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Rhodenstein

Aaminah konnte nicht schlafen. Ihr gingen zu viele Dinge im Kopf herum. Vor allem die Erinnerung an den letzten Nachmittag. Zum ersten Mal war sie allein mit Ritter Löwenbrand gewesen. Vorher war immer ein ganzer Trupp anderer Leute oder in den letzten Tagen in der Bibliothek mindestens Morgan dabei gewesen, aber gestern war Thenna endlich aufgewacht, und Morgan hatte den Nachmittag mit ihr verbracht. Abends hatte Aaminah ihm dann gesagt, dass sie den nächsten Tag gern allein mit Ritter Löwenbrand verbringen wolle. Immerhin war es der letzte Tag hier in Rodenstein, denn die Gruppe hatte beschlossen, dass sie nun, da es Thenna etwas besser ging, nach Tralop an den Hof von Waldemar von Weiden reisen wollten. 
Bisher war Aaminah ja der Meinung gewesen, dass sie gar nicht früh genug aufbrechen konnten. Ihre Botschaft war zu wichtig, als dass sie noch langen Aufschub zuließ. Aber nach den Blicken, die der Ritter und sie gestern nachmittag über die Bücher hinweg getauscht hatten, war sie sich nicht mehr so sicher, dass sie wirklich so gerne aus Rodenstein weg wollte. Bei dem Gedanken an die Abreise entschlüpfte ihr ein Seufzer. Ach, Löwenbrand... 
Wie groß und stark er war, war ihr schon aufgefallen, als er sie mit seinem Arm umfasste und sie und Maelcen und Thenna aus dem Schlund der Niederhölle zurückgezogen hatte. Dass hinter der harten Rüstung auch ein kluger Kopf steckte, hatte sie auf der Rückreise von Nachtschattens Turm nach Rodenstein feststellen können, als sie ihm die ganze Geschichte erzählt hatte. In dieser Zeit hatte er sich auch als angenehmer Gesprächspartner bewiesen, der ihr mit seinen Geschichten die Gedanken an die schrecklichen Ereignisse zumindest zeitweise hatte vertreiben können. Dabei hatte natürlich geholfen, dass sie zu wenig Pferde für alle hatten und sie vor ihm im Sattel gessessen hatte. Bei dem Gedanken daran, stahl sich ein kleines Lächeln auf ihre Lippen. Auch die Kälte hatte ihr gar nicht mehr so viel ausgemacht. Aber erst in den Tagen danach, die sie zusammen mit Nachforschungen in der Bibliothek verbracht hatten, war ihr bewusst geworden, dass sie tatsächlich mehr für ihn empfinden könnte, als für jeden anderen Menschen bisher. 
Sie kannte natürlich die Geschichten, die davon berichteten, aber bisher waren sie auch immer nur das für sie gewesen: Geschichten, die nichts mit ihrem Leben zu tun hatten. Denn wie ihr Leben aussehen würde, hatte sie schon lange gewusst. Sie würde in den Haushalt eines reichen Kaufmanns gehen und dort in seinem Harem als Tänzerin leben. So hatte ihre Zukunft zumindest ausgesehen, bis sie ihre Herrin verlassen und in Nacht und Nebel aus Khunchom geflohen war. Vielleicht war es an der Zeit, andere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen...
In den letzten Tagen waren ihr auch so viele faszinierende Einzelheiten an dem Ritter aufgefallen. Seine Körpergröße war nur eine davon, und sie fragte sich, warum sie gerade bei ihm so etwas besonderes schien. Er war zwar viel größer als sie selbst, aber das waren Morgan und Bronzehund auch. Und bei ihnen hatte sie sich nie weiter Gedanken darüber gemacht. Seine Schultern waren auch nicht breiter als die von Bronzehund - im Gegenteil, der ehemalige Gladiator schien um einiges muskelbepackter. Wobei sie natürlich nur Vermutungen darüber anstellen konnte, wie Ritter Löwenbrand unter seinem Waffenrock aussah... Sie spürte, wie ihr bei dem Gedanken an einen Ritter Löwenbrand ohne Waffenrock die Wärme ins Gesicht stieg. Seltsam, bei Bronzehund war ihr das nie passiert, selbst nicht als sie ihn das erste Mal bei seinem morgentlichen Schneebad gesehen hatte. Was machte den Gedanken bei Löwenbrand also so faszinierend?
Sie begann darüber nachzudenken, ob er wohl am ganzen Körper behaart sein würde. Sie hatte auf seinen Armen blonde Haare entdeckt, die seltsamerweise in keiner Weise abstoßend gewesen waren. Obwohl sie von Kind auf daran gewöhnt war, dass alle Körperhaare penibel entfernt wurden, hatte dieser blonde Flaum keine Abscheu, sondern nur Interesse wachgerufen, wo sich diese kleinen weichen Härchen denn noch finden lassen würden. Aaminah fühlte, wie ihr trotz der Kälte im Zimmer warm wurde. Entschlossen drehte sie sich auf die andere Seite. Sie würde jetzt einfach weiterschlafen. Diese Überlegungen führten doch zu nichts. 
