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Aaminah

Das Seelentier von Aaminah.

Aaminah

An ihre frühe Kindheit hat Aaminah keine Erinnerung. Mit vier oder fünf ist sie zu ihrer Meisterin Rakhshanda (= scheinend, brillant) gekommen, was davor geschah, weiß sie nicht. Rakhshanda selbst war damals etwa dreißig (d.h. sie ist jetzt Mitte vierzig).
Rakshanda hat eine schöne Villa im arabischen Stil in dem alten Viertel zwischen Marktplatz und Rahja-Tempel. Mit den Jahren ist das Haus immer kostbarer geworden. Aaminah war aber eigentlich immer eins besonders wichtig: der üppig bepflanzte Innenhof mit seinen schattenspendenden Orangenbäumen und den Wasserspielen.

Rakhshanda hatte, als sie Aaminah aufnahm, schon eine ältere Schülerin. Durrishahwar (= königliche Perle) ist fünf Jahre älter und wunderschön. Außerdem kann sie alles besser und lässt das Aaminah wenn auch nur hinter dem Rücken der Meisterin gerne spüren . Neben ihr kommt Aaminah sich immer ungelenk und hässlich vor. Sie ist nicht überrascht, als Durrishahwar mit siebzehn von einem der reichsten Kaufleute der Stadt in seinen Haushalt geholt wird. Ab und zu besucht Durrishahwar noch ihre alte Lehrerin und findet auch hier immer wieder Gelegenheit, Aaminah spüren zu lassen, dass sie es bis quasi ganz nach oben geschafft hat (insbesondere da ihr Herr jetzt auf das Amt eines Wesirs spekuliert) - was ihr bei Aaminah doch eher fraglich scheint.
Aus ihren eigenen Erfahrungen klug geworden, versucht Aaminah bei der nächsten Schülerin von Rakhshanda, Gul-i Rana (= liebliche Rose), die Rolle einer liebevollen älteren Schwester zu übernehmen und sie nicht wie eine Dienerin herumzuscheuchen. Gul-i Rana ist kurze Zeit, nachdem Durrishahwar das Haus verlassen hat, zu Rakhshanda gekommen und nur drei Jahre jünger als Aaminah. Sie kommt aus dem Haus der Lehrerin von Rakhshanda und hatte dort schon ihre Ausbildung begonnen. Beim Tod ihrer Meisterin hat Rakhshanda ihre letzte Schülerin bei sich aufgenommen.
Außerdem hat Aaminah noch eine Freundin namens Mahirimah (= Sonne-Mond, d.h. sehr schön). Sie haben sich bei einem Fest kennengelernt, wo ihre Meisterinnen mit ihren Schülerinnen aufgetreten sind. Mahirimah wohnt mit ihrer Meisterin Mahsati (= Mondfrau), einer Freundin von Rakhshanda, nicht in Khumchom, sondern in Rashdul, so dass sich die beiden nur bei großen Festen sehen konnten, oder wenn ihre Meisterin Rakhshanda besuchte. Mahirimah ist genauso alt wie Aaminah und hat entsprechend dieselben Sorgen und Nöte, Freuden und Träume. So haben sie ihre Zeit häufig damit verbracht, über ihre älteren Schwestern zu klagen oder von einer Zukunft am Hof des Sultans zu träumen.
Nachdem Durrishahwar das Haus verlassen hatte, brach eine sehr schöne Zeit an, in der Aaminah sehr glücklich war. Sie hat viel gelernt, wurde nicht mehr herumgescheucht und kümmerte sich um Gul-i Rana. Endlich war sie nicht mehr "die Kleine", die nichts konnte und immer schlechter als die große Schwester war. 
