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Klöster: Horte der BücherDie Klöster waren die wichtigsten Bildungsstätten vom frühen bis zum hohen
Mittelalter in Europa. Das Mönchtum - und damit auch das Kloster - war Hüter und Vermittler des
erhaltenen antiken Wissens. Große Klöster
unterhielten eine Lateinschule, eine Bibliothek und ein Skriptorium. Kloster- und Domschulen waren die
Hauptpfeiler des frühmittelalterlichen Bildungssystems; Laienschulen gab es
noch nicht. In den Bibliotheken überlebten die großen Werke der antiken
Autoren, in den Skriptorien wurden sie vervielfältigt und in den Schulen
wurden sie unterrichtet. Dass diese Bildung sich natürlich immer
in den Dienst des Glaubens stellen musste, ist natürlich klar. Bücher
stellten jedoch nicht nur Wissenshorte, sondern auch weltliche Schätze
dar. Die Funktion des Skriptoriums, die Buchbestände des jeweiligen Ortes zu
vermehren, war also nicht nur für einen Zugewinn von Wissen, sondern auch
eine Vergrößerung des Klosterschatzes wichtig. Wie eng die Verbindung zwischen Skriptorium und der eigentlichen Bibliothek war, kann man auf dem St. Galler Klosterplan sehen: die Bibliothek befindet im Obergeschoss eines quadratischen Gebäudes im Winkel von Chor und nördlichen Querhaus; darunter im Erdgeschoss lag das Skriptorium - auf dem Plan rot markiert.
Der Klosterplan von St. Gallen wurde als Idealplan einer benediktinischen Klosteranlage angesehen; mit seiner Struktur wurde für Jahrhunderte das Schema des europäischen Klosterbaues bestimmt. Der Klosterplan von 825/830 enthält nicht nur den sakralen Teil eines Klosters, sondern umfasst auch Hospital, Werkstätten, Ställe und Herbergen und bildet so eine richtige "Klosterstadt". |
SkriptoriumIm Mittelalter waren Lese- und Schreibkundige selten; Mönche und deutlich seltener Nonnen - noch Hildegard von Bingen musste ihre Bücher diktieren - gehörten zu dieser gebildeten Klasse und so bestand die klösterliche Arbeit häufig aus Lesen und Schreiben; für das grobe Tagwerk gab es ab dem 11. Jahrhundert oft Laienbrüder. Das Abschreiben von Handschriften - besonders von christlichen Schriften - galt als tugendhaftes Werk, das Sünden abgelten und himmlischen Lohn verschaffen konnte. Schreiben war Heilswirken, weil es verdienstvoll und mühsam war.
Schreibender Laie und Mönch - Echternacher Evangelistar Heinrichs III. (1039-1043). Lesen und Schreiben wurden zwar in der Lateinschule
gelehrt, doch für die Kunst des Bücherschreibens wurden nur meist nur
talentierte junge Mönche durch die erfahrenen Schreiber eines Skriptoriums
ausgebildet. Dies führte zu einheitlichen Merkmalen in Schrift und
Ausstattung der Handschrift, die im Früh- und Hochmittelalter meist eine Zuordnung zu
einem bestimmten Skriptorium möglich machen, während im Spätmittelalter meist nur die
Zuweisung zu einer bestimmten Region möglich ist, wenn ein Kolophon (Textpassage
am Ende mit Angaben über Schreiber bzw. Drucker, Titel, Ort und Zeit der
Herstellung) oder andere
Angaben fehlen. |
SkriptorDer Schreiber verrichtete seine Arbeit sitzend an einem auf dem Boden stehenden Schreibpult mit leicht geneigter Platte
(cathedra) oder auf einem Schoßpult (pluteus, asser), die Füße meist auf einen Schemel gestellt. Er hatte die Aufgabe, eine bestimmte Vorlage getreu wiederzugeben. Dennoch bemerkte er immer wieder Beeinträchtigungen und Fehler des Vorlagetextes und Praktiken der Orthographie, der Akzentuierung und Interpunktion, die nicht mehr die seinen waren;
bewusst oder unbewusst 'verjüngt' dergestalt jeder Schreiber seine Vorlage. Beim Kopieren einer
Handschrift entstanden zwangsläufig Fehler; auch Korrekturen des Schreibers konnten unter Umständen falsch sein. |
Klosterbibliothek"Claustrum sine armario sicut castrum sine armamentario." - Ein Kloster ohne Bücherei ist wie eine Burg ohne Waffenkammer. Bücher waren im Mittelalter eine Kostbarkeit, kein einfaches Arbeitsmittel, und die Bibliothek ein wertvoller Teil
des Klosterschatzes. Kostbar im wörtlichen Sinne; denn Bücher waren im Mittelalter und noch lange nach Erfindung des Buchdrucks
keine billige Massenware, sondern kostbare Einzelstücke. Geschrieben wurde auf Pergament – einem kostbaren Material aus der Haut von Tieren. Allein für eine Bibel brauchte man die Haut von 400 Schafen.
Und Prachthandschriften, deren Miniaturen mit Gold und Purpur ausgestattet waren
und kostbare Einbände in Gold und mit Edelsteinen verziert besaßen, waren
natürlich noch einmal deutlich kostbarer. |