Andererseits hatte sie schon das Gefühl gehabt, dass auch er Gefallen an ihr gefunden hatte. Zumindest glaubte sie Bewunderung in seinem Blick gesehen zu haben, als er sie das erste Mal gewaschen und in ihrer guten Kleidung gesehen hatte. Bei dem Gedanken, wie sie wohl vorher ausgesehen haben mochte, zog sie sich mit einem Stöhnen die Decke über den Kopf. Der erste Blick in den Spiegel in der Krankenstation von Rodenstein war ein herber Schlag gewesen. Vermutlich war es nur Überraschung gewesen, die sie in seinem Gesicht gesehen hatte, dass sich hinter der laufenden rote Nase, den tränenden Augen, den eingefrorenen Haaren überhaupt ein einigermaßen ansehnliches weibliches Wesen verborgen hatte. 
Aber nein, das konnte nicht sein. Sie hatte immerhin schon für ihn getanzt. Aber da war sie auch nicht gerade vorteilhaft zurecht gemacht gewesen. Kunststück - nach einem Kampf mit der Niederhölle. Zerrissene Kleidung, zerraufte Haare, überall Blut... Fantastisch! Genau das, was er sich vermutlich schon immer gewünscht hatte. Sie dachte daran, wie sie ihm in den kleinen Raum im Erdgeschoss des Turmes geholfen hatte. Wahrscheinlich hatten damals seine Verletzungen viel zu sehr geschmerzt, und er war vermutlich überhaupt viel zu erschöpft gewesen, um mehr als die heilende Wirkung ihres Tanzes wahrzunehmen. In solch einer Situation hatte er wohl kaum Augen für sie selbst gehabt. Sie hatten immerhin gerade einen Kampf auf Leben und Tod hinter sich gebracht. Vergiß es einfach, Aaminah, schalt sie sich selbst, und schlaf jetzt endlich weiter.
Aber er hatte in den letzten Tagen schon häufiger als nötig zu ihr hinübergeschaut. Und gestern hatte er deutlich näher als sonst hinter ihr gestanden, wenn er ihr über die Schulter geguckt hatte. Es konnte natürlich auch sein, dass sie unterdessen einfach so auf jede seiner Bewegungen fixiert war, dass es ihr nur so vorgekommen war. Obwohl - er musste näher gestanden haben, denn sonst hätte sie sicher schon vorher bemerkt, wie gut er roch. Der saubere Geruch der einfachen Seife, die sie hier in Rodenstein benutzen, gemischt mit einen Hauch des scharfen Geruchs von Metall und Leder, aber da war noch etwas anderes, etwas ganz eigenes. Es war kein Parfum, dieser Duft hatte nichts von den teuren Essenzen, die sie von den Männern aus dem Süden gewöhnt war. Er schien einfach ganz natürlich zu ihm zu gehören. Sie stöhnte auf. Nein, diese Überlegungen brachten sie wahrlich kein Stück weiter.
Gerade als sie sich entschlossen auf den Bauch gedreht hatte, um jetzt endlich weiterzuschlafen, hörte sie leise das Signal aus der inneren Burg, das die Geweihten zum morgendlichen Gebet rief. Das morgendliche Gebet. Sie war jetzt schon so lange hier in Rodenstein. Eigentlich gebot es da schon die Höflichkeit, dass sie auch einmal daran teilnehmen sollte. Außerdem war laut Bronzehund auch Ritter Löwenbrand immer dort zu finden. 
Wie der Wind war sie aus dem Bett und in ihre Kleider geschlüpft. Schnell wusch sie sich und drehte ihr Haar zu einem festen Knoten in ihrem Nacken. Für einen Moment hielt sie inne und betrachtete ihr Gesicht in ihrem kleinen Handspiegel. Aber es war wie immer nur ihr eigenes altbekanntes Gesicht, das ihr entgegenschaute. Ach, wäre sie doch nur so schön wie ihre ältere Schwester Durrishahwar. Dann wäre es keine Frage gewesen, dass es Bewunderung in Ritter Löwenbrands Augen gewesen wäre, als er sie ansah. 
Sie war eine Närrin. Sie sollte aufhören, sich Hoffnungen zu machen. Durrishahwar hatte bestimmt recht. Wer könnte sich schon für sie interessieren. Sie sollte einfach wieder ins Bett gehen und die Sache vergessen. Aber dann erinnerte sie ein leises Schnarchen aus dem Nebenbett, dass es Maelcen war, der mit ihr das Zimmer teilte, und nicht Durrishahwar, und das dies Rodenstein war und nicht die Villa ihrer Meisterin Rakhshanda in Khumchom. Was auch immer heute geschah, Durrishahwar würde sich nicht später über sie lustig machen können. Sie hatte gegen Untote und Dämonen gekämpft, sie würde sich nicht mehr durch Gedanken an Durrishahwars Sticheleien ins Bockshorn jagen lassen. Und was ihr Aussehen anging: Der Ritter würde sie nehmen müssen, so wie sie war, oder es eben sein sein lassen. Aber wenn sie ihm nicht die Gelegenheit gab, würde sie nie erfahren, was es war. Sie seufzte tief, steckte ihrem Spiegelbild die Zunge raus, griff nach ihrem Schwert und war schon aus der Tür.
