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Schriftarten

Die folgende Liste habe ich vor Jahren fürs Studium aus dem Netz gezogen; ich fand sie immer sehr hilfreich. Ursprünglich stammt diese Liste (genauso wie viele Anregungen von dieser Seite) von Herrn Prof. Dr. Horst Enzensberger von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, dem ich an dieser Stelle noch einmal herzlich dafür danken möchte.
Auf dieser wirklich empfehlenswerten Inhaltsverzeichnis-Seite der Virtual Library der Historischen Hilfswissenschaften sind sowohl kurze Erläuterungen zu einzelnen Punkten, als auch jede Menge guter Literaturtipps und Links zu finden.

Lateinschrift

Lateinschrift ist der neuzeitlicher Sammelbegriff für die evident auf römischen Schriften zurückgehenden Schriftarten, die für Texte in lateinischer Sprache im Gebrauch waren. Im engeren Sinn meint Lateinschrift die römische Buchstabenschrift, die aus der griechisch beeinflussten etruskischen Schrift abgeleitet und seit dem 6. Jahrhundert v.Chr. zunächst epigraphisch nachzuweisen ist. Ursprünglich boustrophedon geschrieben, setzte sich bald die Rechtsläufigkeit durch. Anfangs umfasste das Alphabet 21 Buchstaben und drei griechischen Zahlzeichen, zur Zeit Ciceros wurden zur Wiedergabe griechischer Termini "y" und "z" wieder aufgenommen, sodass das Alphabet 23 Buchstaben enthielt.
Eine mittelalterliche Ergänzung zur Wiedergabe deutscher Texte ist das "w"; die systematische Unterscheidung von vokalischem "u" und konsonantischem "v" sowie von halbvokalischem "j" ist neuzeitlich, obwohl die Formen bereits im Mittelalter vorkommen, aber im Lautwert noch nicht festgelegt sind.
Die Schreibung der am Anfang stehenden Maiuskelschriften (die Größe aller Buchstaben ist durch ein Zwei-Linien-Schema angebbar) erfolgte zunächst ohne Worttrennung, die systematisch erst mit der karolingischen Minuskel (Vier-Linien-Schema, d.h. Buchstaben können Ober- oder Unterlängen oder beides aufweisen) verbreitet wurde. 
Im Buchwesen wurden Tachygraphie und Spezialzeichen (z.B. Noten) verwendet. Mit den Nomina sacra wurde die Kontraktion zur Hauptform der mittelalterlichen und neuzeitlichen Abbreviaturen, da mit ihr Beginn und Endung eines Wortes wiedergegeben werden können. In spätmittelalterlich wissenschaftlichen Texten gibt es zahlreiche radikale und individuelle Kürzungen.
Buchstaben können aus starren Elementen (Bögen und Schäften) in der Kalligraphie statisch gebaut oder im flüssigen Duktus der Kursive durch Zusammenfassung der statischen Elemente , auch unter Änderung der Schreibrichtung, gezogen werden, wobei die Beschleunigung des Schreibtempos zur Verflachung von Kurven führt. Um 300 n.Chr. liegen die Buchstaben des Alphabets in ihren Grundformen fest, in der Folgezeit gibt es noch schreibtechnisch bedingte Veränderungen. Wandlungen und Neubildungen von Buchstabenformen erfolgen im Spannungsfeld von Kursive und Kalligraphie durch organischen, schrift- und materialgerechten Aufbau der funktionell zerlegten Buchstabenelemente. Dabei kann es vor allem zur Veränderung der Bewegungsrichtung kommen.
Hauptschriftart ist bis ins 5. Jahrhundert n.Chr. die Capitalis, daneben stehen als Gebrauchsschrift die Majuskelkursive, seit dem 3. Jahrhundert n.Chr. die Minuskelkursive. Unziale und Halbunziale lösen die Capitalis als Buchschrift ab, daneben entwickeln sich die Nationalschriften. Zur wichtigsten Form wird die Karolingische Minuskel, die gegen 1200 von der gotischen Minuskel verdrängt wird. Mit der Wiederaufnahme der Karolingischen Minuskel durch die Humanisten (Antiqua) und der Erfindung des Buchdrucks ist die Entwicklung der Lateinschrift im Wesentlichen abgeschlossen.