Aber mit der Zeit schienen sich die Voraussagen Durrishahwars zu bestätigen. Aaminah war auch mit neunzehn noch immer bei ihrer Meisterin. Unterdessen wurde schon immer mal wieder das Interesse an Gul-i Rana wach, aber Aaminah wurde nie in den Vordergrund gestellt. Irgendwann belauschte sie unabsichtlich ein Gespräch zwischen Rakhshanda und ihrer Freundin Mahsati, bei dem Mahsati Rakhshanda fragte, was denn mit Aaminah sei, dass sie in ihrem Alter noch immer bei ihr leben würde. Rakhshanda seufzte nur und sagte irgendwas unverständliches und betonte auf weiteres nachfragen, sie wolle nicht weiter darüber reden. Das gab, nachdem Durrishahwar bei ihrem letzten Besuch auch noch besonders bissig gewesen war, den Ausschlag: Aaminah beschloss wegzulaufen, da sie ihrer Meisterin offensichtlich nur Schande bringen konnte. Sie weihte Mahirimah ein und floh mit ihrer Hilfe zwei Nächte später als blinder Passagier auf ein Schiff Richtung Norden...
Aaminah vor dem Thorwal-Abenteuer
  • Am Anfang der Kampagne war Aaminah einfach ein recht naiver Teenager. Sie war Zuhause unglücklich und fühlte sich missverstanden. Und was tun Teenager dann? Sie laufen weg. Das hat Aaminah auch gemacht und zwar ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen, was das eigentlich alles beinhaltet.
    Das kam aber auch daher, dass sie sich nie wirklich darüber im Klaren war, was es eigentlich bedeutet, Sklavin zu sein. Das Leben mit ihrer Meisterin war zwar von Unterricht und Lernen geprägt, aber auch von liebevoller Aufmerksamkeit. Im Grunde waren die Schülerinnen bei Rakhshanda eher so etwas wie Haustöchter.
    Darum war die Begegnung mit Bronzehund auch so ein Schock für Aaminah. Zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass das Sklavendasein durchaus seine Schattenseiten hat – selbst wenn man nicht so offensichtlich leiden muss, wie es bei Bronzehund der Fall war.
    Diese Idee gewann an Boden, als sie Löwenbrand kennen und lieben lernte. Da wurde ihr nämlich klar, dass sie als Sklavin niemals ein Recht auf Liebe oder sonst irgendein frei bestimmtes Leben gehabt hätte.
    Noch wichtiger wurde diese Erkenntnis mit der Geburt von Sadiyya, die ja genau genommen in die Sklaverei geboren worden ist. Jetzt, wo sie selbst weiß, was es bedeutet, frei zu sein, kann sich Aaminah nichts Schrecklicheres vorstellen, als dass ihre Tochter als Sklavin aufwächst. Ihre größte Sorge ist daher auch, dass tatsächlich Sklavenjäger hinter ihr her sein könnten (immerhin stellt sie einen beträchtlichen Wert da), die dann auch Sadiyya mit einfangen würden.
    Sie hatte deswegen auch schon ein Gespräch mit Bronzehund, der ihr hoch und heilig versprochen hat, dass, falls tatsächlich Sklavenjäger kommen und Aaminah wegschnappen würden, er alles (und ich denke, er meinte wirklich ALLES) tun würde, um zu verhindern, dass sie auch Sadiyya bekommen würden.
  • Die Gruppe ist für Aaminah insgesamt zu ihrer Familie geworden:
    Mit Maelcen verbindet sie eine ähnliche Geisteshaltung: Sie sind beide Gaukler. Sie mögen bunte Dinge, achten nicht wirklich auf’s Geld, sind im Ganzen vielleicht etwas unüberlegt. Und es macht ihnen einfach Freude, vor Menschen aufzutreten und ihre Künste zu zeigen. 
    Zu Bronzehund hat sie wegen ihrer Vergangenheit als Sklavin und jetzt auch durch Sadiyya eine enge und ganz besondere Beziehung. Er hat sich in Abwesenheit des leiblichen Vaters mit der Zeit nämlich zu einem Ersatzvater und der männlichen Bezugsperson für Sadiyya entwickelt
    Mit Thenna verbindet sie schon allein, dass sie beide die einzigen Frauen der Gruppe sind. Da sie häufig zusammen in einer Kammer schlafen, führen die beiden auch gerne einmal Mädelsgespräche. Die sind eine so schöne Ablenkung von all den schrecklichen Dingen, die ihnen ständig passieren. Außerdem lässt es sich beim gemeinsamen Bad so wunderbar tratschen, und auch die Haarpflege ist zu zweit viel einfacher und schöner.