Als sie die Kirche erreichte, hatten die meisten schon mit ihrem Gebet begonnen. Oder vielmehr mit dem, was Rondra-Geweihte eben so Gebet nannten. Aaminah beobachtete etwas eingeschüchtert, wie die Geweihten ihrer Göttin huldigten. Eigentlich sah es für sie eher so aus, als würden sie ernsthaft versuchen, sich gegenseitig umzubringen. Das flackernde Licht, das die Ölbecken warfen, half nicht gerade, die Szenerie weniger abschreckend für sie zu machen, genauso wenig wie die Waffen, die die Wände schmückten. Es war wahrscheinlich zu erwarten gewesen, dass es an einem Ort wie diesem hauptsächlich Ork-Waffen sein würden, aber das machte die Sache in Aaminahs Augen nicht besser.
Vorsichtig suchte sie sich ihren Weg, wobei sie sich bemühte, sowohl zu den Kämpfenden als auch zu den Waffen einen respektvollen Sicherheitsabstand zu halten. Da sie gleichzeitig nach Ritter Löwenbrand Ausschau hielt, bemerkte sie den Akolythen erst, als er direkt vor ihr stand.
"Seid Ihr zum Gebet gekommen?"
Sie nickte nur etwas eingeschüchtert und fragte sich, was sie an der Idee eben in ihrer Kammer noch so gut gefunden hatte.
"Kennt Ihr die zwölf Schläge?"
Zwölf Schläge? Sie hatte keine Ahnung, wovon der Akolyth sprach. "Äh... Nein."
"Dann folgt mir, und ich werde es euch zeigen." Er drehte sich um und führte sie zu einem freien Platz zwischen den Kämpfenden. Dort begann er ihr die Bewegungen zu erläutern. Insgesamt war Aaminah erleichtert. Es war also offensichtlich so, dass die Geweihten nicht einfach aufeinander eindroschen, sondern das eine gewisse Logik hinter dem Ganzen stand. Sie hatte gerade einige Schläge ausprobiert, als sie eine bekannte Stimme hinter sich hörte.
"Ich werde hier weitermachen."
Sie drehte sich um, blickte in Löwenbrands Augen und wusste plötzlich wieder, warum es eine brillante Idee gewesen war, zum Gebet zu gehen.
Auch Ritter Löwenbrand zeigte ihr die zwölf Schläge, aber seine Erklärungen waren viel ausführlicher als die des Akolythen und beinhalteten auch die dahinter liegenden Gedanken: ein Schlag für jeden Gott, jeder Schlag dem entsprechenden Gott angemessen. Langsam machte das Ganze Sinn für Aaminah. 
Als sie dann tatsächlich einmal von Ritter Löwenbrand zusammenhängend durch die ganze Übung geführt wurde, erkannte Aaminah auch die Schönheit des Ganzen. Es war im Grunde ein Tanz. Die Schwertübungen waren letztendlich nur Mittel zum Zweck. Auch den Rondra-Geweihten ging es in erster Linie um die Hingabe. Erstaunlich. Im Grunde waren also die Rondra-Anhänger und die Rahja-Anhänger zumindest in ihrer religiösen Hingabe gar nicht so verschieden. 
Nach Abschluss des Gebets bedankte sie sich bei Ritter Löwenbrand. "Wir sehen uns gleich in der Bibliothek?"
Als er nickte, wurde ihr plötzlich bewusst, dass sie heute tatsächlich den ganzen Tag mit ihm verbringen würde. Allein. In der Bibliothek. Und morgen würden sie abreisen. 
Etwas musste geschehen...

*****

Aaminah schon hatte einige Zeit vergeblich nach einem Buch in einem der oberen Regale geangelt. Eigentlich hatte sie sich nach einer Leiter umsehen wollen, aber dann war ihr Blick an Löwenbrand hängen geblieben, der über ein Buch gebeugt am Lesepult stand. Natürlich! Das war die Lösung.
"Ritter Löwenbrand?"
"Ja?" Als er sich ihr zuwandte, vergaß sie für einen Moment, was sie eigentlich gewollt hatte.
"Ich... äh... Könntet Ihr mir vielleicht mit dem Buch helfen?" stotterte sie und zeigte auf einen Band hoch über ihrem Kopf.