Nationalschriften

Auf Mabillon zurückgehende Sammelbezeichnung für regionale Schriftentwicklungen in den germanischen Reichen der Völkerwanderungszeit (gothica, langobardica, saxonica, francogallica), die von ihm noch als nationale Schriftprägungen angesehen, aber von Scipione Maffei (1675-1755) bereits als Fortentwicklung der römischen Schrift erkannt wurden.
Heute versteht man darunter neben den vorkarolingischen Minuskeln im fränkischen Reich die westgotische Schrift, die insularen Schriften, die Beneventana, die päpstliche Kurialschrift (eine Kursive), die langobardische Schrift und die merowingische Urkundenschrift, während die regularisierte Buchkursive meist nach den Zentren Luxueil und Corbie benannt wird.
Die karolingische Schriftreform überlebten die westgotische Schrift auf der Pyrenäenhalbinsel und in Südwestfrankreich bis etwa 1100 - bei den Christen unter muslimischer Herrschaft als mozarabische Schrift bezeichnet - , die Beneventana im langobardisch beherrschten Süditalien und in Dalmatien bis ins 14.Jahrhundert und die insularen (irische und angelsächsische) Schriften (6. bis 12. Jahrhundert, in Irland teilweise bis in die Neuzeit), deren Verwendung in kontinentalen Schreibschulen (Fulda, Würzburg) durch die karolingische Minuskel, wenn auch nicht schlagartig, beendet wurde.

Antiqua

Bezeichnung für die von den italienischen Humanisten nach Vorbildern in karolingischer Minuskel gestaltete humanistische Minuskel, die auch in das System der Druckschriften, zuerst 1456 von Sweynheim und Pannartz in Subiaco, übernommen wurde. Der Name geht darauf zurück, dass man seit Petrarca (1304 - 1374) die Schrift der Klassikerhandschrift der Karolingerzeit als antik ansah. Vollendete Antiqua unterscheidet sich von karolingischen Minuskel oft nur in der Anwendung des i- Punktes, Verwendung von rundem s und r in der Wortmitte oder durch konsonantisches v am Wortanfang. Als erster hat der Florentiner Staatskanzler Coluccio Salutati (1330 - 1406) mit der Schrifterneuerung experimentiert, zur Verbreitung hat vor allem Poggio Bracciolini (1380 - 1459) beigetragen. Auf Niccolò Niccoli (1364 -1437) geht eine kalligraphische kursive Variante zurück, die von Aldo Manuzio 1501 in den Buchdruck eingeführt wurde.

Bastarda

Bezeichnung für spätmittelalterliche gotische Schriften, die Merkmale verschiedener Schriftgenera, vor allem von Kursive und Textura, in sich vereinigen, neuerdings auch als Hybridschriften bezeichnet. Bekannteste Form ist die burgundische B., die im 15.Jahrhundert aus der frz. Kanzleikursive stilisiert wurde. Im frühen Buchdruck wurden B. für deutsche Texte verwendet.

Beneventana

Diese Schrift ist die erste, der durch den Traube - Schüler Lowe eine wissenschaftliche Monographie gewidmet wurde. Sie ist durch Ligaturen, Bogenverbindungen und vor allem die Brechung der Schäfte gekennzeichnet. Ein frühes Beispiel ist die Bamberger Cassiodor - Handschrift Patr. 61.

Buchschrift

Allgemeine Bezeichnung für die kalligraphisch geprägten Schriftarten, die in Handschriften Anwendung finden, wobei am Ende eines jeden Buchstabens das Schreibwerkzeug vom Beschreibstoff abgehoben wird. Im Gegensatz zu den kursiv beeinflussten, auf Schreibgeschwindigkeit hin ausgelegten Geschäfts- oder Urkundenschriften weist die Buchschrift ein schöneres Schriftbild und meist eine bessere Lesbarkeit auf . Allerdings ist im 6.Jahrhundert auch die Kursive vereinzelt als Buchschrift nachweisbar ( CLA 304, 324, 973).
Hauptarten sind Unziale, Halbunziale, Nationalschriften, präkarolingische und karolingische Minuskel, gotische und humanistische Minuskel. Als Gegensatz: Geschäftsschrift, Kanzleischrift, Urkundenschrift

Capitalis

Diese älteste Form der römischen Schrift ist zunächst nur epigraphisch nachweisbar (Als epigraphische Schrift behauptet sie sich bis zum Eindringen der gotischen Maiuskel, die durch unziale Formen (typisch das d, m und u ) gekennzeichnet ist, im Laufe des 12. Jahrhunderts). Als hauptsächliche Buchschrift im 5. Jahrhundert u.Z. von der Unziale verdrängt, als Auszeichnungschrift weiter gebräuchlich für Rubriken, Kapitelanfänge usw. Der Name Capitalis ist mittelalterlich und von capitulum abgeleitet. Die Capitalis quadrata, auch als monumentalis bezeichnet, weist statisch gebaute, in ein Quadrat einschreibbare Buchstaben auf. Die Capitalis rustica ist stärker kursiv beeinflusst und vor allem in Handschriften als eigentliche Buchschrift nachzuweisen (Vergilius Romanus, Vat.lat.3867). Unsere Großbuchstaben lassen sich weitgehend auf die Capitalis zurückführen.