  • Was sind ihre Sorgen und Ängste im Moment (außer den offensichtlichen betreffs dem, dessen Namen nicht genannt werden soll): 
    An erster Stelle stehen da die Sklavenjäger, dicht gefolgt von dem ganzen Problemkomplex Löwenbrand: Zum einen die drängendste Frage: Lebt er noch? Auf der einen Seite ist da das Gefühl: „Ich WÜSSTE, wenn etwas passiert ist.“ Aber ein kleiner Zweifel bleibt natürlich doch. Er hat ihr ja auch die Sache von wegen Schicksal und so erklärt, und an guten Tagen ist das auch recht überzeugend („Klar, werden wir uns wieder sehen. Klar, gehören wir zusammen. Sonst hätte ich doch nicht das Kind gekriegt …“), aber so richtig glücklich macht sie das alles nicht („Selbst wenn ich daran glaube: Was, wenn es eben nur darum ging, das Kind zu zeugen …“).
    Dann: Weiß er schon, dass er Vater ist? Wie steht er dazu (oder dazu, dass es eine Tochter ist)? Wie wird er reagieren, wenn er erfährt, dass sie und seine Tochter Sklaven sind (irgendwann muss sie es ihm ja wohl sagen)?
    Und damit kommen wir zu der einen, sich immer wieder aufdrängenden Frage: Wird er wie verabredet in Kuslik sein? Und was wird passieren, wenn sie sich wieder sehen?
    Aaminah selbst liebt Löwenbrand noch immer von ganzem Herzen – sonst bräuchte sie sich ja auch nicht so viele Gedanken machen.
  • Nach wie vor ist Rahja die Göttin, zu der Aaminah in der Regel betet. Das tut sie regelmäßig morgens und abends für sich und Sadiyya, die ganze Gruppe und natürlich Löwenbrand (so richtig traut sie Rondra nicht, ihre Anhänger zu beschützen; die kommt doch glatt auf die Idee, ihn ehrenvoll zu sich zu berufen). 
    Anfangs stand Rahja dabei vor allem für Schönheit, Freude und vielleicht auch den Rausch. Unterdessen ist aber der Aspekt der Liebe (und der Hingabe) in den Vordergrund getreten. Die Liebe zu Löwenbrand und die Geburt ihrer Tochter haben ihr das Herz geöffnet, und sie glaubt jetzt an die Liebe als größte Macht (ach, seufz). Das hat auch dazu geführt, dass sie sich der Gruppe noch enger verbunden fühlt.
  • Eines der schrecklichsten Erlebnisse bisher war, das Sadiyya plötzlich verschwunden war. Auch wenn sie nun wohlbehalten zurück ist, bleibt immer eine Restangst, dass vielleicht etwas passieren könnte, und Aaminah lässt ihre Tochter fast überhaupt nicht mehr aus den Augen (vorher war sie eine liebevolle, aber eher entspannte Mutter). Außerdem ist die Kleine ja offensichtlich älter zurückgekommen, auch das rechtfertigt eine genauere Beobachtung. 
    Außerdem fragt sie sich, ob die Feen womöglich Recht hatten mit ihrer Behauptung, sie könnte nicht gut genug auf ihr Kind aufpassen. Die erste Reaktion war natürlich Empörung („Nee, klar! Ihr könntet das besser als ich als Mutter! Wer glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid!“) Aber in ruhigeren Momenten macht sie sich schon Sorgen, ob das Leben als Abenteurerin wirklich so gut mit dem Leben als Mutter Hand in Hand geht. 