"Natürlich." Er trat neben sie zwischen die Bücheregale und streckte sich nach dem Buch. Sie macht einen Schritt auf ihn zu - Himmel! er roch schon wieder so gut - und tat so, als wolle sie auch nach dem Buch greifen. Wenn sie sich ganz aufrichtete und auf die Zehenspitzen stellte, waren ihre Augen genau auf Höhe seines Mundes. Wenn er gleich nach unten schauen würde, würde er genau in ihr Gesicht sehen und hoffentlich wissen, was er zu tun hatte. Oh Rahja, bitte, lass ihn wissen, was er zu tun hat.
Löwenbrand hatte das Buch gegriffen, das Aaminah ihm bedeutet hatte. Er blickte nach unten und erstarrte. Seine Augen wanderte über ihr ihm erwartungsvoll zugewandtes Gesicht, blieben kurz an ihrem Mund hängen, und dann trafen sich ihre Blicke. Für einige Sekunden, die Aaminah wie eine Ewigkeit erschienen, geschah nichts. Oh nein. Sie hatte sich tatsächlich getäuscht. Er würde sie nicht küssen. Er hatte überhaupt kein Interesse daran, sie zu küssen. Sie fühlte, wie ihr die Schamröte ins Gesicht stieg.
Aber dann senkten sich seine Lippen auf die ihren. Vorsichtig zuerst, als sei auch er sich nicht sicher, ob er die Situation richtig einschätzen würde, so als habe er Angst, sie könne sich jeden Moment zurückziehen. Rahja sei Dank, dachte sie noch, dann öffneten sich ihre Lippen unter den seinen, ihre Hände glitten um seinen Hals, und er zog sie in seine Arme.
Irgendwann meinte Aaminah Schritte zu hören und wollte sich von ihm lösen. Das fehlte noch, dass sie hier überrascht werden würden. Doch sie musste feststellen, dass er offensichtlich nichts gehört hatte. Oder dass es ihm einfach egal war. Denn selbst als die Schritte plötzlich genau vor dem Gang, in dem sie engumschlungen standen, stehenblieben, umschlossen seine Arme sie so fest, dass ein Loskommen unmöglich schien. Nicht, dass sie es wirklich ernsthaft versucht hätte. Sei's drum, dachte sie noch. Wenn er sich nicht darum kümmert... Und dann versank sie wieder in den Kuss.
Später, als sie noch immer Arm in Arm da standen und sich beide nicht voneinander lösen wollten, nahm Aaminah ihren ganzen Mut zusammen. Immerhin würde sie morgen abreisen, und wer weiß, ob sie den Ritter je wiedersehen würde. Und so tat sie etwas, was sie noch nie getan hatte.
"Ritter Löwenbrand," flüsterte sie, "Ich habe heute morgen mit Euch Rondra geehrt, wollt Ihr heute nacht mit mir Rahja huldigen?"
Er blickte sie an, wie vom Donner gerührt. Sie sah, wie auch ihm die Röte in die Wangen stieg. Aber seine Augen, in denen sich das Grau auf so unnachahmliche Weise mit blau und grün mischte, strahlten sie an. "Ich würde mich geehrt fühlen."
Alle Spannung schien in diesem Moment von ihr abzufallen, und sie fühlte sich leicht wie eine Feder. Sie wusste, dass sie nun eigentlich etwas sehr Intelligentes und Raffiniertes hätte sagen müssen, um seine Vorfreude auf die Nacht zu wecken. Sie hatte alle Texte studiert, sollte wissen, wie man selbst das Interesse eines noch so übersättigten Edelmannes weckte, kannte eigentlich alle Arten und Weisen, das Spiel zu spielen. Aber ihr wollte nicht die kleinste raffinierte Bemerkung über die Lippen kommen. Was an dem strahlenden Lächeln liegen mochte, das sich über ihr Gesicht breitete und das sie, selbst wenn sie es gewollt hätte, nicht hätte unterdrücken können.
Doch er schien auch gar keine Spiele oder verruchte und raffinierte Andeutungen zu erwarten, denn er zog sie einfach wieder in seine Arme. Sie dachte noch, dass das ja nicht so kultiviert sein mochte, wie all die Spiele, die sie gelernt hatte, aber sie konnte nicht abstreiten, dass es auf seine Weise sehr effektiv war. Und dann dachte sie erstmal gar nicht mehr.
Aaminah war direkt nach dem Abendessen in ihre Kammer geeilt. Sie wollte ihre beste Kleidung anlegen und sich auch sonst besonders schön für Ritter Löwenbrand machen. Den anderen hatte sie gesagt, dass sie noch etwas in der Bibliothek zu tun hätte. Löwenbrand hatte sie eigentlich an ihrer Kammer abholen wollen, aber dann hätten die anderen vielleicht etwas bemerkt, und sie wusste nicht, ob sie das wollte. Also würden sie sich vor der Bibliothek treffen.