Fraktur

Ursprünglich eine längliche Kanzleischrift der spätmittelalterlichen Reichskanzlei, in ähnlichen Formen auch in Böhmen und Nürnberg gebräuchlich. Vorformen der F. gebrauchte der Kanzleischreiber Wolfgang Spitzweg bereits in den Lehrbüchern für den späteren Kaiser Maximilian I., dessen von J. Schönsperger in Augsburg hergestellten Liebhaberdrucke, das Gebetbuch (1513) und der Theuerdank (1517), für dessen Typen der kaiserliche Sekretär Vincenz Rockner die Vorlage schrieb, für eine rasche Verbreitung der F. als Druckschrift sorgten. Als Druckschrift für dt. Texte war sie bis zur Abschaffung durch die Nationalsozialisten 1941 in Gebrauch, obwohl bereits zu Beginn des 20. Jahrhundert ein heftiger Streit zwischen Anhängern der F. und der Antiqua ausgebrochen war.

Geschäftsschrift

Sammelbezeichnung für Schriften meist kursiven Charakters, die für Aufzeichnungen aller Art von nicht berufsmäßigen Schreibern als Gebrauchsschrift benutzt wurden. Im engeren Sinne Bezeichnung für die von Geschäftsleuten benutzten Schriften, die seit dem späteren Mittelalter in größerem Umfang überliefert sind.

Gotische Schriften (gotische Minuskel)

Sammelbezeichnung für die aus der karolingischen Minuskel entwickelten Schriften des 12. bis 15. Jahrhundert, die Brechung, Bogenverbindungen und als kursives Element Mitschreiben der Luftlinien aufweisen. Dabei ist die Brechung, d.h. die Umgestaltung von Bögen in Winkel, in West- und Mitteleuropa meist stärker ausgeprägt als in italienischen Handschriften.
Während in Büchern die Minuskelschrift vorherrscht, geht im Bereich der Epigraphik eine gotische Maiuskel der Minuskel voraus.

Goticoantiqua

Mischformen zwischen gotischer Rotunda und humanistischer Schrift, die im 15. Jahrhundert zunächst in Italien geschrieben wurden, durch Studenten und Gelehrte aber auch in Deutschland Verbreitung fand und die Bastarda verdrängte. Zunächst auch in Wiegendrucken verwendet, wurde sie von dt. Buchdruckern in den 80er Jahren des 15. Jahrhundert für lateinische Texte durch die Rotunda ersetzt, für dt. Texte durch Bastarda.

Halbkursive

Kalligraphisch stilisierte Kursive unterschiedlicher Ausprägung, die in Italien, vor allem aber im Merowingerreich (Corbie, Luxeuil) im späten 7. und 8. Jahrhundert als Buchschrift geschrieben wurde und zu den Vorläuferschriften der karolingischen Minuskel gehört. In der älteren Literatur wird die H. auch als langobardische und merowingische Schrift bezeichnet, die jetzige Bezeichnung geht auf den Einfluss von L. Traube und seiner Schule zurück.

Halbunziale

Seit dem 6.Jahrhundert neben der Unziale als frühmittelalterliche Buchschrift überliefert, die zunächst vor allem für patristische und juristische Texte Anwendung fand. Durch Kalligraphisierung aus der jüngeren Kursive entwickelte Minuskelschrift, die im 5.Jahrhundert im christlichen Nordafrika entstanden ist. Ein frühes datiertes Beispiel ist der im Kreis exilierter Bischöfe aus Nordafrika in Cagliari 509/10 redigierte Hilarius-Codex (Arch. S. Pietro D.182). Bis ins 8. Jahrhundert weit verbreitet, wird Halbunziale im 9. Jahrhundert nur noch in einigen Schriftzentren wie Tours und den von dort beeinflussten Fulda, Salzburg und Freising als Auszeichnungsschrift weiter verwendet. Die Halbunziale ist die Grundlage für die karolingische Minuskel.

