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Lord Darcy

Gordon Randall Garrett wurde am 16. Dezember 1927 in Lexington, Missouri geboren. Er gilt als einer der großen frühen amerikanischen SF-Autoren.
Garrett arbeitete nach einem naturwissenschaftlichen Studium an der Texas Tech University und seiner Zeit beim Marine Corps als Chemiker in Michigan, bevor er nach New York zog. In den 50ern und 60ern schrieb er sehr erfolgreich Kurzgeschichten für diverse Magazine; Zweimal kam es sogar vor, dass alle Geschichten im "Astounding SF" nur von ihm waren.
Er stellte das Schreiben nach dem Tod seines Vaters aber ein und zog zurück nach Texas. Hier heiratete er Alison Harlow, von der er sich aber 1963 wieder scheiden ließ. Am 25. Dezember 1978 heiratete er Vicki Ann Heydron; da auch sie eine Autorin war, begann er wieder mit dem Schreiben - teilweise mit seiner Frau als Co-Autorin. Die beiden lebten in der Bay-Area in Kalifornien.
Im Mai 1979 erlitt er nach einer Krankheit einen Gehirnschaden und erholte sich davon nicht mehr. Seine Frau brachte ihn zuerst zurück nach Austin, wo immer noch sein Bruder Greer lebte. Nach zwei Jahren, im August 1981 akzeptierten die beiden, dass Heilung ausgeschlossen war und brachten ihn in ein Heim in Waco, Texas. Dort starb er am 31. Dezember 1987.
Trotzdem erschienen noch zwei "Post-Garrett" Lord Darcy Romane. Beide wurden von Michael Kurland geschrieben. Interessant daran ist vielleicht, dass Kurlands eigener Roman "The Unicorn Girl" zumindest teilweise in der Alternativrealität von Lord Darcy spielt. Da er noch zu Lebzeiten von Garrett geschrieben wurde, ist es wahrscheinlich, dass Kurland Garretts Wohlwollen hatte und nicht mehr so verwunderlich, dass er den Zuschlag bekam die Lord Darcy Reihe nach fast zwei Jahrzehnten weiterzuführen.

In der Welt von Lord Darcy ist Richard Löwenherz nicht 1199 bei der Belagerung von Chaluz gestorben, sondern nach England zurückgekehrt und hat die am längsten regierenden Dynastie der Weltgeschichte geschaffen. Richard und Arthur, sein Neffe, der ihm 1219 auf den Thron folgte, haben die anglo-französische Nation in jenen schweren Zeiten zusammengehalten und die Nachkommen Arthurs regieren das Angevin-Empire nun schon seit siebeneinhalb Jahrhunderten weise und gut.
Die "Bösen" kommen aus dem Königreich Polen, das, seit es nicht mehr nach Osten expandieren kann, seine gierige Augen auf das anglo-französische Reich richtet. Die Deutschländer bilden Pufferstaaten zwischen den beiden mächtigen Imperien. Seit dem Jahre 1420 hat sich das anglo-französische Reich in Europa nicht mehr erweitert. Erst die Entdeckung der westlichen Kontinente im 16. Jahrhundert eröffnete Raum für neue Herrschaftsgebiete.
Im 14. Jahrhundert entdeckte und arbeitete St. Hilary Robert im kleinen englischen Kloster Walsingham die Gesetze der Magie aus und seitdem hat sich die Thaumaturgie als wissenschaftliche Disziplin in allen Bereichen durchgesetzt. Nicht jeder hat das Talent oder ist ein Sensitiver, aber wer es hat, kann als Hexer und Heiler ausgebildet und aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse immer wieder reprodozierbare Ergebnisse erreichen. Die Theorien der höheren und esoterischen Algebra sind allerdings höchst komplex.
Auf dem Thron sitzt während Darcys Karriere John IV. Plantagenet, von Gottes Gnaden König von England, Schottland, Irland und Frankreich; Kaiser des Heiligen Römisches Reichs Deutscher Nation; Oberster Häuptling des Moqtessumid Klans; Sohn der Sonne; Graf von Anjou und Maine; Prinzdonator des Souveränen Ordens des Heiligen Johannes zu Jerusalem; Souverän des Höchst Ehrwürdigen Ordens von der Tafelrunde, des Ordens vom Leoparden, des Ordens von der Lilie, des Ordens von den Drei Kronen und des Ordens vom heiligen Andreas; Herrscher und Beschützer der Westlichen Kontinente von Neuengland und Neufrankreich; Verteidiger des Glaubens, etc. Sein Bruder Richard ist der Herzog der Normandie und der unmittelbare Vorgesetzte von Darcy. Er steht nach den beiden Söhnen des Königs – des Fürst von Britannien und dem Herzog von Lancaster – als dritter in der Erbfolge.
Lord Darcy, eigentlich Baron von Arcy, ist ein sehr attraktiver, englischer Adliger. Er hat einen messerscharfen Verstand und jenen Funken Talent, der es ihm ermöglicht von den Beweisen zur Lösung des Problems zu springen und erst dann das Dazwischen zu klären. Als Chefinspektor des Herzogs der Normandie ist sein Einsatzort anfangs die Normandie, mit der Hauptstadt Rouen. Erst in den "Post-Garrett" Romanen verlegt er seinen Wohnsitz nach London, da er inzwischen der Oberste Ermittlungsrichter des Königlichen Adelsgerichtshofs ist. Doch führen ihn seine Aufträge durch die ganze anglo-französische Welt.
Master Sean O'Laichlann, ein rothaariger, rundlicher Ire, der ein gutes Bier schätzt, ist ein hervorragender Justizhexer. Er hilft Darcy zuerst als Oberster Justizhexer des Herzogtums der Normandie und später als Oberster Justizhexer des Königlichen Adelsgerichtshofs.

