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Maelcon

Das Seelentier von Maelcon.

Maelcon Cormac

Stell Dir bitte folgendes vor: Eine Taverne - besorgte Gesichter, denn der Regen prasselt gegen die Läden - gleißend helles Licht fällt durch die Fugen und Ritzen gefolgt von einem ohrenbetäubenden Lärm - die Tür fliegt auf und klagend ächzen die Bohlen unter den schweren Reitstiefeln - die Kapuze des Umhangs tief ins Gesicht gezogenen steht vor ihnen ein athletischer Mann in den Mittzwanzigern - Wasser tropft von dem dunklen mit einem Stehkragen versehenen Lederwams - kaum noch erkennbar die eingestanzten Ranken, die ihn einst mit roter Farbe schmückten - die lederne Hose auf den Innenseiten von Ober- und Unterschenkel verstärkt - in der Hand ein mit zwei Klingen bewehrter Stab -- ein imposanter, vielleicht sogar furchteinflößender Anblick, der sich den Gästen dar bot ... ja, wäre da nicht die Größe des Mannes, und würde eben dieser Mann nicht in diesem eigentlich sehr viel kürzeren Moment die Kapuze zuschlagen, über das Wetter fluchen, etwas zu trinken bestellen und mit einem schelmischen Grinsen in dem von der Sonne gebräunten Gesicht ein Gespräch über irgendwas zu beginnen. Bei einem Blick in die strahlend grünbraunen Augen, die unter den rotblonden Haaren vorlugten, wurde auch dem letzten klar, dass dies kein Straßenräuber oder Krieger war ...
Es war der wunderschöne Morgen eines 17. Phex, als Maelcen Cormac das Licht der Welt erblickte. Wo genau dies geschah weiß er nicht genau, irgendwo halt im Nordwesten des Mittelreiches, und irgendwo waren sie dann auch immer in seiner frühen Kindheit, von Dorf zu Dorf ziehend mit anderen Schaustellern, um den Bewohnern von Städten und Dörfern mit Kunststücken und witzigen Nummern den Alltag zu erleichtern. Soweit er zurückdenken kann, waren da sein älterer Bruder Lugh und seine jüngere Schwester Finola gewesen. Mit ihnen trat er schon von klein auf bei Vater Bogenschießnummern auf, wobei es natürlich Jahre dauerte, bis er selbst den Bogen beherrschen lernte. Bei Bail erinnert er sich, dass er schon als Kleinkind nur Unsinn in Kopf hatte und an die Geburt der anderen Beiden, Cian und Ailinn, hatte er noch recht genaue Erinnerungen, immerhin waren es Zwillinge und seine Eltern hatten sich bereits niedergelassen, um sich anstelle des Schaustellertums der Zucht und Ausbildung exzellenter Reitpferde zu widmen, wie sie im nahen Nostria immer gebraucht wurden. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder war für Maelcen schon damals klar, dass er, sobald er selbst für sich entscheiden dürfte, das Elternhaus verlassen und sein Glück wieder unter dem fahrenden Volk suchen würde. 
Wo soll man anfangen, wenn man seine Familie beschreibt? Vielleicht bei dem, der immer das letzte und, wenn nicht das letzte, dann das ausschlaggebende Wort hat: Aengus Cormac. Ein Bär von einem Mann. Das Gesicht voller Haare: Roter Vollbart, buschige Augenbrauen und ebenso rotblondes, nicht eben kurzes Haupthaar, in die gelegentlich kleine Zöpfe mit bunten Bändern eingeflochten waren. Umso verblüffender ist es zu welchem Mienenspiel er unter dem Wust von Haaren noch fähig ist. Er liebt es einfach, sich vor Leuten, die sein gutmütiges Wesen nicht kennen, aufzubauen und mit einem grimmigen Gesicht zunächst zu verunsichern, um dann kurz darauf lauthals los zu prusten und, falls es sich ergab, mit seinem Gegenüber einen Trinken zu gehen. 
