's Peerage von 1897 findet sich ein Randolph Alexis, Esq., welcher in der Hermetic Order of the Golden Dawn und der Hermetic Order of the Silver Twilight Mitglied gewesen ist – und seinerzeit als berüchtigter Schwarzmagier und Okkultist galt. Währenddessen beschäftigt sich Lord Finlay weiter mit den geheimnisvollen Symbolen und Dr. Clemmensen macht sich einen schönen Tag mit seiner Frau in London.
Am Abend entschließt man sich, den Modellzug noch einmal laufen zu lassen und zu beobachten … und tatsächlich erscheint der Zug mitten in Lord Finlays Hotelzimmer! Während Dr. Clemensen mit einem Strom Menschen – anscheinend verwirrten Passagieren – in den Zug getrieben wird und Lord Finley bei dem Versuch, Dr. Clemensen beizustehen ebenfalls im Wagen verschwindet, meint Don Ricardo im gerade erkennbaren ersten Teil des zweiten Wagens den verschwundenen Henry Stanley gesehen zu haben. Er springt auf den Zug, kann Mr. Stanley jedoch nicht erreichen und entscheidet sich im letzten Moment vom bereits abfahrenden Zug wieder abzuspringen. Herr Denbacher macht indes geschockt und mechanisch Photo um Photo – und reagiert viel zu spät um noch etwas von dem entschwindenden Lord oder dem Doktor zu sehen…