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Beschreibstoffe

Als Beschreibstoff werden verschiedene Materialien bezeichnet, auf denen man mit Hilfe eines Schreibgeräts und Tinte und Farbe das Geschriebene sichtbar gemacht werden kann. Beschreibstoffe werden daher auch als Schriftträger bezeichnet.
Zu den häufig verwendeten und oft erhaltenen Beschreibstoffen gehören Papyrus, Pergament und Papier. Geschrieben wurde jedoch auch auf Tontafeln, Wachstafeln, Kerbhölzer, Holz- oder Birkenrindeblätter, Leder und Metalltafeln. Bücher und Urkunden des Mittelalters sowie andere schriftliche Aufzeichnungen können auf verschiedenen Materialien geschrieben sein, auch wenn das Pergament für über acht Jahrhunderte fast eine Art Monopolstellung einnahm.
Das Beschreiben von Ton- und Wachstafeln geschah durch Einritzen mit dem Griffel, auf dem Kerbholz durch Einschneiden mit dem Messer, auf Papyrus, Pergament und Papier durch Auftragen von Tinte mit Schreibrohr, Feder oder auch Pinsel. Schreiber werden seit der Antike mit Attributen ihrer Kunst, also Schreibgeräten und Beschreibstoffen, abgebildet.

antike Beschreibstoffe

Seltener als Papyrus, Pergament und Papier sind Tontafeln, Wachstafeln, Kerbhölzer und Metalltafeln überliefert.

Eine Tontafel, wie diese neuassyrischen Keilschrifttafel, die auf das 7. Jahrhundert v.u.Z. datiert wird.

Tontafeln wurden ursprünglich in Mesopotamien genutzt. Sie stellen das älteste dauerhafte Schriftmedium in der Kulturgeschichte dar.
Eine Tontafel besteht aus ungebranntem, geglättetem Ton oder Lehm, in den mit einem Griffel Schrift eingeritzt oder eingedrückt wird und die danach in der Sonne aushärtet. Die eingravierte Schrift kann durch Abschaben entfernt oder korrigiert werden. Brennen macht die Tontafel dauerhaft haltbar.
Durch besondere Handhabung des Griffels als Stempelkeil, entstand die Keilschrift.

Eine Wachstafel, wie es sie bei Skriptorium zu kaufen gibt.

Wachstafeln sind mit dünnem Wachs bestrichene Holztafeln, in deren Auflage die Schrift mit einem Griffel eingeritzt wird. Sie waren in der Antike beliebt, denn durch Glätten des Wachses konnten sie wieder verwendet werden. Daher wurden sie häufig auch von Schülern zum Erlernen des Schreibens benutzt. 

Papyrus

Als Beschreibstoff wurde in der Antike vor allem der aus Pflanzenfasern hergestellte Papyrus verwendet. Die Papyruspflanze ist eine hanfähnliche mannshohe Staude, die im Nildelta und in Sizilien wächst. Aus ihren faserigen Stängeln werden etwa fingerbreite Streifen geschnitten, die dann kreuzweise übereinander gelegt und gepresst werden. Durch den austretenden Pflanzensaft verkleben die Streifen zu einem Blatt.

Ein blankes Papyrusblatt - Man erkennt klar die Struktur der Fasern.

Für die Herstellung von für Papyrii typischen Buchrollen wurden einzelne Blätter aneinander gelegt und durch erneutes Pressen mit Papyrusmark aneinandergeleimt. Die so entstandenen Buchrollen können bis zu einem halben Meter hoch und mehrere Meter lang sein.

Das Papyrus Ebers der Universität Leipzig, das auf letztes Viertel des 16. Jahrhunderts v.u.Z. datiert wird, ist 18,63 Meter lang und behandelt medizinische Themen.