Zum wiederholten Male fragte sie sich, ob sie einen Fehler gemacht hatte. War sie zu voreilig gewesen? Hätte sie abwarten sollen, dass er sie länger umwarb? Hätte sie auf Gedichte warten sollen? Löwenbrand war ein Krieger, kein Dichter. Blumen? Im eisigen Winter des Nordens - wohl kaum. Schweinehälften? Sie war sich sicher, dass Morgan da was falsch verstanden hatte. Das alles was so schwierig, jetzt da es keine Regeln mehr gab, die alles vorschrieben und an die sie sich halten konnte. Vorbereitet war sie letztendlich auf einen einfachen Austausch, denn was auch immer die äußeren Umstände vorspiegeln mochten, im Grunde ging es doch um eines: Geld, Juwelen und Ansehen für ihre Zeit, Aufmerksamkeit und Kunst. Aber dies hier war etwas ganz anderes.
Vorsichtig faltete sie ihren schönen Tanzrock auseinander. Er saß tief auf ihren Hüften, und der Stoff war so fein, dass man durch die einzelnen Lagen hindurchsehen konnte. Beim Tanzen hoben und senkten sich die einzelnen Stoffteile mit ihren Bewegungen und ließen so immer neuen Einblicke zu, ohne je alles zu enthüllen. Ihr knappes Mieder war reich bestickt und hatte da, wo es kurz unter ihrem Busen endete eine Reihe kleiner goldfarbener Troddeln. Ihre Oberarme schmückte sie mit Armreifen, aber auf die Schellen an ihren Knöcheln würde sie heute wohl lieber verzichten.
Sie betrachtete sich so gut es eben ging in ihrem kleinen Spiegel. Ihre Kleidung unterschied sich schon sehr von dem, was hier im Norden üblich war. Vor allem konnte man viel mehr Haut sehen. War sie hier oder auch mit ihren Worten in der Bibliothek zu aufdringlich gewesen? Hielt Ritter Löwenbrand sie für leichtfertig? Würde er denken, dass es etwas ganz alltägliches für sie sei, einen Mann zu einer Nacht der Lust zu bitten? Und wie war es bei ihm? Er hatte ihr bisher nicht den Eindruck vermittelt, jede Magd ins Stroh zu werfen, aber wieviel wusste sie wirklich von ihm?
Sie bedauerte, keine Zeit für die traditionellen Henna-Bemalungen zu haben, aber daran ließ sich jetzt nichts ändern. Aber immerhin hatte sie noch einige Ringe, um ihre Finger und Zehen zu schmücken. Ohrringe und eine Kette vervollkommneten ihre Garderobe. Jetzt musste sie nur noch ihre Augen mit Khol umrahmen und Lippen und Wangen röten, dann war sie fertig.
Aber war diese Nacht vielleicht für ihn nur eine nette Begebenheit am Rande, die er sofort wieder zu vergessen gedachte? Immerhin war er galant genug, dass er sie an ihrer Kammer hatte abholen wollen. Und sein Verhalten in der Bibliothek hatte auch nicht den Eindruck hinterlassen, dass sie ihm egal war. Aber vielleicht war er auch nur einfach höflich. Und gelangweilt genug, sich auf eine kleine Abwechslung einzulassen, in welcher Form sie sich ihm auch immer bieten würde.
Sie bemerkte, dass ihre Hände beim Auftragen der Farben zitterten. Sie war, obwohl sie sich immer wieder einredete, dass es doch eigentlich gar keinen Grund dazu gab, so aufgeregt, dass sie sich nur mit Mühe auf die Vorbereitungen konzentrieren konnte. Und dabei sollte es doch genau anders herum sein: Die Vorbereitungen sollten ihr helfen, sich zu sammeln und sich auf die vor ihr liegende Aufgabe zu konzentrieren. Genau, so wollte sie es sehen: Was auch immer er über sie oder diese Nacht denken mochte, für sie war es eine Aufgabe, die sie gut zu erfüllen gedachte.
Noch einmal versuchte sie, innere Ruhe zu finden. Vergeblich. Aber wie sollte man auch Ruhe finden, wenn man wusste, dass Ritter Löwenbrand vor der Bibliothek auf einen wartete, aber nicht, was er dabei empfand. Egal, jetzt gab es kein Zurück mehr, sie hatte ihre Wahl getroffen und danach gehandelt. Sie würde dazu stehen und sich dem Ritter ganz und gar hingeben. Bei dem, was sie für ihn fühlte, konnte das nicht falsch sein. Und bei Rahja, sie würde dafür sorgen, dass er diese Nacht nicht so einfach vergessen würde.
Sie überprüfte ein letztes Mal, ob alles perfekt war. Dann warf sie sich ihren Umhang über. Zum einen war es tatsächlich ziemlich kalt in der Feste, zum anderen wollte sich auch nicht, dass jeder sah, wie sie sich herausgeputzt hatte. Dann eilte sie mit klopfendem Herzen aus dem Zimmer.