Sein sonniges Gemüt gereichte ihm aber leider nicht immer zum Vorteil. Um genau zu sein, war es, als er ins Lager der Geschäftsleute gewechselt hatte, eher hinderlich und trieb seinen ältesten Sohn Lugh gelegentlich fast in den Wahnsinn, wenn er einem Fremden das Pferd zum halben Preis überließ, nur weil ihm seine exotische Aussprache gefiel. Der Tatsache, dass er kein harter Brocken war, war er sich durchaus bewusst und es störte ihn nicht einmal, solange er das Gefühl hatte, dass der andere zufrieden und dankbar war. Er legte nicht allzu viel wert auf Reichtum, solange seine Familie genug zu Essen hatte. Wehe aber dem, der ihn spüren ließ, dass er seine Gutmütigkeit ausgenutzt hatte. In diesem Fall konnte man ihm eine gewisse Kreativität nicht absprechen, um Rache zu nehmen. Da konnte sich glücklich schätzen, wer nur von seinem Pferde abgeworfen wurde - Lugh hatte irgendwann darauf bestanden, dass sie den Pferden ein kleines subtiles Kommando antrainierten, welches den Reiter in echte Probleme bringen konnte - so etwas wie eine Diebstahlsicherung. Schlechter traf es da schon diesen feisten Viehhändler aus Andergast, der die "einfältigen Cormacs" auslachend vom Hof zum Walde ritt. Hätte er doch statt zu spotten, sich lieber beeilt und still über das vielleicht wirklich zu gute Geschäft gefreut … und hätte er doch am Waldrand lieber nach oben geschaut, vielleicht hätte er das Bienennest einen halben Schritt über seinem Kopf gesehen, in das gerade in diesem Moment ein Pfeil einschlug. Hat er aber nicht, und so hatten einige Beteiligte doch ein gewisse Genugtuung. 
Ja, Aengus war die letzte Instanz. Aber die zweitwichtigste in einem Clan, wenn nicht vielleicht sogar die wichtigste, ist natürlich die Person, die den, der die Entscheidungen trifft, beeinflussen kann Seine Frau Róis. Sie schaffte es irgendwie, dass Aengus immer ihrer Meinung war - auch dann, wenn er es nicht war. Dabei brauchte sie ihm nicht einmal offen zu widersprechen, vielmehr unterstützte sie ihn und bestärkte seine Meinung, bis er selber ins Grübeln geriet und die Zweifel und Bedenken aussprach, die sie längst hegte. Meist war er sich aber eh bewusst, dass sie die weiseren Lösungen parat hat und wartete diesen kurzen stillen Blick ab, ob sie sein Vorgehen unterstützt.
Einen weiteren erstaunlichen Effekt hatte sie in Bezug auf seine Angriffslustigkeit. Wann immer sie zugegen war, überlegte Aengus sich zweimal ob er sich in die nächste Keilerei stürzen solle oder nicht. Möglich, dass dieses Verhalten auf Ereignisse zurückzuführen ist, als sich die beiden kennen lernten. Schon damals schaffte sie es während dieser fiesen Kneipenschlägerei Aengus derart abzulenken, dass er sofort den Kampf einstellte - unglücklicherweise sein Gegner nicht. Vielleicht möchte er diese Situationen vermeiden, in denen er hilflos in den Armen seiner Frau aus der Bewusstlosigkeit aufwacht. Viel genützt hätte dieser Vorsatz dann allerdings nicht.
Róis Cormac ist die klassische gute Seele der Familie, vermag sie es doch stets, durch ihre bloße Anwesenheit Streitigkeiten zu schlichten. Und sollte dies doch mal nicht reichen, war sie es, die in brenzligen Situationen scheinbar immer einen Topf heißer Suppe, einen saftigen Braten oder etwas Ähnliches zur Hand hatte, um es zwischen die Kontrahenten zustellen und die Situation zu entspannen. Eigentlich ist das so noch nicht ganz korrekt - genau genommen, war sie immer bereit, Gästen noch "eine Kleinigkeit" zu bereiten. Das war schon damals so, als sie noch das kleine Persönchen war, das an die rotierende Scheibe geschnallt wurde, oder das Publikum mit Volksliedern zum Mitsingen und Anfeuern animierte. Nun, inzwischen mochte sie mit ihren hochgesteckten, weißblonden Haaren und den praktischen einfachen Haushaltskleidern ruhiger, ja vielleicht gesetzter wirken, aber noch immer liebte sie es, sich in bunten Stoff zu hüllen und zu fröhlichen Liedern, wenn es sich ergab, auch auf den Tischen zu tanzen. Was immer sie tat, achtete Róis darauf, dass Aengus stets das Gefühl hatte, die Zügel in der Hand zu halten.
Am glücklichsten, dass die Cormacs dem unsicheren Leben als Schausteller den Rücken zukehrten, war sicherlich Lugh. Er fühlte sich wohl, wenn er feilschen oder Geschäftspartner gegeneinander ausspielen konnte. Dies führte unweigerlich immer wieder zu kleineren Auseinandersetzungen mit seinem Vater bezüglich der Geschäftsphilosophie, so dass er es kaum erwarten kann, selbst die Geschicke des Hofes zu lenken, obgleich Aengus ihm schon viele Entscheidungen und den Verkauf auf dem Markt überließ. Es war längst entschieden, dass dieser große für den Sohn eines Gauklers etwas zu bieder aussehende Mann diesen Hof erben und gut führen würde. Inzwischen würde er auch sicher nicht ganz uneigennützig geheiratet haben... 