Da Papyrus sich nicht ohne Schäden falten lässt, war es für die Herstellung eines Buches in Codexform nicht geeignet und wurde ab dem 4. Jahrhundert vom Pergament aus der Buchproduktion verdrängt. Es blieb aber weiter für Urkunden in Gebrauch; in der Kanzlei des Pontifex wurde bis ins frühe 11. Jahrhundert Papyrus verwendet.
Literarische Texte wurden in Spalten, die parallel zur kurzen Kante verliefen, geschrieben; Urkunden wurden hingegen als durchgehender Text, also auf einem hochkant gelegten rechteckigen Blatt, geschrieben.
Gewöhnlich wurde nur eine Seite des Papyrus beschrieben; beidseitig beschriebenes Papyrus, der sogenannte Opistograph, ist selten überliefert. Nicht mehr gebrauchte Papyrusblätter wurden als Palimpsest wiederverwendet.

Pergament

Der verbreitetste Beschreibstoff des Mittelalters ist Pergament. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts, praktisch aber bis in die 20er Jahre des 14. Jahrhundert ist es der einzige Beschreibstoff im deutschen Raum. Im 14. Jahrhundert ist Pergament durchaus noch in Gebrauch, wird aber zunehmend von Papier verdrängt.
Die aufwendige und teure Herstellung von Pergament ist seit 200 v.u.Z. bekannt und wurde in Ägypten entwickelt. Im Gegensatz zum Leder wird Pergament nicht gegerbt und bleibt dadurch durchscheinend. Das Grundmaterial für Pergament ist Tierhaut, vor allem Schaf, Ziege und Kalb. Die Haut wird abgeschabt und dann etwa drei bis sechs Wochen in starker Kalklauge (Calciumhydroxyd) gebeizt.

Ein Mönch bei dem Schaben der gespannten Tierhaut auf einer Miniatur aus De officiis ministrorum von Ambrosius (Michelsberg bei Bamberg, 12. Jahrhundert).

Dadurch lässt sich mit einem halbmondförmigen Schabeisen (rasoria, novacula oder lunellarium) die oberste Schicht der Haut, das Unterhautbindegewebe, die Oberhaut und die Haare leichter entfernen. Zur Beseitigung noch vorhandener Fettreste wird die Haut erneut gewässert und mit fettlösenden Materialien (Asche, feuchtem gelöschtem Kalk oder dergleichen) behandelt. Danach wird sie nass in einen Rahmen gespannt und unter großer Spannung an der Luft getrocknet wird. Dabei richten sich die Fasern aus und verleihen dem Pergament seine typische Steifigkeit.

Ein zum Trocknen aufgespanntes Stück Pergament.

Zum Ende ist die Weiterbehandlung je nach Gegend, Zeit und angestrebter Qualität verschieden, meist werden jedoch Stellen mit Äderungen oder Fettspuren mit Bimsstein (pumex) und Kreide (creta) abgeschliffen. Um eine höhere Qualität zu erreichen wird das Pergament abschließend noch einmal mit Kalk und Leim behandelt.
Die maximale Größe eines Pergamentblattes richtet sich nach der Größe des verwendeten Tieres. Am häufigsten wurde Schaf-, Ziegen-, Kalbhaut verwendet; es gibt aber auch Pergament aus Kuh- oder Pferdehaut. Anhand der charakteristischen Muster der Haarkanäle lässt sich unter dem Mikroskop das Pergament der entsprechenden Tierart zuordnen.
Im frühen Mittelalter gibt es deutliche Unterschiede zwischen südlichem, aus Italien, Spanien, Südfrankreich stammenden, und nördlichem, aus Nordfrankreich, England, Deutschland stammenden, Pergament: Das nördliche Pergament ist auf der Fleischseite sorgfältiger bearbeitet, die Haarseite ist jedoch unregelmäßiger und dunkler. Das nördliche Pergament ist überwiegend Kalbspergament, das auf beiden Seiten gleichmäßig behandelt werden muss. Im späten Mittelalter verwischen diese Unterschiede.
Große Unterschiede gibt es auch zwischen insularem und kontinentalem Pergament: Letzteres ist eher glatt. Die Iren und Angelsachsen haben ihr Kalbspergament hingegen beidseitig mit Bimsstein derart aufgeraut, dass die ursprünglich verschiedenartigen Oberflächen ganz oder größtenteils ununterscheidbar wurden. Dieses Pergament eignet sich - aufgrund der Erhöhung der für die Buchmalerei wichtigen Undurchsichtigkeit - besser als Malgrund von Buchmalerei und wurde daher bei illuminierten Prachthandschriften auf hohem Anspruchsniveau für die Miniaturen verwendet; reine Textblätter bestanden aus dünnerem Material wie Schafspergament.