    Andererseits, was soll man tun? Selbst wenn sie es über sich bringen würde, sich von Sadiyya zu ihrem eigenen Wohl zu trennen, stellt sich die Frage, wo denn ein geeigneter Aufenthaltsort für sie wäre. Eine Familie außerhalb der Gruppe hat sie nicht (oder vielmehr nicht mehr, zu ihrer Meisterin nach Khunchom kann sie die Kleine kaum bringen), beim Vater kann das Kind auch nicht sinnvoll bleiben (selbst wenn er das wollte, würde das ihre Situation kaum verbessern), und die Idee einer trauten Häuslichkeit zusammen mit Löwenbrand ist so absurd, dass sie ihr gar nicht kommen würde. Also bliebe nur die Möglichkeit, sie in Musgraven mit einer vertrauenswürdigen Kinderfrau zurückzulassen. Aber darüber kann sie sich immer noch Gedanken machen, wenn es soweit ist – sprich wenn sie im nächsten Frühjahr auf das Gut zurückkehren.
  • Außerdem hat Aaminah immer mal wieder furchtbar Heimweh. Vor allem, wenn es so kalt ist oder wenn sie eine andere Familie sieht (wie bei Maelcen Zuhause), denkt sie an ihre Meisterin und an das wunderschöne Khunchom. Zu gerne würde sie es wieder sehen, aber unterdessen weiß sie, was sie getan hat, und ihr ist klar, dass es kein Zurück für sie gibt. Und das sorgt für so manche verborgene Träne vor dem Einschlafen. Außerdem macht sie sich Sorgen, was mit ihrer Freundin Mahirimah passiert ist, die ihr ja bei der Flucht geholfen hat. Unterdessen hat sie begriffen, dass das, was sie da gemacht haben, vermutlich wirklich schlimme Konsequenzen hatte. Früher hat sie sich ja eingeredet, dass sich das Ganze einfach dadurch lösen ließe, dass sie genug Geld verdienen würde, um sich frei zu kaufen. Aber jetzt ist ihr klar, dass das eine recht naive Sichtweise war.
  • Abschließend will ich noch sagen, dass es sich jetzt vielleicht so anhört, als hätte Aaminah nur Sorgen und müsste eigentlich die ganze Zeit tief deprimiert durch die Gegend laufen. Das ist aber ganz und gar nicht so. Sie ist im Gegenteil meist gut gelaunt und versprüht in der Regel weiterhin Fröhlichkeit und Lebenslust. Aber in ruhigen Moment beispielsweise vor dem Einschlafen oder auf den langen Wanderungen kann sie doch manchmal recht still werden. 
    Aber es dauert nicht lange, bis sie sich dann wieder berappelt und sich sagt, dass sie ohnehin nichts machen kann, der Wille der Götter wird geschehen, bzw. dass sie ihr Leben selbst in der Hand hat und schon dafür sorgen wird, dass alles gut ausgeht. (Sie ist nicht reflektiert genug, um wirklich eine eigene Meinung zum Thema Selbstbestimmtheit vs. Schicksal zu haben, sondern lässt sich sehr leicht beeinflussen. Wenn Thenna ihr erzählt, dass man sein Schicksal selbst bestimmt, ist Aaminah genau ihrer Meinung. Wenn Löwenbrand ihr erzählt, dass das Schicksal vorbestimmt ist, findet sie das allerdings genauso überzeugend. Sie wendet also immer die Weltsicht an, die gerade am passendsten für die Situation ist). Außerdem ist das Leben zu kurz (und gerade das ist ein Punkt, der ihr nach den Erlebnissen der letzten Zeit nur allzu deutlich geworden ist!), um es mit Trübsal und unnötigen Sorgen zu vergeuden. Die Zeit, die man hat, soll man auch nutzen, damit man am Ende (wann auch immer das kommt) ein volles Leben gelebt hat. Und dann singt und tanzt sie wieder oder erzählt eine neue (oder auch altbekannte und geliebte) Geschichte.
