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Buchformen

Die Bezeichnung Buch (vom urgerm. *bokiz, got. bokos, ahd. buoh = Tafeln aus Buchenholz) beschreibt zum einen ein literarisches Werk, das aus mehreren Kapiteln besteht. In der Spätantike war der Umfang eines Buches (lat. liber, griech. biblíon) durch die Kapazität einer Buchrolle, des sogenannten volumen bestimmt.
Zum anderen beschreibt die Bezeichnung Buch ein üblicherweise aus mehreren Lagen bestehendes, mit einem Einband versehenes Konvolut eines Beschreibstoffes, auf dem handschriftlich mit Schreibgeräten und Tinte oder Farbe oder in Buchdruck Texte eingetragen sind und das zum Lesen dieser Texte, zum Aufbewahren in Bibliotheken und natürlich auch als Handelsware geeignet ist.
Seit der Spätantike ist der Codex die übliche Form des Buches, die auch im Buchdruck übernommen wurde, der eine weitere Verbreitung von Büchern durch die Verringerung der Kosten wegen der vereinfachten Herstellung einer Vielzahl von Exemplaren ermöglichte.

Buchrolle

Die Buchrolle ist die durch den Beschreibstoff Papyrus bedingte ursprüngliche Form des handschriftlichen Buches (volumen) in der Antike und Spätantike, die aus einer Mehrzahl aneinandergeklebter Papyrusblätter bestand.
Die Anordnung von Schrift in Spalten findet sich zunächst auf der Papyrusrolle. Zwei Spalten pro Seite finden sich zwar schon in karolingischen Handschriften, regelmäßig gilt diese Anordnung in spätmittelalterlichen Handschriften, die bei normativen oder wissenschaftlichen Texten meist auch noch auf dem Rand durch Glossen oder Kommentare umrahmt werden.
Im Mittelalter war sie vor allem im liturgischen Bereich (Exultetrollen) und für die Aufzeichnung dramatischer Texte gebräuchlich, gelegentlich auch für Archivalien. Die Beschriftung erfolgte in der Antike wegen der Faserung des Beschreibstoffs parallel zu den Längsseiten, im Mittelalter auf Pergament parallel zu den Schmalseiten der Rolle. Bei den liturgischen Prunkrollen stehen die Miniaturen kopf; beim Abrollen über den Ambo konnte so der Diakon den Text lesen und vortragen, während die Gläubigen die zugehörige Illustration betrachten konnten.

Codex

Der Codex entspricht dem, was wir heute immer noch als "Buch" kennen.
In der Spätantike wurde das Vorbild der Wachstafelbücher (Polyptycha) zunächst auf den Beschreibstoff Papyrus übertragen, in Verbindung mit dem Pergament wurde der Codex (vom lat. caudex = Baumstamm, Holztafel) zur Hauptform des mittelalterlichen Buches, da im Gegensatz zur Buchrolle der Beschreibstoff zweiseitig genutzt werden konnte. 
Der Codex besteht aus mehreren durch ineinandergelegte Doppelblätter gebildeten Lagen, deren Umfang unterschiedlich sein kann. 
Die gehefteten Lagen wurden mit einem Einband versehen, meist lederbezogenen Holzdeckeln, die gegen Ende des Mittelalters durch pergamentbezogene Pappdeckel verdrängt wurden. Im Frühmittelalter wurden öfter Elfenbeintäfelchen für den Einbandschmuck verwendet, auch Verzierungen mit Goldschmiedearbeiten und Edelsteinen kommen bei Prachthandschriften vor.
Die Verwendung von Papier führte zu einer größeren Gleichmäßigkeit der Codexformate gegenüber den natürlich bedingten Unregelmäßigkeiten bei der Pergamentgewinnung.

Herstellung eines Codex

In den Illustrationen der Handschrift De officiis ministrorum von Ambrosius (Michelsberg bei Bamberg, 12. Jahrhundert) werden die einzelnen Schritte zur Fertigung eines Buches genau dargestellt.

Ein Mönch schreibt das Konzept auf einer Wachstafel nieder. Ein Mönch bearbeitet eine aufgespannte Tierhaut mit einem Schabeisen, um Pergament herzustellen.
Die Pergamentblätter werden alle auf dieselbe Größe zurechtgeschnitten. Ein Mönch falzt die Pergamentseiten und legt sie zu Lagen zusammen.
Der Schreiber prüft den Federkiel, den er mit einem Messer angespitzt hat. Die beschriebenen Blätter werden von einem Mönch in die Buchlade geheftet.
Ein Mönch fertigt die Buchdeckel mit einer kleinen Axt aus Holz. Auf einem kleinen Amboss stellt ein Mönch die Beschläge und Schließen für den Einband her.
Ein Mönch präsentiert das fertige Buch.