Kanzleischrift

Bezeichnung für die in Kanzleien (mlat. cancellaria), den Beurkundungsstellen von geistliche und weltliche Herrschern, Städten usw., angewandten kursiven oder kursiv beeinflußten Schriften für Urkunden und Aktenstücke. In ma. Tradition werden auch in der Neuzeit die Einleitungsteile graphisch hervorgehoben. In den für die Expedition bestimmten Stücken wird die Kanzleischrift stärker verschnörkelt als in den internen Schriftstücken.

Karolingische Minuskel

Bezeichnung für die im abendländischen Schriftwesen vom ausgehenden 8. bis ins 12. Jahrhundert vorherrschende Minuskelschrift, die um 1400 von den Humanisten (Antiqua) wieder aufgegriffen wurde und daher Grundlage der heutigen Schreib- und Druckschriften bildet. In verschiedenen Zentren des fränkischen Reiches (Corbie, Tours, Luxeuil, Laon) entstanden durch Kalligraphisierung der Kursive Minuskelschriften. Unter dem Einfluß der Hofschule kam es zu einer allmählichen Vereinheitlichung und Verbreitung der Formen: unziales a, g mit Köpfchen, Reduzierung von Ligaturen auf ct und st, die dennoch regionale und örtliche Stileigenheiten zulassen. Zunächst ist die karolingische Minuskel rechtsgeneigt, in der Spätphase ist sie aufgerichtet oder weist sogar Linksneigung auf. Sie verbreitet sich auch in den Missionsgebieten Ostmitteleuropas; in England und Süditalien wird sie im 11. Jahrhundert durch die normannischen Eroberer eingeführt, kann sich aber nicht sofort flächendeckend durchsetzen. Gleichzeitig wird auch die westgotische Schrift durch die K. verdrängt. Im Laufe des 12. Jahrhundert setzt die Entwicklung zur gotischen Minuskel ein, zunächst in Westeuropa.

Kurrentschrift (lat. currens "laufend")

Bezeichnung für eine zügig geschriebene Schrift kursiven Charakters ("Schreibschrift") im Gegensatz zur Druckschrift. Im engeren Sinn Bezeichnung für die bogenreiche Kanzleischrift des späten 15. und 16. Jahrhunderts, die lässig und rasch geschrieben wurde. Die Buchstaben eines Wortes wurden miteinander verbunden. Die deutsche Kurrentschrift ist eine Weiterentwicklung der gotischen Bastarda.

Kursive

Bezeichnung für Gebrauchsschriften, deren älteste Zeugnisse in den Inschriften von Pompei und auf zahlreichen Papyri überliefert sind. Die Kursive ist die Schrift des Alltags, die vor allem in Urkunden auftritt, in Büchern als Glossenschrift oder für Korrekturen. Vollständige Handschriften in Kursiven sind äußerst selten. Die Formen der Kursive entstehen aus den Buchstaben der Kapitalis, die durch die der Beschleunigung des Schreibens innewohnende Dynamik verändert werden. Wesentliche Elemente der römischen Kursiven sind Vereinfachung und andersartige Zusammenfassung der Bausteine der Einzelbuchstaben (Änderung der Schreibrichtung), Verbindung von Buchstaben ( Ligatur) und Mitschreiben der Luftlinien. Gegen Ende des 3. Jahrhundert kann man den Übergang von der älteren Majuskelkursiven zur Minuskelkursiven, der jüngeren römischen Kursive in den Papyri beobachten. Oberlängen haben die Buchstaben b, d, h, i und l ausgebildet, Unterlängen weisen g, p, q auf. Im 8.Jahrhundert werden die Kursive durch die karolingische Minuskel und ihre Gebrauchsformen verdrängt, zu erneuten kursiven Bildungen kommt es wieder im 13.Jahrhundert und Kursive hat sich bis in die Gegenwart im Schriftwesen behauptet. Sonderformen der Kursive sind die päpstliche Kurialschrift, die bis in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts in der Papstkanzlei in Gebrauch blieb, bei stadtrömischen Notaren sogar noch darüber hinaus, die Kurialschrift der süditalienischen Notare, die wegen Unleserlichkeit von Friedrich II. 1231 verboten wurde, sich aber noch bis ins 14. Jahrhundert hinein in Gebrauch hielt, sowie die litterae caelestes, die römisch-byzantinische Kaiserkursive, deren langgezogene Formen die Elongata, die urkundliche Auszeichnungsschrift seit der Karolingerzeit, beeinflusst haben dürfte.