Die Reihe ist abgeschlossen; Randall Garrett ist ja leider verstorben ist und auch von Michael Kurland scheinen keine weiteren Geschichten zu erwarten sein.

1 Komplott der Zauberer (1981) Die Originalausgabe erschien im August, September, Oktober und November 1966 als Fortsetzungsroman unter dem Titel "Too Many Magicians" im Magazin "Analog".

Commander Lord Ashley entdeckt in Cherbourg den Tod des Doppelagenten Georges Barbour. Was wie ein einfacher Mord unter Spionen aussieht, wird zusehends komplizierter, als Lord Darcy auf die Hilfe von Master Sean O'Laichlann verzichten muss, der in London von Marquis De London, dem Chefinspektor der Hauptstadt und seiner rechten Hand Lord Bontriomphe wegen Mordes festgenommen wurde.
Natürlich ist da nicht der Ernst von De London, der sich nur der Hilfe seines Cousins Darcy bei der Aufklärung des Londoner Mordes versichern will, weil der Fall so kompliziert scheint. Master Sir James Zwinge, auch noch der Oberster Justizhexer von London, ist in seinem verschossenen Zimmer ermordet worden - etwa mit Hilfe von schwarzer Magie? - und das in einem Hotel voller Hexer, denn es findet gerade der Dreijährliche Kongress der Heiler und Hexer der Königlichen Thaumaturgischen Gesellschaft statt.
Als sich herausstellt, dass Master Sir James Zwinge unter dem Decknamen Zett auch für den Marinegeheimdienst gearbeitet hat und der Vorgesetzte von Georges Barbour war, ist eine Verbindung zwischen den Fällen schnell gezogen.
Da von den Morden ein höchst geheimes und streng gehütetes Marineprojekt betroffen ist, ist auch Seine Majestät John IV. persönlich an der schnellen Aufklärung der Vorfälle interessiert. Lord Darcy bewegt sich in dünner Luft.
In einem Kaleidoskop von Agentenringen, Verrätern, schwarzer Magie, Lügen und Hexern findet er doch den richtigen Schuldigen und löst das Komplott der Zauberer.

2 Mord und Magie (1982) Die Originalausgabe erschien 1979 unter dem Titel "Murder and Magic". Die Kurzgeschichten erschienen unter dem Titel "The Eyes Have It" im Januar 1964 im "Analog", "A Case of Identity" September 1964 im "Analog", "The Muddle of the Woad" im Juni 1965 im "Analog" und "A Stretch of the Imagination" 1973 im "Men & Malice".

In "Im Auge des Betrachters" wird der herrische und lüsterne Lord D’Evreux von seinem Diener Sir Pierre erschossen in seinem Schlafzimmer aufgefunden. Lord Darcy, der Chirurgus Dr. Pateley und der Justizhexer Master Sean O Lochlainn ermitteln. Zunächst fällt der Verdacht auf die Hausgäste, Lord und Lady Duncan, aber gemeinsam lösen sie mit Magie und Intelligenz das Rätsel...
In "Eine Frage der Identität" werden zwei Wachmänner Augenzeugen, wie am Hafen der nur in einen Umhang gekleidete Paul Sarto, der sich als Aushilfe in Kneipen verdingte, an einem eingeschlagenen Schädel stirbt. Gleichzeitig verschwindet der Marquis von Cherbourg, seines Zeichens Spionageabwehragent, auf mysteriöse Weise während er etwas Wichtigem auf der Spur ist. Sofort werden Lord Darcy und Master Sean, der sich als Diener ausgeben muss, eingeschaltet. Kurz darauf legen einige Aussagen nahe, dass es sich bei Paul und den Marquis um ein und dieselbe Person handelt. Umso erstaunlicher sind die weiteren Entdeckungen, die Lord Darcy macht...
In "Der gefärbte Lord" findet Tischlermeister Walter Gotobed in dem Sarg, den er für Seine Gnade den Herzog von Kent gefertigt hat, die blaugefärbte Leiche des Lord Camberton, der kurz vor seinem Ableben einer heißen Spur auf dem Weg war. Da man wegen der blauen Farbe den Geheimbund des „Alten Albion“ verdächtigt, schaltet sich sogar der König persönlich ein und beauftragt Lord Darcy und Master Sean mit der Lösung des Falles. Im Laufe seiner Ermittlungen findet Lord Darcy nicht nur den Täter sondern deckt auch noch einige Geheimnisse und Erpressungsdelikte auf...
Und in "Eine Frage der Vorstellungskraft" werden Lord Darcy, Master Sean und Dr. Pateley zu einem scheinbaren Routineeinsatz gerufen: Sir Arlen, der Besitzer und Unternehmensleiter eines wichtigen Verlages, hat sich in seinem Büro im Redaktionsgebäude erhängt. Natürlich wittert Lord Darcy auch hier einen Mord...