Als sie die Bibliothek erreichte, erwartete der Ritter sie schon. Ein Blick in seine Augen, und sie wusste, dass all ihre Befürchtungen unnötig gewesen waren. Und bevor sie noch etwas sagen konnte, hatte er sie schon wieder in seine Arme gezogen. Sein Kuss brannte auch die letzten Zweifel aus ihrem Gehirn. Dieses ganze Küssen in der Öffentlichkeit war Aaminah etwas unangenehm, aber er schien es wohl ganz normal zu finden. Vielleicht war es hier im Norden so üblich?
Er legte seinen Arm um sie und führte sie tiefer in die Feste hinein. Seine Kammer lag in der inneren Burg, und sie mussten an den Wachen vorbei, aber sein Arm blieb fest um sie gelegt. Hieß das, dass morgen die ganze Festung wissen würde, dass sie die Nacht bei ihm verbracht hatte? Aber dann dachte sie sich, dass Rondra-Geweihte Klatsch und Tratsch vermutlich nicht denselben Stellenwert zumaßen, wie das in einem Harem der Fall war.
Seine Kammer war klein, aber immerhin bewohnte er sie alleine. Es gab einen Waschtisch, ein Bett und einen Ofen, der jedoch lange nicht die Wärme ausstrahlte wie der in ihrer und Maelcens Kammer. Sie vermutete jedoch, dass das hauptsächlich daran lag, dass Löwenbrand nicht so viel Wert auf Wärme legte, wie sie es tat. Aber er war auch nicht erkältet gewesen.
"Wollen wir...," 'den Ofen etwas anheizen' hatte sie sagen gewollt, geriet dann aber ins Stocken und entschied sich nach einem fragenden Blick seinerseits für: "Könnten wie es etwas wärmer machen?"
"Natürlich."
Das fing ja gut an. Während er Holz nachlegte, öffnete sie ihren Mantel und ließ ihn zu Boden gleiten. Sie fühlte sich etwas unsicher. Dabei gab es eigentlich keinen Grund, aufgeregt zu sein. Es würde nicht passieren, was sie nicht schon im Tempel erlebt hatte. Aber genau da lag das Problem. Bisher war es eben nur im Tempel passiert als Teil der Anbetung Rahjas. Wie würde es jetzt und hier mit Ritter Löwenbrand sein. Außerhalb der schützenden Umgebung des Tempels und ohne den Wein, der die vollkommene Erfüllung garantierte.
Löwenbrand erhob sich von seinem Platz vor dem Ofen und drehte sich um. Die Worte erstarben auf seinen Lippen, und er starrte sie an.
"Du bist so schön," sagte er schließlich.
Aaminah fühlte, wie ein Welle des Glücks in ihr aufstieg. Wie lange hatte sie darauf gewartet, einmal diese Worte zu hören. Und aus seinem Mund waren sie um so kostbarer für sie.
"Danke," flüsterte sie, und dann strahlte sie ihn an. "Möchtest du, dass ich für dich tanze?"
"Das wollte ich, seit du das erste Mal für mich getanzt hast."
Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Dann hatte er also doch trotz aller widrigen Umstände Augen für sie gehabt. Sie griff seine Hand und zog ihn zum Bett. Wie günstig, dass das die einzige Sitzgelegenheit im Raum war.
Sie stellte sicher, dass Löwenbrand es bequem hatte. Dann trat sie in die Mitte des kleinen Raums und begann langsam mit ihrem Tanz. Sie hatte nur sehr wenig Platz, aber sie hatte schon früh gelernt, dass es nicht immer auf die großen Gesten ankam. Außerdem hatte sie nicht umsonst eine lange und strenge Ausbildung hinter sich gebracht. Sie konnte, wenn es sein musste, direkt nach einen Kampf mitten unter Trümmern und den Überresten eines Schlachtgetümmels tanzen. Dagegen war dies hier ein Kinderspiel. Denn jetzt war der Tanz der Beginn einer Nacht der Freude. 
Zudem verlieh die Enge der Kammer dem Ganzen eine noch größere Intimität, machte noch deutlicher, dass sie nur für ihn, für Löwenbrand tanzte. Sie konnte kleine Gesten benutzen, die an ein größeres Publikum in einer Halle verschwendet gewesen wären. Sie konnte ihre Blicke und ihr Lächeln einsetzen. Nein, Aaminah fühlte sich nicht beschränkt durch den engen Raum. Im Gegenteil - sie hatte das Gefühl, dass ihr Tanz heute nacht, obwohl sie keine Magie benutzte, gar nicht benutzen musste, ganz besonders schön und ausdrucksstark war.
Schließlich näherte sie sich Löwenbrand, ihre Bewegungen wurden langsamer, und dann stand sie direkt vor ihm. Ihre Hände glitten über seine Brust, seine Schultern, an seinen Armen entlang. Aber dann musste sie einsehen, dass es sinnlos war. Sie fing an zu lachen.
