Handschrift
Zum einen beschreibt der Begriff Handschrift eine mit der Hand geschriebene
und nicht technisch-mechanisch erzeugte Schrift, die in der Regel einen individuellen Charakter aufweist.
Zum anderen ist es die Bezeichnung für mit der Hand geschriebene Bücher. Früh- und
hochmittelalterliche Handschriften sind meist auf Pergament geschrieben, im Spätmittelalter
werden Papierhandschriften zunehmend zur Regel.
Die älteste
Papierhandschrift in deutschen Bibliotheken ist das 1246/47 in Lyon entstandene
Briefbuch des Albert Behaim (clm 2574b). In Handschriften liegen die wichtigsten
Überlieferungsträger der antiken und mittelalterlichen Literatur vor.
Handschriften sind immer Unikate, obwohl bei Exemplaren gleicher Herkunft,
die also aus den gleichen Skriptorien stammen, Schrift, Ausstattung und vielfach auch der Einband
eine große Ähnlichkeit erkennen lassen. Eine gleichzeitige Herstellung von
mehreren Exemplaren erfolgte durch Einsatz mehrerer Schreiber, denen der Text diktiert wurde.
Eine größere Produktion ist im frühmittelalterlichen Rom, im Umkreis der Universitäten und
seit dem 14. Jahrhundert bei handwerklichen bürgerlichen Lohnschreibern zu beobachten.
Handschriften konnten wundervolle und reich ausgestattete Prunkanfertigungen sein, für den alltäglichen Gebrauch
wurde allerdings ein geringerer Aufwand betrieben.
In Gebrauchshandschriften sind regelmäßig Spuren der Benutzung zu
beobachten: Kommentare, Glossen, Hinweise
auf Wichtiges, Markierungen, Rubrizellen (Indices), Verbesserungen und Nachträge.
Inhaltlich bieten die Handschriften ein vielfältiges Bild.
Der Kauf, Verkauf, Tausch, Leihverkehr und Diebstahl von Handschriften sind auch im
Mittelalter nachweisbar. Handschriften waren sehr teure und wertvolle
Besitztümer. Spannend ist, dass aus der Übergangszeit zum Druck selbst von Druckschriften Kopien in Handschriften
vorliegen. Vermutlich waren also vorhandene Schreiber in einem Scriptorium
preiswerter als einen Druck ein zweites Mal zu kaufen.
In den heutigen Bibliotheken werden Handschriften üblicherweise in eigenen Abteilungen mit besonderen
Benutzungsbedingungen und Sicherheitsvorkehrungen aufbewahrt, weil die Handschriften ob ihres Alters eine besondere Hege,
Pflege und
Aufmerksamkeit brauchen und weil sie oftmals einen erheblichen Wert besitzen. Zu den bedeutenden und umfangreichen europäischen Sammlungen zählen
vor allem die Vatikanische
Bibliothek, die Bibliothèque Nationale
de France in Paris, die österreichische Nationalbibliothek in Wien,
die Bayerische Staatsbibliothek in München,
die Bodleian Library in Oxford,
die British Library in London,
die Bibliothèque Royale de
Belgique in Brüssel, die Universitätsbibliothek
Leiden, die Universitätsbibliothek
Utrecht, die Biblioteca Ambrosiana in Mailand und
die Staatsbibliothek
zu Berlin.
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Inkunabel oder Wiegendruck
Die Inkunabel ist ein in der Zeit zwischen der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Gutenberg 1445 und dem Jahre 1500 gedrucktes Buch. Von den rund 40.000 bekannten Schriften sind ca. 10.000 Flugblätter und Einblattdrucke. Die Gesamtzahl der erhaltenen Kopien beträgt über eine halbe Million. Die durchschnittliche Auflagenhöhe wird mit 200 Exemplaren pro Schrift angesetzt.
Die Mehrzahl der bekannten und lokalisierbaren Inkunabeln sind in Deutschland, Italien und Frankreich entstanden. Ein Kolophon am Ende des Druckes mit Angaben über Autor, Ort und Zeit des Druckes sowie den Drucker findet sich seit 1457, Titelblätter seit 1465. Seit etwa 1480 werden die Lagen mit Signaturen bezeichnet, die aus der Lagebezeichnung und der Blattzählung bestehen.
Die Überschriften und Initialen wurden oft durch einen Rubrikator farbig hervorgehoben, in manchen Exemplaren ist deren Ausführung unterblieben. Seit 1470 nimmt auch die Illustration durch Holzschnitte stark zu,
da Bilder für den geschäftlichen Erfolg wichtig sein konnten.
Ein zwischen 1500 und 1520 gedrucktes Buch wird Postinkunabel genannt.
Für nach 1500 gedruckte Bücher wird die Bezeichnung Frühdrucke verwendet.
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