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Lagen

Eine Lage besteht aus mehreren Doppelblättern, die in der Mitte gefaltet und heftförmig ineinander gelegt sind. Nach dem Beschreiben werden sie in der Mitte mit Faden zusammengeheftet und in das Buch eingebunden. Um dem Buchbinder dabei zu helfen haben sich im Laufe der Zeit mehrere Systeme herausgebildet: die Lagenzählung, Reklamanten und die Lagenfoliierung.
Übliche Lagen sind:

  • Ein Binio besteht aus 2 Doppelblättern = 4 Einzelblätter = 8 Seiten.
  • Ein Ternio besteht aus 3 Doppelblättern = 6 Einzelblätter = 12 Seiten; Binio und Ternio  sind oft am Anfang und am Ende von Handschriften als Vorsatzblätter oder Registerteil zu finden.
  • Ein Quaternio besteht aus 4 Doppelblättern = 8 Einzelblätter = 16 Seiten; dies ist im Früh- und Hochmittelalter die häufigste Lagenform.
  • Ein Quinio besteht aus  5 Doppelblättern = 10 Einzelblätter = 20 Seiten.
  • Ein Sexternio oder Senio besteht aus 6 Doppelblättern = 12 Einzelblätter = 24 Seiten; diese Lagenform ist im 14. und 15. Jahrhundert und bei Papierhandschriften üblicher.
  • Dickere Lagen gibt es ebenfalls. Sie sind jedoch eher selten.

Lagenbestimmung

Die gebräuchlichste Art eine Lagenstruktur wiederzugeben ist die sogenannte Chroust´sche Lagenformel. Hierbei wird die Anzahl der Doppelblätter mit römischen, die der Einzelblätter mit arabischen Ziffern angegeben. In der Lage fehlende Blätter sind mit einem -, zusätzliche Blätter mit einem + bezeichnet. Mehrere gleichstarke Lagen werden zusammengefasst. Das letzte Blatt einer Lage kann mit der hochgestellten Blattzahl angegeben werden.
Ein Codex hat beispielsweise sieben Lagen: zuerst eine Sexternio, dann eine Quinio mit einem zusätzlichem Blatt, dann folgen fünf Doppelblätter, wobei aus dem letzten ein Blatt herausgeschnitten ist. Die Lagenformel dafür wäre:  VI12 + (VI-1)23 + 4xII39 + (II-1)42
Bei komplizierteren Fällen empfiehlt sich allerdings immer eine Grafik.

Lagenzählung

Die Lagenzählung sollte dem Buchbinder helfen die Lagen in der richtigen Reihenfolge zu binden.
In den Pergamentcodices des 11. bis 14. Jahrhunderts werden überwiegend große römische Ziffern auf der ersten und letzten Lagenseite verwendet. Meist stehen sie in der Mitte des Unterrandes, oft sind sie mit Punkten, Schnörkeln, etc. verziert. Sie werden auch Kustoden genannt.
Im Laufe des 14. und im 15. Jahrhunderts kommen auch arabische Ziffern in Gebrauch. Es gibt auch Vermischungen zwischen den beiden Formen.

Reklamanten

Die Reklamanten sollten dem Buchbinder helfen die Lagen in der richtigen Reihenfolge zu binden. Sie werden auch Wortreklamanten genannt.
Etwa im 12. Jahrhundert aufgekommen geben sie auf der letzten Lagenseite unten in der Mitte, später in der rechten Ecke, den Textanfang der nächsten Lage an.

Lagenfoliierung oder Lagensignatur

Die Lagenfoliierung oder Lagensignatur sollte dem Buchbinder ebenfalls helfen die Lagen in der richtigen Reihenfolge zu binden.
Die ersten Blätter bis zur Lagenmitte werden gezählt, die zweite Hälfte der Lage nach der Mitte blieb ungezählt. Die Zählung wiederholt sich bei jeder weiteren Lage.