Die jüngere Schwester Finola war da schon eher ein Mensch vom Schlag des Hauses Cormac. Auch sie zog es, obwohl sie der Familie sehr verbunden war, eher im die weite Welt und vermochte es, mit ihren ebenso waghalsigen wie anmutigen Seiltanznummern, das Publikum zu fesseln. Sie war es aber auch die vor wenigen Jahren, kurz nachdem sich die Familie niedergelassen hatte, entführt wurde, um die Besitzansprüche dieser fiesen Aufschneider auf unser gerade erst erworbenes Land zu unterstreichen. Das Ausmaß dieser betrügerischen Machenschaften dieser Bande mit ihren Helfern und Dealern in Havena und Nostria wurde erst klar, als sie zu ihrer Befreiung in diese Fischfälscherwerkstatt einbrachen … schon erstaunlich, wie täuschend echt man aus einigen Fischabfällen und etwas Sägemehl getrocknete Salzrelen nachbilden kann … und verblüffend schmackhaft waren sie auch noch … aber ich schweife ab. Zum Glück hatte sie dieses traumatische Erlebnis ohne tiefere seelische Wunden überstanden. Auf jeden Fall sollte dies allen wieder eine Warnung sein, sich nicht mit der Cormac Sippe anzulegen. Wo die hübsche kleine Schwester jetzt ist, weiß ich nicht, immerhin war ich ja länger nicht mehr zuhause und da sie ja auch durch die Gegend tourt...
Bei Bail ist die Chance ihn daheim anzutreffen deutlich größer. Er ist ja auch noch jünger und hatte immer deutlichen Spaß, anderen Familienmitgliedern Streiche zu spielen und wird jetzt, wo er älter ist, sicher seine Aktivitäten auf sein Umfeld ausgeweitet haben. Bestimmt wird er noch immer spielen, und sicherlich werden seine "Spielkameraden" heute nicht viel begeisterter sein als damals. Auf jeden Fall hatte er schon als Kind viel zu flinke Finger...
Nun über die beiden Zwillinge Ailinn und Cian zu Spekulieren ist selbst für mich sehr gewagt immerhin waren diese beiden noch wirklich Kinder, wenn auch die süßesten, die man sich vorstellen kann - zugegebener Maßen muss ich gestehen, dass dies wohl jeder über Kinder seiner Verwandtschaft behaupten würde, aber selbst ein neutraler Beobachter wird mir hierbei zustimmen müssen. Obwohl sie äußerlich kaum zu unterscheiden sind, könnten ihre Charaktere kaum unterschiedlicher sein. Die eine kess und fordernd, die andere schüchtern und einfühlsam, so dass selbst Fremden es nach kurzer Zeit nicht besonders schwer viel, die beiden auseinander zu halten, solange sie sich nicht absichtlich verstellten, was ihnen in der letzten Zeit, als ich sie noch gesehen hatte, zunehmend Spaß zu machen schien. Bleibt nur zu hoffen, dass ihnen dieses Spielchen schon wieder langweilig geworden ist. 
Und so verließ er, nachdem er vier Jahre lang Pferde zugeritten hatte, mit dreizehn den Hof und zog mit verschiedenen Trupps durch die Gegend von Nostria und lernte wieder seinen Körper zu beherrschen und besonders den Umgang und das Jonglieren mit einem Stab, dessen Enden in Brand gesetzt waren. In den folgenden sechs Jahren, in denen er mit all diesen Gruppen umherzog, aber immer mal wieder nach Hause zurückkehrte, fiel auch dieses bemerkenswerte Spiel, bei dem er diesem schleimigen Händler aus Havenna, an dessen Namen er sich schon nicht mehr erinnert, eine Zweililien abknöpfte. Er hatte fast seinen ganzen Besitz gegen diese wundervolle Waffe gesetzt und war sich sicher, dass er keine Mittel eingesetzt hatte, die sein Gegner, wenn er sie denn beherrscht hätte, nicht auch eingesetzt hätte. Auf jeden Fall hat Maelcen die Taverne so schnell verlassen, dass er doch einige nützliche Besitztümer hat zurücklassen müssen.