"Ich würde dir gerne beim Ausziehen helfen, aber ich habe keine Ahnung, wie man dieses Ding," sie zeigte auf seinen Waffenrock, "öffnet."
"Ich würde dir auch gerne beim Ausziehen helfen," entgegnete er, ebenfalls lachend, "aber ich habe keine Ahnung, wie ich das," er zeigte auf ihre Tanzkleidung, "anfassen soll, ohne es sofort kaputt zu machen."
Schnell schlüpfte sie aus ihrem Rock und öffnete ihr Mieder. Er nestelte unterdessen an den seitlichen Schließen seines Waffenrocks, hielt dann aber inne, als sie begann, ihr Haar zu lösen. Seine Hände legten sich über die ihren, und er bedeutete ihr, es ihm zu überlassen. Seine Finger glitten durch die dunklen Strähnen, fanden die Kämme und Nadeln, die es hielten, und fuhren schließlich durch die Flut ihrer gelösten Haare, die ihr über den Rücken bis auf die Oberschenkel fielen.
Doch als seine Hände neugieriger wurden, entzog sie sich ihm und begann, seine Kleidung weiter zu lösen. Jetzt, da er den Waffenrock abgelegt hatte, sah sie, dass er darunter eine Tuchrüstung trug. 
"Du trägst auch hier in der Feste eine Rüstung?" fragte sie verwundert, als sie hinter ihn trat, um die Schnallen, die die Rüstung am Rücken schlossen, zu öffnen.
"Natürlich."
"Aber hier ist doch kaum ein direkter Angriff zu erwarten, oder?" fragte sie.
Er drehte sich zu ihr um, um einen schnellen Kuss zu stehlen. "Nein. Aber das ist auch nicht der Grund. Ich trage sie, um Rondra zu ehren." Nun gut, dachte Aaminah, das konnte er ja gerne tun, solange er sie jetzt auszog, um Rahja zu ehren. Er entkleidete sich mit ihrer Hilfe weiter, und endlich wurde ihre Neugier gestillt, wie der Ritter unter seinem Waffenrock aussah.
Löwenbrands Körper war offensichtlich der eines Kriegers, hart und voller Narben, die darauf schließen ließen, dass er seine Wunden vielleicht mit derselben medizinischen Sorgfalt versorgte wie Bronzehund, aber sicher nicht mit demselben Anspruch an die Ästhetik. Auch seine Muskulatur war eine reine Funktionsmuskulatur, erworben in endlosen Stunden des Gebets und des Kampfes mit dem schweren Rondrakamm.
Außerdem konnte Aaminah feststellen, dass die kleinen blonden Härchen tatsächlich nicht nur auf seinen Unterarmen zu finden waren. Sie waren auch auf seiner Brust, von wo ein schmaler Streifen nach unten lief und in seiner Hose verschwand. Neugierig begann sie, weiter auf Erkundung zu gehen. Und dann dauerte es tatsächlich nur noch sehr kurze Zeit, bis sie wieder, diesmal zusammen und gänzlich entkleidet, auf das Bett sanken.
Löwenbrands Hände waren rau und voller Schwielen, anders als alle anderen Hände, die Aaminah je berührt hatten. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, schienen selbst die sanftesten Berührungen seiner Finger glühende Pfade auf ihrer nackten Haut zu hinterlassen.
Nicht überraschend war, dass sie ihm an Wissen um die Lust einiges voraus hatte, schließlich war es ein Teil ihrer Ausbildung gewesen. Aber wenn es auch Aaminah so schien, als sei es keine alltägliche Erfahrung für ihn, mit einer Frau das Bett zu teilen, so war er auch kein unerfahrener Jüngling mehr, der sich schnell verunsichern ließ. Er schien vielmehr amüsiert, aufgeschlossen und durchaus experimentierfreudig.
Und so erkannte Aaminah sehr schnell, dass sie sich keine Gedanken hätte machen müssen: Auch ohne den Wein, der im Rahja-Tempel gereicht wurde, war die vollkommene Erfüllung möglich. Es fühlte sich zwar ganz anders als die Hingabe an, die sie im Tempel erfahren hatte, doch sie hätte sich nicht darauf festlegen wollen, welche Art die schönere war.
Ungestüm hatten sie ihre erste Lust gestillt, als die Hände des Ritters schließlich auf einer der Narben liegenblieben, die die Kämpfe der letzten Monate auf ihrem Körper hinterlassen hatten. Sie hatte zwar beim Ausziehen extra darauf geachtet, dass sie stets im Schatten lagen, aber danach hatte sie sie einfach vergessen.
"Was ist denn da passiert?"
Sie versuchte sich wegzudrehen, aber Löwenbrand hielt sie fest. Seine Fingerspitzen erkundeten sanft die Narbe, die das Schwert eines Untoten auf ihrem Oberschenkel hinterlassen hatte.