Aaminah während dem Thorwal-Abenteuer
  • Aaminah ist unterdessen sehr unglücklich, dass es schon so spät im Jahr ist. Sie befürchtet, dass Löwenbrand, selbst wenn alles perfekt geklappt haben sollte und er gekommen ist, wieder aus Kuslik wegbeordert worden ist. Sie hat jetzt nur noch ein Ziel: So schnell wie möglich ins Liebliche Feld zu reisen.
    Dass die Runen in Bezug auf Löwenbrand nicht zu ihr gesprochen haben, deutet sie als Zurechtweisung (insbesondere da sie in anderer Hinsicht so gesprächig waren). Glaubt sie etwa nicht an das Schicksal? Hat sie kein Vertrauen? Sie wird die Runen erstmal nicht wieder werfen (erst wieder wenn sie in Kuslik herausfinden müsste, was aus Löwenbrand geworden ist).
  • Sie hat angefangen, ein Buch für Sadiyya zu schreiben, in das sie alles einträgt, was wichtig für sie sein könnte, um ihre Mutter (und im begrenzteren Sinne auch ihren Vater, so schrecklich viel weiß sie ja selbst nicht von ihm) kennen zu lernen, falls ihr etwas zustoßen sollte. Sie schreibt dort nicht nur die Abenteuer auf, die sie erleben und schon erlebt haben, sondern erzählt auch von ihrer Vergangenheit, alles mögliche über sich selbst, wie es überhaupt dazu kam, dass Sadiyya geboren wurde und und und …
  • Thula: Dass sie als Seelentier einen Geier hat, ist etwas irritierend. Aaminah deutet es als: will alles ganz genau wissen, gewissenhaft in ihren Untersuchungen, hat Überblick über das gesamte Bild, aber insgesamt durchaus nicht ungefährlich.
  • Außerdem möchte Aaminah sich bei einem Thorwaler Bilderstecher eine Tätowierung machen lassen. Das Bild soll – in Unterstützung ihrer neuen Schicksalsgläubigkeit – eine Verbindung zwischen ihr und Löwenbrand symbolisieren.
    Die Rosen sind kein Problem, die kann auch jeder sehen. Sie entscheidet sich für einen Kranz aus aufgeblühten Rosenblüten um den Bauchnabel. Da es als Abenteurer ja nie verkehrt ist, den passenden Schutzhalbgott immer bei sich zu haben, wird der Kranz von einem für Aves stehenden Paradiesvogel im Schnabel gehalten, der sich unter ihrem Nabel breitmacht.
    Dass sie auch eine Tätowierung hat, die für Löwenbrand steht, muss nicht jeder wissen. Es ist ein privates Thema, und so soll das Bild auch an eine intime Stelle ihres Körpers, die nicht alle sehen: mittig auf ihren Unterbauch, so tief, dass auch der Tanzrock es verdeckt.
    Sie wird alleine zum Bilderstecher gehen und den anderen auch erstmal nichts davon erzählen, wobei wohl davon auszugehen ist, dass zumindest Thenna es bald beim Baden oder beim Zubettgehen sehen wird.
Aaminah nach dem Thorwal-Abenteuer
  • Aaminah ist sehr unglücklich, weil sie das Gefühl hat, dass ihre Familie auseinander bricht. Morgen haben sie schon in Thorwal zurückgelassen. Thenna ist jetzt wieder in ihrem Heimattempel in Kuslik angekommen. Sie hat ihre Aufgabe erfüllt, und es scheint sehr unwahrscheinlich, dass sie noch weiter mitreisen wird. Und dann ist da die Sache mit Bronzehund. So sehr sich Aaminah für ihn freut, dass er seinen Weg gefunden hat – sie findet es ziemlich schrecklich, dass er sein Leben ausgerechnet Kor weihen will. Auch wenn sie fest daran glaubt, dass das Schicksal sie wieder zusammenführen wird, so bleibt doch auch die Tatsache, dass er nun für wer weiß wie lange in Kuslik bleiben wird und nicht mehr mit ihnen reist. Wenigstens ist Maelcen noch dabei und macht auch (zumindest bis jetzt) nicht den Eindruck, dass er andere Pläne verfolgen würde. So bleibt zumindest einer der „Familie“ bei ihr. Die neu dazu gekommene Thula hat zwar unterdessen durchaus nette Seiten enthüllt, aber sie ist doch noch kein wirklicher Ersatz für die jetzt erstmal verlorenen Freunde.
