www.Kulturschnitte.de
BeschreibstoffeAls Beschreibstoff werden verschiedene Materialien bezeichnet, auf denen man mit
Hilfe eines Schreibgeräts und Tinte
und Farbe das Geschriebene sichtbar
gemacht werden kann. Beschreibstoffe werden daher auch als Schriftträger
bezeichnet. |
antike BeschreibstoffeSeltener als Papyrus, Pergament und Papier sind Tontafeln, Wachstafeln, Kerbhölzer und Metalltafeln überliefert.
Eine Tontafel, wie diese neuassyrischen Keilschrifttafel, die auf das 7. Jahrhundert v.u.Z. datiert wird.
Tontafeln wurden ursprünglich in Mesopotamien genutzt. Sie stellen das älteste dauerhafte
Schriftmedium in der Kulturgeschichte dar.
Eine Wachstafel, wie es sie bei Skriptorium zu kaufen gibt. Wachstafeln sind mit dünnem Wachs bestrichene Holztafeln, in deren Auflage die Schrift mit einem Griffel eingeritzt wird. Sie waren in der Antike beliebt, denn durch Glätten des Wachses konnten sie wieder verwendet werden. Daher wurden sie häufig auch von Schülern zum Erlernen des Schreibens benutzt. |
PapyrusAls Beschreibstoff wurde in der Antike vor allem der aus Pflanzenfasern hergestellte Papyrus verwendet. Die Papyruspflanze ist eine hanfähnliche mannshohe Staude, die im Nildelta und in Sizilien wächst. Aus ihren faserigen Stängeln werden etwa fingerbreite Streifen geschnitten, die dann kreuzweise übereinander gelegt und gepresst werden. Durch den austretenden Pflanzensaft verkleben die Streifen zu einem Blatt.
Ein blankes Papyrusblatt - Man erkennt klar die Struktur der Fasern. Für die Herstellung von für Papyrii typischen Buchrollen wurden einzelne Blätter aneinander gelegt und durch erneutes Pressen mit Papyrusmark aneinandergeleimt. Die so entstandenen Buchrollen können bis zu einem halben Meter hoch und mehrere Meter lang sein.
Das Papyrus Ebers der Universität Leipzig, das auf letztes Viertel des 16. Jahrhunderts v.u.Z. datiert wird, ist 18,63 Meter lang und behandelt medizinische Themen.
Da Papyrus sich nicht ohne Schäden falten lässt, war es für die Herstellung eines Buches in Codexform nicht geeignet
und wurde ab dem 4. Jahrhundert vom Pergament aus der Buchproduktion verdrängt.
Es blieb aber weiter für Urkunden in Gebrauch; in der Kanzlei des Pontifex wurde bis ins frühe 11.
Jahrhundert Papyrus verwendet. |
PergamentDer verbreitetste Beschreibstoff des Mittelalters ist Pergament. Bis zum Ende des 13.
Jahrhunderts, praktisch aber bis in die 20er Jahre des 14. Jahrhundert ist es
der einzige Beschreibstoff im deutschen Raum.
Im 14. Jahrhundert ist Pergament durchaus noch in Gebrauch, wird aber zunehmend von Papier verdrängt.
Ein Mönch bei dem Schaben der gespannten Tierhaut auf einer Miniatur aus De officiis ministrorum von Ambrosius (Michelsberg bei Bamberg, 12. Jahrhundert). Dadurch lässt sich mit einem halbmondförmigen Schabeisen (rasoria, novacula oder lunellarium) die oberste Schicht der Haut, das Unterhautbindegewebe, die Oberhaut und die Haare leichter entfernen. Zur Beseitigung noch vorhandener Fettreste wird die Haut erneut gewässert und mit fettlösenden Materialien (Asche, feuchtem gelöschtem Kalk oder dergleichen) behandelt. Danach wird sie nass in einen Rahmen gespannt und unter großer Spannung an der Luft getrocknet wird. Dabei richten sich die Fasern aus und verleihen dem Pergament seine typische Steifigkeit.
Ein zum Trocknen aufgespanntes Stück Pergament. Zum Ende ist die Weiterbehandlung je nach Gegend, Zeit und angestrebter Qualität verschieden, meist werden jedoch Stellen mit Äderungen oder Fettspuren mit Bimsstein
(pumex) und Kreide (creta) abgeschliffen.
Um eine höhere Qualität zu erreichen wird das Pergament abschließend noch
einmal mit Kalk und Leim behandelt.