Handschrift

Zum einen beschreibt der Begriff Handschrift eine mit der Hand geschriebene und nicht technisch-mechanisch erzeugte Schrift, die in der Regel einen individuellen Charakter aufweist. Zum anderen ist es die Bezeichnung für mit der Hand geschriebene Bücher. Früh- und hochmittelalterliche Handschriften sind meist auf Pergament geschrieben, im Spätmittelalter werden Papierhandschriften zunehmend zur Regel.
Die älteste Papierhandschrift in deutschen Bibliotheken ist das 1246/47 in Lyon entstandene Briefbuch des Albert Behaim (clm 2574b). In Handschriften liegen die wichtigsten Überlieferungsträger der antiken und mittelalterlichen Literatur vor. Handschriften sind immer Unikate, obwohl bei Exemplaren gleicher Herkunft, die also aus den gleichen Skriptorien stammen, Schrift, Ausstattung und vielfach auch der Einband eine große Ähnlichkeit erkennen lassen. Eine gleichzeitige Herstellung von mehreren Exemplaren erfolgte durch Einsatz mehrerer Schreiber, denen der Text diktiert wurde.
Eine größere Produktion ist im frühmittelalterlichen Rom, im Umkreis der Universitäten und seit dem 14. Jahrhundert bei handwerklichen bürgerlichen Lohnschreibern zu beobachten. Handschriften konnten wundervolle und reich ausgestattete Prunkanfertigungen sein, für den alltäglichen Gebrauch wurde allerdings ein geringerer Aufwand betrieben.
In Gebrauchshandschriften sind regelmäßig Spuren der Benutzung zu beobachten: Kommentare, Glossen, Hinweise auf Wichtiges, Markierungen, Rubrizellen (Indices), Verbesserungen und Nachträge.
Inhaltlich bieten die Handschriften ein vielfältiges Bild.
Der Kauf, Verkauf, Tausch, Leihverkehr und Diebstahl von Handschriften sind auch im Mittelalter nachweisbar. Handschriften waren sehr teure und wertvolle Besitztümer. Spannend ist, dass aus der Übergangszeit zum Druck selbst von Druckschriften Kopien in Handschriften vorliegen. Vermutlich waren also vorhandene Schreiber in einem Scriptorium preiswerter als einen Druck ein zweites Mal zu kaufen.
In den heutigen Bibliotheken werden Handschriften üblicherweise in eigenen Abteilungen mit besonderen Benutzungsbedingungen und Sicherheitsvorkehrungen aufbewahrt, weil die Handschriften ob ihres Alters eine besondere Hege, Pflege und Aufmerksamkeit brauchen und weil sie oftmals einen erheblichen Wert besitzen. Zu den bedeutenden und umfangreichen europäischen Sammlungen zählen vor allem die Vatikanische Bibliothek, die Bibliothèque Nationale de France in Paris, die österreichische Nationalbibliothek in Wien, die Bayerische Staatsbibliothek in München, die Bodleian Library in Oxford, die British Library in London, die Bibliothèque Royale de Belgique in Brüssel, die Universitätsbibliothek Leiden, die Universitätsbibliothek Utrecht, die Biblioteca Ambrosiana in Mailand und die Staatsbibliothek zu Berlin.

Inkunabel oder Wiegendruck

Die Inkunabel ist ein in der Zeit zwischen der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg 1445 und dem Jahre 1500 gedrucktes Buch. Von den rund 40.000 bekannten Schriften sind ca. 10.000 Flugblätter und Einblattdrucke. Die Gesamtzahl der erhaltenen Kopien beträgt über eine halbe Million. Die durchschnittliche Auflagenhöhe wird mit 200 Exemplaren pro Schrift angesetzt. 
Die Mehrzahl der bekannten und lokalisierbaren Inkunabeln sind in Deutschland, Italien und Frankreich entstanden. Ein Kolophon am Ende des Druckes mit Angaben über Autor, Ort und Zeit des Druckes sowie den Drucker findet sich seit 1457, Titelblätter seit 1465. Seit etwa 1480 werden die Lagen mit Signaturen bezeichnet, die aus der Lagebezeichnung und der Blattzählung bestehen.
Die Überschriften und Initialen wurden oft durch einen Rubrikator farbig hervorgehoben, in manchen Exemplaren ist deren Ausführung unterblieben. Seit 1470 nimmt auch die Illustration durch Holzschnitte stark zu, da Bilder für den geschäftlichen Erfolg wichtig sein konnten.
Ein zwischen 1500 und 1520 gedrucktes Buch wird Postinkunabel genannt. Für nach 1500 gedruckte Bücher wird die Bezeichnung Frühdrucke verwendet.