Ein beschriebenes Stück Pergament: Die Seite 7r der Heidelberger Sachsenspiegel der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 164).

Man kann davon ausgehen, dass ein gut organisiertes Skriptorium neben seinen Tinten und Farben auch sein Pergament selbst herstellte und vorbereitete und somit alle Arbeitsgänge in einem Hause durchgeführt wurden.
Für Prunkhandschriften wurde purpurnes Pergament, das vollständig in Purpurfarbe getränkt war, verwendet; in seltenen Fällen wurde es auch für ganz besondere Urkunden benutzt. In Italien wurde das Pergament im späteren Mittelalter kalziniert, also mit einem Kreideaufguss weiß eingefärbt.
Das Pergament gab es in verschiedenen Formaten.

Palimpsest

Durch die Wiederverwendung des teuren Rohstoffes kam es zu Palimpsests. Dabei wurde der ältere, als nicht mehr aktuell, lesenswert und bewahrungswürdig angesehene Text entfernt, indem die Schrift abgewaschen, ausradiert, abgeschabt und neu geglättet wurde, und ein neuer, aktueller Text auf die so entstandene Leerstelle geschrieben.
Die noch im 19. Jahrhundert übliche chemische Behandlung zur Sichtbarmachung der älteren Schrift führte bisweilen zu Folgeschäden, daher werden heute üblicherweise weniger aggressive Verfahren, wie zum Beispiel Quarzlampen, UV- Photographie und digitale Bearbeitung, eingesetzt, um die älteren Texte wieder sichtbar zu machen.

Das berühmteste Beispiel ist ein 1819 von Angelo Mai in der Vatikanischen Bibliothek aufgefundenes Palimpsest, dessen ursprünglicher Text die einzige Überlieferung von Ciceros De re publica mit der Psalmauslegung des Augustinus überschrieben worden ist.

Nicht mehr gebrauchte Pergamentblätter fanden nicht nur als Palimpsest wieder Verwendung, sondern wurden auch für die Streifen zum Anhängen der Siegel wiederverwendet und makuliert und für Buchbindearbeiten verwendet; größere Stücke konnten auch als Bezug für den Einbanddeckel benutzt werden.

Papier

Das Papier stammt ursprünglich aus dem Orient. Im chinesischen Ley Yang ist bereits um 105 eine Papiermühle belegt. Über die Seidenstrasse (In Sarmakand ist für das Jahr 751 eine Papiermühle belegt.) kommt die Erfindung des Papiers in die arabische Welt. Von dort gelangt sie ins europäische Abendland - zunächst in den mediterranen Raum. In Troyes wird 1338 eine Papiermühle errichtet. In Deutschland werden Papiermühlen erst gegen Ende des 14. Jahrhundert errichtet; 1390 wird die erste Papiermühle auf deutschem Boden von Ulman Stromer in Nürnberg errichtet.
Die Verwendung von Papier beim Schreiben von Büchern setzt sich allerdings nur sehr langsam durch, was auch mit den anfangs relativ hohen Preisen und der Schwierigkeit der Beschaffung zusammenhängen mag. Mit der Ausweitung der Produktion sinken die Preise. Papier wird konkurrenzfähig und verdrängt allmählich das Pergament. Zu diesem Verdrängungsprozess trägt schließlich auch der Buchdruck bei.
Als Rohmaterial für das Papier dienen in Europa hauptsächlich Hadern (Lumpen), Flachs, Papierreste und später auch Baumwolle. Diese Grundmaterialien werden ein paar Tage in Wasser und Kalklauge eingeweicht und dann zerstampft und zermahlen. Oft wurde diese Arbeit von wind- oder wassergetriebene Mahlwerken verrichtet. So kommt auch der Namen Papiermühle zustande. Später wurden sehr viel kräftigere "Stampfmaschinen", die sogenannten Holländer, entwickelt; sie konnten sogar alte Seile, Schiffstaue und Fischernetze verwerten.