    Mit Bronzehund verliert Aaminah auch den Menschen, mit dem sie über ihre Vergangenheit als Sklavin reden konnte. Aber ein letztes Gespräch mit ihm zu dem Thema gibt Aaminah viel Stoff zum Nachdenken. Sie versteht jetzt, was sie getan hat, als sie weggelaufen ist. Sie wird sich nicht mehr vormachen, dass sie noch jemals ihren Kaufpreis abbezahlen wird. Sie akzeptiert, dass sie eine weggelaufene Sklavin ist – und betrachtet sich von jetzt ab als frei. Und falls wirklich Sklavenjäger sie oder noch schlimmer Sadiyyah zurückholen wollen, weiß sie, dass Bronzehund bis zu seinem letzten Atemzug alles daran setzen wird, sie zu retten.
  • Dass Löwenbrand nicht in Kuslik ist natürlich auch ganz schrecklich. Sein Brief ist aber immerhin ein kleiner Trost. Zumindest im ersten Moment, denn dann werden ihr drei Dinge klar: Erstens. Löwenbrand hat, zumindest als er den Brief schrieb, noch gar nichts von der Schwangerschaft, geschweige denn der Geburt Sadiyyahs gewusst. Zweitens. Maraskan ist keine Gegend in der man einen geliebten Menschen wissen möchte. Und drittens. Die kryptische Prophezeiung „Gefahr im Osten“ gewinnt plötzlich ganz neue und schreckliche Bedeutung. Dies führt zu den Überlegungen: Erstens. Der Brief ist nicht gerade neu. Wer weiß, was unterdessen alles passiert ist. Und zweitens. Sie hofft, dass er ihren Brief nach Perricum bei seiner Rückkehr erhalten hat. Sie hofft, dass er ihren in Gareth zurückgelassenen Brief auf der Rückreise gefunden hat. Und sie hofft natürlich vor allem, ihn jetzt bald, vielleicht sogar schon in Punin, zu treffen. Andererseits sind Verabredungen über so lange Zeit und so lange Distanzen ja immer schwierig. Immerhin sagt ihr sein Brief aber ganz eindeutig, dass er sie auch genauso liebt und vermisst wie sie ihn und es gar nicht abwarten kann, sie wieder zu sehen (zumindest war das vor einem Jahr so).
  • Insgesamt ist Aaminah im Moment sehr traurig und macht sich Sorgen über die Zukunft. Sie wird die Aufgabe, die Kunde durch Aventurien zu tragen natürlich weiter entschlossen erfüllen, aber gerade abends vor dem Einschlafen wird die eine oder andere Träne fließen. Sie wird ernster, insbesondere da sie das Gefühl hat, dass jetzt ohne Bronzehund und Thenna viel mehr Verantwortung auf ihr lastet. Trotzdem sieht sie es natürlich auch als ihre Aufgabe an, das Leben voll zu leben und natürlich auch anderen Freude zu bereiten. Dazu gehört es auch, Laune und Moral hoch zu halten. Das führt dazu, dass sie zwar nach außen meist froh und munter und auch stark wirkt, dass sie das aber in zunehmendem Maße viel Kraft kostet. Es ist aber auch einfach frustrierend, wenn man weiß, dass die Welt untergeht und niemand einem glaubt. Deshalb ist die umso glücklicher Maelcen weiterhin an ihrer Seite zu wissen. Immerhin ist er was Schönheit, buntes Leben und Fröhlichkeit betrifft ihr Seelengefährte.