"Nicht." Sie wollte sich seinem Griff entziehen und drückte seine Hand zur Seite. "Ich will nicht, dass du das siehst."
"Warum?" Er schien ehrlich überrascht.
"Es... es ist nicht schön," sagte sie schließlich.
"Doch, ist es."
Sie starrten sich beide verständnislos an. "Es sind Zeichen, die ein Kampf auf deinem Körper hinterlassen hat. Was sollte daran schlecht sein?" fragte er.
"Sie stören die Perfektion...," sie schüttelte den Kopf und setzte noch einmal an: "Sie machen mich noch unperfekter als ich sowieso bin."
"Nein," widersprach er ihr. "Sie sind Auszeichnungen einer Heldin."
"Ich bin aber keine Heldin, sondern eine Tänzerin," stellte sie richtig. "Ich bin dazu geschaffen, schön zu sein, nichts weiter."
Er lächelte. "Du bist auch eine Tänzerin. Aber du bist auch eine Heldin."
"Wohl kaum," erwiderte sie trocken. "Aber wenn du sie schön findest, dann ist es ja gut."
"Du solltest sie auch schön finden. Sie ehren dich." Seine Hände glitten über ihren Körper, bis sie eine weitere Narbe fanden. "Erzähl mir davon."
Am Anfang war sie noch schüchtern, aber dann sorgte Löwenbrand liebevolle und zärtliche Art dafür, dass Aaminah ihre Scheu ablegte. Und nachdem er sich jeder ihrer Narben ausführlich mit Händen und Lippen gewidmet hatte, war sie überzeugt: Ihr Körper war schön, auch mit den Narben. 
Danach ging auch sie auf Erkundungstour. Aber sie musste bald feststellen, dass er ihr kaum Auskunft geben konnte. Ein, zwei große Narben hatten ihre eigene Geschichte, doch bei den meisten wusste er nicht mehr, woher sie kamen. Trotzdem machte sie weiter und nutzte die Gelegenheit seinen Körper auf neue und köstliche Art noch einmal zu entdecken.

*****

Irgendwann viel später, nachdem sie immer neue Lust an ihren Körpern gefunden hatten, sie miteinander getändelt, gesprochen, gelacht und endlich auch geschwiegen hatten und Aaminah angenehm ermattet in den Armen des Ritters lag, kehrten ihre Gedanken unwillkürlich noch einmal zu Durrishahwar zurück. Und plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie endlich nicht mehr neidisch auf ihre ältere Schwester war.
Durrishahwar würde vermutlich nie erfahren, was es hieß, in den Armen eines Geliebten die Nacht zu verbringen. Nie würde sie sich so glücklich und geborgen fühlen können wie Aaminah, als sie darüber nachdachte, ob es besser wäre, noch in der Nacht in ihre eigene Kammer zurückzukehren, nur um dann festzustellen, dass der Arm des Ritters sie auch im Schlaf so fest umschloss, dass sie, selbst wenn sie es wirklich gewollt hätte, nicht hätte davonschlüpfen können.
Sie dachte an Kaazim Ibn Abbas, Durrishahwars Gönner. Sicher, Löwenbrand war ebenfalls deutlich älter als sie, aber Kaazim Ibn Abbas könnte ihr Vater sein. Genauer gesagt, könnte er vermutlich sogar Löwenbrands Vater sein. Aaminah schmiegte sich dichter an den muskulösen Körper neben sich. Mochten Kaazim Ibn Abbas' lange Roben auch aus der kostbarsten Seide sein, seine Hände vor Juwelen funkeln - sie konnten doch nicht verbergen, dass er ein feister alter Mann war. Allein der Gedanke, er könnte sie auch nur mit seinen dicken Patschhänden so berühren, wie Löwenbrand es in dieser Nacht getan hatte, jagten ihr kalte Schauer über den Rücken.
Aber das war noch nicht das Schlimmste. Aaminah war sich sicher, dass man Kaazim Ibn Abbas nicht trauen konnte. Er würde seine Interessen stets skrupellos und ohne Rücksicht auf andere verfolgen. Ihr Blick wanderte zu Löwenbrands Gesicht, das im Schlaf entspannt und jungenhaft aussah, und sie wusste, dass sie ihm bedingungslos vertrauen konnte. Löwenbrand war ein Mann von Ehre, offen und ehrlich. Auch er würde seinen Weg gehen, doch er würde es mit offenem, nicht mit kaltem Herzen tun, mutig, aber nicht ohne Gewissen, entschlossen, aber nicht rücksichtslos.
Oh, Durrishahwar, dachte sie, nimm all dein Gold, all deine Juwelen, ich will sie nicht mehr. Sie sind zu bitter erkauft. Geh du deinen Weg, ich gehe den meinen.
Sie küsste den Ritter, kuschelte sich noch tiefer in seine Arme und schlief ein.