Als er mit neunzehn mal wieder Heim kehrte, hatte sein Vater eine Überraschung für ihn: Argento, einen zweijährigen rot-weißen Schecken mit schwarzer Mähne und Schweif. Im folgenden Jahr bildete er selbst den jungen Hengst für sich aus, und musste zugleich feststellen, dass sich in den letzten Jahren einiges verändert hatte. So gab es nach dem Tod des Förderers seines Vaters viele Neider, da dieser ihm das Land überlassen hatte und seine Erben nun der Meinung waren, dass ihn einige viele Dinge des Hofes zustehen würden. Eine Entführung und unangenehme Auseinandersetzungen später war die Sache aber erledigt, als sie eben diese Erben als Fischfälscherbande überführen konnten...
Nach Klärung dieser Angelegenheit zog es ihn aber bald wieder auf's Land, aber dieses Mal mit völlig neuen Kunststücken: Da waren zum einen natürlich die Nummern mit dem Bogen - sowohl Präzisionsschießen auf Entfernung als auch vom galoppierenden Pferd - die akrobatischen Einlagen mit und ohne Zweililien und natürlich das immer beliebte "rechnende" Pferd - wenn es das nur besser könnte als sein Besitzer ... 
Was Maelcans weiteres Liebesleben betrifft … ja, es gibt eins, sogar ein recht abwechslungsreiches, wenn man die Zeit betrachtet in der er mit dieser Schaustellertruppe durch die Gegend gezogen ist. Bekanntschaften hat viele geschlossen, natürlich unter seinen Kameraden aber auch mit einigen Mädchen und jungen Frauen der Dörfer und Städte in denen sie auftraten. Zu erwähnen ist auf jeden Fall Judith, ein Mädchen aus Salza und seine erste "große" Liebe - immerhin hat die Romanze drei Wochen gehalten ... Allerdings waren die meisten Abenteuer nicht mehr als eben solche. An viele erinnert er sich gern, einige vielleicht nicht ganz so, ein oder zwei wird er sogar gänzlich vergessen bzw. verdrängt haben.
Aber all dies wurde bedeutungslos als er eines Tages durch Havenna schlenderte. Ein goldener Frühherbsttag im Travia, Praios strahlte von Himmel und erleuchtete die bunten Blätter in wohlig warmen Farben. Kinder spielten in den Strassen und der leichte Wind trug ihr Lachen herüber. Irgendwie hatte sich ein Apfel in seine Hand verirrt, so süß und saftig, wie man es kaum für möglich halten sollte. Man sollte bei dieser Gelegenheit vielleicht erwähnen, dass dies die Version ist, an die sich Maelcan erinnert. Vermutlich hat der Wind ebenso den Lärm und Fischgeruch vom Hafen herüber getragen, der sich dann mit den anderen Gerüchen einer Millionenstadt zu einer vermutlich nicht ganz so romantischen Stimmung vermischt hat. Wie dem auch sei, alles schien für Maelcan einen perfekten Tag zu geben, als er auf den Markt einbiegend eine Gestalt erblickte, die seinen Blick sofort auf sich zog, dass er ihn nicht mehr abwenden konnte, was er aber besser getan hätte, denn dann hätte er auch den Karren mit noch viel mehr Äpfeln vor sich gesehen. Nun, an einer Ecke eben dieses Karren blieb er dummerweise hängen, was einige der darauf liegenden Äpfel nutzten in die Freiheit zu springen. Kein wirklich eleganter Auftritt, und sicherlich etwas, was Maelcan in seinen Erzählungen nicht besonders auswalzen wird, wenn er es denn überhaupt erwähnt. Der Tumult hatte aber auch sein Gutes, konnte er doch jetzt auch das Gesicht dieses bezaubernden Wesens erblicken. Zeit ihre Gestalt eingehender zu beschreiben: Sie war jung, vielleicht Anfang bis Mitte Zwanzig hatte lockige etwas über schulterlange Haare in einem dunklem rotbraun, ca. 1,60 Schritt groß und war normal gebaut - schlank aber nicht dürr… - ein nettes, freundliches Gesicht, die Kleidung wohlhabend bürgerlich. So würde man sie vermutlich objektiv beschreiben, als gutaussehende junge Frau. Für Maelcan war sie das perfekte Wesen - bildschön, als wäre sie von den Göttern selbst erschaffen, wenn nicht direkt von ihnen abstammen. Mit einem Lächeln, das selbst den wütendsten Drachen besänftigen würde - zugegeben, ihr Lächeln ist schon toll… - so und noch viel roserner muss es in Maelcans Kopf ausgesehen haben, als sich ihre Blicke trafen. Als er dann auf sie zu ging, um sie anzusprechen, den wütenden Verkäufer der Äpfel hinter sich gänzlich missachtend, geschah wiederum etwas, was er bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte - er war sprachlos. Dumm nur, dass er lediglich einen halben Schritt von seiner Angebeteten entfernt stand. Zum Glück hatte sie ein Einsehen und beendete diesen schier endlosen Moment der Stille mit einem lauten aber herzlichen Lachen und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Die nächsten Stunden scherzten und schwatzten sie bis es langsam dämmerte. Am nächsten Tage trafen sie sich immer wieder, genossen die gemeinsame Zeit und verbrachten sogar die eine oder andere Nacht miteinander. Eines Tages aber, als sich wieder einmal auf einem Markt verabredet hatten, brachte ein Bote eine Nachricht von Kyla, dass sie nicht kommen könne. Später erfuhr Maelcan, dass es zwischen ihr und ihrem Vater seinetwegen einen Streit gegeben hatte. Er sein nicht gut genug für die Tochter eines so wohlhabenden Kaufmannes. Ein Taugenichts ohne Weg und Aufgabe in seinem Leben… was Maelcan so aber nicht ganz korrekt erschien. 
