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Johann Augustus Veni'utu Denbacher

Johann Augustus Veni'utu Denbacher ist ein junger Schriftsteller - zumindest ist das sein derzeitiger angegebener Beruf. Wenn man seinen eigenen Erzählungen Glauben schenken darf, ist er Nachkomme einer echten samoanischen Prinzessin und stammt aus der gleichen Familie wie die berüchtigte Queen Emma. Sein Vater Heinrich Richard Denbacher war zu seiner Zeit als Assessor in der noch jungen Kolonie Kaiser-Wilhelmsland (Deutsch-Neuginea, nordöstlicher Teil der Hauptinsel) tätig und dort verfiel er auch der exotischen Schönheit Ta'valuvee - welche doch so europäische (genauer: amerikanische) Züge trug. Kaum ein Jahr später war das Kind dieser Liebe am 27. Februar 1896 geboren. Der Junge konnte in seiner Kindheit eines der Paradiese der Südsee genießen, bevor der Ausbruch des Grossen Krieges all dem ein Ende setzte. Sein Vater wurde von den Australiern interniert und erst nach drei Monaten als deutscher Zivilist nach langen Verhandlungen zusammen mit seiner Familie ausgewiesen. Das Paradies, ihr Paradies war als australisches Protektorat für sie verloren. Seine Mutter begann bereits im Internierungslager kränklich zu werden und als letztlich die Reise in das ausgezehrte Deutschland des Grossen Krieges anstand, erholte sie sich nicht mehr von den Strapazen. Ob es nun die Entbehrungen im Lager waren - oder doch das Heimweh wie sein Vater glaubt - wird ungewiss bleiben.
Was genau Johann während des Grossen Krieges gemacht hat, ist mindestens ebenso ungewiss. Einmal will er sich bereits mit 18 Jahren zum Entsetzen seines Vaters freiwillig gemeldet haben. Dann will er wiederum erst mit 20 zur Marine eingezogen worden sein und an der ergebnislosen Skagerrakschlacht als Seekadett teilgenommen haben. Dann wieder war er Teil des deutschen Fliegercorps und will im Rang eines Oberleutnants zu Kriegsende dagestanden haben. Aufzeichnungen gibt es über diese Zeit keine... Tatsache ist jedoch, dass er seit dem Krieg in der Lage ist, Flugzeuge zu fliegen und dieser Leidenschaft begeistert nachgeht.
Die Entbehrungen der Nachkriegsjahre betrafen seine Familie weniger - sein Vater wurde Richter in Berlin und aus dem nicht unbeträchtlichen Vermögen seiner Mutter stand Johann ein Erbteil zu. So hatte er neben seinen diversen Studienversuchen Zeit und Muße, Europa zu bereisen und sich dem größer werdenden Trubel des Aufschwunges der 20er Jahre hinzugeben. Er verbrachte mehrere Monate in England und Amerika, will als Fotograf Teil einer Expedition nach Mittel- und Südamerika gewesen sein oder mit einem Ford T von dort nach vorzeitigem Abbruch der Expedition quer durch Mexiko zurückgefahren sein. Seine abenteuerlichen Geschichten jedenfalls sind als Kolportagenromane erhältlich. Es liegt die Vermutung nahe, dass er nur ein Aufschneider ist, der seinen extravaganten Lebensstil mit dem Geld seiner Eltern finanziert.