Ein Holländer, wie es sie im Deutschen Museum zu sehen gibt.

Aus diesem wässrigen Brei wird dann mit einem flachen, rechteckigen Schöpfsieb, das sehr feinmaschig in China mit Bambusfäden oder in Europa und im vorderen Orient mit Bronzedrähten bespannt und aus Kupfer ist, vom Schöpfer das Papier geschöpft. Das Schöpfsieb zeichnet sich durch einen abnehmbaren Rand, den Deckel aus.

Schöpfrahmen, wie es sie hier bei der Werksiedlung Kandern zu kaufen gibt.

Die Größe des Papierbogens wird von der Größe des Siebes bestimmt. Der Bottich, in dem sich der dünne Papierbrei befindet, wird Bütte genannt. Daher stammt auch der Ausdruck Büttenpapier.
Der sogenannte Gautscher gautscht das Blatt ab, das heißt er drückt den frischen Bogen vom Sieb auf ein langes Stück Filz ab, während der Schöpfer schon den nächsten Bogen schöpft; es sind also immer zwei Siebe im Einsatz.

Ein Schöpfer an der Bütte mit Sieb in der Hand;
und ein Gautscher, der im Vordergrund das Papier auf dem Filz gautscht.

Wenn das Papier abgegautscht ist, kommt wieder eine Lage Filz, dann wieder ein Blatt Papier und so weiter. Dieser Stapel aus abwechselnd Papier und Filz wird dann gepresst, so dass das Filz schon möglichst viel Feuchtigkeit aufgesaugen kann. Danach werden die Bögen in großen trockenen Räumen, meist auf Speichern und Dachböden, zum Trocknen aufgehängt. 
Anschließend wird das Papier nochmals in einer Presse geglättet. Wenn es sich um Schreibpapier handelt, wird es zusätzlich geleimt. Das heißt, es wird in Leim getaucht, wiederum gepresst und getrocknet. Der Leim hindert die Tinte nämlich am Verlaufen.
Das Papier gab es in verschiedenen Formaten.

Wasserzeichen

Die Form der Drähte des Siebs ist im Papier sichtbar; deshalb kann durch besonders geformte Drähte beim Schöpfen des Papiers ein Wasserzeichen angebracht werden. Diese sogenannten Wasserzeichen sind schon etwa seit dem Jahre 1300 in Gebrauch. Sie sind vor allem als Fabrikmarken gebraucht worden und bieten daher heute eine große Hilfe bei der Lokalisierung der Papierquelle. Anhand der Wasserzeichen kann man Herkunft und Alter des Papiers bestimmen - natürlich nur, wenn bereits genügend Vergleichsmaterial vorhanden ist.

Hier kann man schön die Papierstruktur erkennen: Die senkrechten Linien sind die Abdrücke der "Kettdrähte" des Siebs, daran laufen auch die Abdrücke des Drahts des Wasserzeichens, in diesem Fall in Form einer heraldischen Lilie.

Besonders beliebte Motive bei Wasserzeichen sind Kronen, Anker, Ochsenköpfe, der Buchstabe P (für Papier), Lilien oder andere Blumen, Wappen und Fabeltiere.