Ein beschriebenes Stück Pergament: Die Seite 7r der Heidelberger Sachsenspiegel der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 164).
Man kann davon ausgehen, dass ein gut organisiertes Skriptorium neben seinen
Tinten und Farben auch sein Pergament selbst herstellte und vorbereitete und somit alle Arbeitsgänge
in einem Hause
durchgeführt wurden. |
PalimpsestDurch die Wiederverwendung des teuren Rohstoffes kam es zu Palimpsests. Dabei
wurde der ältere, als nicht mehr aktuell, lesenswert und bewahrungswürdig angesehene Text entfernt,
indem die Schrift abgewaschen,
ausradiert, abgeschabt und neu geglättet wurde, und ein neuer, aktueller Text
auf die so entstandene Leerstelle geschrieben.
Das berühmteste Beispiel ist ein 1819 von Angelo Mai in der Vatikanischen Bibliothek aufgefundenes Palimpsest, dessen ursprünglicher Text die einzige Überlieferung von Ciceros De re publica mit der Psalmauslegung des Augustinus überschrieben worden ist. Nicht mehr gebrauchte Pergamentblätter fanden nicht nur als Palimpsest wieder Verwendung, sondern wurden auch für die Streifen zum Anhängen der Siegel wiederverwendet und makuliert und für Buchbindearbeiten verwendet; größere Stücke konnten auch als Bezug für den Einbanddeckel benutzt werden. |
PapierDas Papier stammt ursprünglich aus dem Orient. Im chinesischen Ley Yang ist
bereits um 105 eine Papiermühle belegt. Über die Seidenstrasse (In Sarmakand
ist für das Jahr 751 eine Papiermühle belegt.) kommt die Erfindung des Papiers
in die arabische Welt. Von dort gelangt sie ins europäische Abendland - zunächst
in den mediterranen
Raum. In Troyes wird 1338 eine Papiermühle errichtet.
In Deutschland werden Papiermühlen erst gegen Ende des 14. Jahrhundert
errichtet; 1390 wird die erste Papiermühle auf deutschem Boden von Ulman Stromer
in Nürnberg errichtet.
Ein Holländer, wie es sie im Deutschen Museum zu sehen gibt. Aus diesem wässrigen Brei wird dann mit einem flachen, rechteckigen Schöpfsieb, das sehr feinmaschig in China mit Bambusfäden oder in Europa und im vorderen Orient mit Bronzedrähten bespannt und aus Kupfer ist, vom Schöpfer das Papier geschöpft. Das Schöpfsieb zeichnet sich durch einen abnehmbaren Rand, den Deckel aus.
Schöpfrahmen, wie es sie hier bei der Werksiedlung Kandern zu kaufen gibt. Die Größe des Papierbogens
wird von der Größe des Siebes bestimmt. Der Bottich, in dem sich der dünne
Papierbrei befindet, wird Bütte genannt. Daher stammt auch der Ausdruck
Büttenpapier.
Ein Schöpfer an der Bütte mit Sieb in der Hand; Wenn das Papier abgegautscht ist, kommt
wieder eine Lage Filz, dann wieder ein Blatt Papier und so weiter. Dieser Stapel
aus abwechselnd Papier und Filz wird dann gepresst, so dass das Filz schon
möglichst viel Feuchtigkeit aufgesaugen kann. Danach werden die Bögen in großen trockenen Räumen,
meist auf Speichern und Dachböden, zum Trocknen aufgehängt. |
WasserzeichenDie Form der Drähte des Siebs ist im Papier sichtbar; deshalb kann durch besonders geformte Drähte beim Schöpfen des Papiers ein Wasserzeichen angebracht werden. Diese sogenannten Wasserzeichen sind schon etwa seit dem Jahre 1300 in Gebrauch. Sie sind vor allem als Fabrikmarken gebraucht worden und bieten daher heute eine große Hilfe bei der Lokalisierung der Papierquelle. Anhand der Wasserzeichen kann man Herkunft und Alter des Papiers bestimmen - natürlich nur, wenn bereits genügend Vergleichsmaterial vorhanden ist.
Hier kann man schön die Papierstruktur erkennen: Die senkrechten Linien sind die Abdrücke der "Kettdrähte" des Siebs, daran laufen auch die Abdrücke des Drahts des Wasserzeichens, in diesem Fall in Form einer heraldischen Lilie. Besonders beliebte Motive bei Wasserzeichen sind Kronen, Anker, Ochsenköpfe, der Buchstabe P (für Papier), Lilien oder andere Blumen, Wappen und Fabeltiere. |