Hätte sich Kyla mit ihrem Vater völlig entzweit, wäre es für Maelcan kein Problem gewesen sie einfach mitzunehmen und mit ihr durch die Lande zu ziehen. Hatte sie aber nicht - sie mochte ihren Vater und liebte Maelcan, und er wollte nicht der sein, der Zwietracht in der Familie sät, immerhin wusste er, was eine starke Familie ausmacht. Als ihr Vater Kyla mit einer Geschäftsreise beauftragte, die sicherlich ein Jahr beanspruchen würde, entschied sich Maelcan, dass er während ihrer Abwesenheit nicht einfach warten, sondern wieder aktiv sein Leben gestalten wollte, um sich so vielleicht genug Respekt zu verdienen, um auch vor ihrem Vater bestehen zu können. 
Nach einem langen traurigen Abschied am Hafen Havennas, fand sich Maelcan auf dem Weg in die weite Welt wieder, mit dem groben Ziel Baliho, um auf dem Frühjahrsmarkt Geld für seine weiteren Unternehmungen zu verdienen…
Eine Zeit lang ist er mit dem Barden Nofrim durch die Lande gezogen, der seine Auftritte mit interessanten Klängen untermalt hat. Er war es auch, der ihm von dem wunderbaren Land der ersten Sonne erzählt hat, DEM Land für Gaukler und Schausteller. Dort wüsste man ihre Kunst richtig zu würdigen, sagte er immer, obwohl er selbst nie da war. Aber irgendwie trennten sich im vergangen Jahr ihre Wege, und Maelcen zog weiter in die Mitte des Reiches.
Vor sechs Monaten traf er dann diese Rondrageweihte Isdes, eine wirklich gutaussehende, tolle Frau, aber leider etwas verbohrt. Egal, auf jeden Fall hatte er beschlossen, ihr zu helfen, was auch immer sie vor hatte. Sie ihrerseits half den umliegenden Dörfern einer Räuberbande den Garaus zu machen. Und schon wenig später fand er sich buchstäblich in der Räuberhöhle wieder, um festzustellen, dass sie sich diese mit einer Höhlenspinne teilten. Nach diesem Abenteuer zog es ihn nun erst mal zum großen Markt, um seinem Geldbeutel etwas gutes zu tun, während sie leider auf der Suche nach großen Taten weiterzog. 
Fragen, die Maelcan neuerdings von Zeit zu Zeit plagen, und Antworten, die er sich dann einredet:
Wird sich Kyla noch an ihn erinnern? - Natürlich wird sie das! Immerhin ist es die große Liebe. So etwas passiert nicht alle Tage.
Beim Anblick von Aaminah: war sie vielleicht sogar schwanger? - keine Antwort, nur ein wenig Wehmut, vielleicht nicht dabei gewesen zu sein.
Was wird ihr Vater heute von ihm halten? - Sollte besser laufen, immerhin hat er jetzt mit dem ganzen Sch… eine Aufgabe, wie sie wichtiger kaum sein könnte. Stellt sich aber sofort die nächste Frage:
Soll er ihnen davon erzählen? Würde sie sich nicht zu sehr sorgen? - Macht sie das nicht eh schon? Er ist immerhin schon deutlich länger weg, als er es vorhatte, außerdem würde sie sonst kaum verstehen, dass er weiter muss.
Wird sie das verstehen, auch wenn er es erklärt? So oder so ähnlich stellt sich die Situation für Maelcan gerade dar. Fragen über Fragen …