Ligatur (Buchstabenverbindung)

Verbindung von zwei oder mehr Buchstaben, wobei i.d.R. Teile der Buchstaben zur Deckung gebracht werden. Die Grundform der Buchstaben kann zur Bildung der Ligatur auch verändert werden. Zunächst in der Spätantike am Zeilenende zum Randausgleich benutzt, in der Kursive und in späteren buchschriftlichen Alphabeten oft zur Beschleunigung der Schreibgeschwindigkeit dienend, wird sie in der einzelnen Schriftart nach bestimmten Regeln angewandt. Besonderer Ligaturenreichtum ist in epigraphischen Schriften festzustellen, wobei bisweilen sogar die Schriftrichtung umgekehrt werden kann. Aus den handschriftlichen Vorlagen auch in die Schriftsätze des Buchdrucks übernommen; im Dt. nur noch & in Verwendung, in anderen Sprachen æ, Ï. Auch ß ist ursprünglich eine Ligatur aus einem s in der Langform und einem Rund - s. sz ist eine völlig alhistorische, nur am Erscheinungsbild und nicht an der Genese orientierte Bezeichnung.

Rotunda

Bezeichnung für vorwiegend in Italien, besonders in Bologna (littera Bononiensis) verwendete Schriftvarianten der gotischen Minuskel, die seit dem Ende des 12. Jahrhunderts nachweisbar sind. Die in Frankreich und Deutschland, aber auch in der Beneventana übliche Brechung ist durch gerundete Formen ersetzt. In Deutschland wird sie erst im 15. Jahrhundert häufiger verwendet, ihre Formen wurden auch im Buchdruck übernommen. Die Bezeichnung Rotunda stammt aus der Terminologie der Schreibmeister.

Textura

Bezeichnung für die gotische Buchschrift, die durch Streckung und gerade Aufrichtung sowie Brechung der Schäfte, seit Anfang des 13.Jahrhundert auch durch die Bogenverbindung einander zugewandter Bögen (z.B. be) und den Anschluss des Rund-r aus der or-Ligatur an die Bogenbuchstaben b, d, h, p, v, y gekennzeichnet ist. Das geschlossen wirkende Schriftbild ist auch durch Haar- und Schattenstriche geprägt. Im 15. Jahrhundert wird die Textura vielfach durch Bastarda ersetzt, wozu auch die zunehmende Verwendung von Papier, das für das Schreiben von Textura weniger geeignet ist, beigetragen hat. Für liturgische Texte und Schulbücher wird Textura auch im Frühdruck verwendet.

Unziale

Aus Capitalis und Maiuskelkursive gebildete Maiuskelschrift, zu deren runden Formen der Beschreibstoff Pergament und die Einführung der Feder an Stelle des Rohrs beigetragen haben. Die von Hieronymus geprägte Bezeichnung litterae unciales wurde erst von Mabillon auf die jetzt Uniziale bezeichnete Schrift bezogen, die vom späten 4. bis ins 8. Jahrhundert hinein als Hauptschriftart für christliche Texte verwendet wurde. Sie dürfte im 2.Jahrhundert n.Chr. in Rom entstanden sein, früher nahm man Entstehung im christlichen Nordafrika im 4. Jahrhundert an. Die römische Uniziale wurde in England weiterentwickelt und durch die Missionare wieder bis nach Italien zurückgebracht.

Urkundenschrift

Für die Verwendung in Urkunden bestimmte Variante von Schriftarten, die vor allem kursive Elemente wegen der Beschleunigung der Schreibgeschwindigkeit, besonders betonte Ober- und Unterlängen und das diplomatische Kürzungszeichen aufweist. Zu den älteren Urkundenschriften gehören die litterae caelestes der byzantinischen Kaiserkanzlei, eine Abart der Minuskelkursive, und die diplomatische Minuskel, deren Entstehung mit dem Kanzler Ludwigs des Deutschen, Heberhard, in Verbindung gebracht wird. Aus dem späteren Mittelalter sind Schreibregeln für die Gestaltung von Urkunden z.B. aus der Papstkanzlei überliefert, die auch die sonstige graphische Ausstattung und ggfs. Regeln für Korrekturen enthalten, da Fehler die Rechtsgültigkeit eines Dokuments in Frage stellen konnten.