3 Des Königs Detektiv (1986) Die Originalausgabe erschien 1981 unter dem Titel "Lord Darcy Investigates". Die Kurzgeschichten erschienen unter dem Titel "A Matter of Gravity" im Oktober 1974 im "Analog", "The Ipswich Phial" im Dezember 1976 im "Analog", "The Sixteen Keys" im Mai 1976 im "Fantastic" und "The Napoli Express" im April 1979 im "IASFM".

In "Eine Sache der Schwerkraft" wird Lord Jillbert, Comte de la Vexin aus einem abgeschlossenen Turmzimmer gestoßen, in dem vorher kurz ein grelles Licht zu sehen war. Seine Tochter Lady Beverly hält es für die Strafe Gottes, doch Lord Darcy vermutet viel irdischere Motive dahinter.
In "Die Ipswich-Phiole" wird Noel Standish tot am Strand aufgefunden, mit einer Waffe in der Hand, durch die er offensichtlich gestorben ist. Aber an einen Selbstmord mag niemand glauben, denn es führen keine Spuren zum Ort des Todes, nicht einmal seine eigenen. Und er war Agent des englischen Geheimdienstes, der einem Agenten der polnischen Serka auf der Spur war, um die aus einem Labor bei Ipswich geklaute Phiole wieder in englische Hände zu bringen. Lord Darcy hat nur wenig Zeit die verschwundene Phiole wieder zu finden.
In "Die sechszehn Schlüssel" findet Lord Vauxhall von eigener Hand den Tod. Eigentlich kein so dringender Notfall für Lord Darcy und doch wird er mitten in der nacht aus dem Bett geläutet, denn Lord Vauxhall hatte wichtige Papiere bei sich, die nun verschwunden sind. Darcy muss sie schnellstens wiederbeschaffen.
Und in "Der Napoli Express" reisen Lord Darcy und Master Sean O'Laichlann inkognito mit dem Express, um die wiedergefundenen Papiere noch rechtzeitig nach Athen zu bringen. Doch leider wird einer der Mitreisenden mit vielen Stockhieben getötet. Da eine Verzögerung eine Katastrophe bedeuten würde, versuchen die beiden zusammen mit dem römischen Polizei-Präfekt Cesare Sarto den Fall vor dem nächsten Bahnhof zu lösen. Leider scheinen alle Miteisenden den Ermordeten von früher von der Marine zu kennen und ihn für die frühzeitige Pensionierung und Tod ihres Kapitäns verantwortlich zu machen.

4 Bitteres Ende in Lord Darcy - Die vollständigen Ermittlungen in Sachen Mord und Magie (1989) Die Originalausgabe erschien 1979 unter dem Titel "The Spell of War" in dem Buch "The Future At War" von R. Bretnor herausgegeben.

Ich bin mir nicht sicher, ob es sich bei "The Spell of War" um "Bitteres Ende" handelt. 
In "Bitteres Ende" gerät Master Sean O'Laichlann in einen Mordfall in einer Bar in Paris: Er entdeckt den Toten und untersucht den Tatort als erster. Andray Vandermeer, Hauptmann a. D. scheint Gift in seinen Drink gemischt bekommen zu haben. Doch das hätte eigentlich bitter schmecken müssen. Erst Lord Darcy kann den Fall klären. 

5 Lord Darcy - Die vollständigen Ermittlungen in Sachen Mord und Magie (1989) Die Originalausgabe erschien 1983 unter dem Titel "Lord Darcy, omnibus collection" und enthielt die Bücher "Too Many Magicians", "Murder and Magic" und "Lord Darcy Investigates".

Hier sind noch einmal alle oben bereits beschriebenen Geschichten versammelt.

6 10 kleine Zauberer (1990) Die Originalausgabe erschien 1988 unter dem Titel "Ten Little Wizards" und entstammt der Feder von Michael Kurland.

Ist der Mord-Komplott gegen den König des anglo-französichen Reiches, von dem ein sterbender Schurke berichtete, wirklich ernst zu nehmen? Und wer ermordet einen Hexer in einem geschlossenen Raum, ohne einen psychischen Abdruck seiner selbst zu hinterlassen? Geht ein Geist um bei den Krönungsfeierlichkeiten? Das sind die  Fragen, die sich der Oberste Ermittlungsrichter des Königlichen Adelsgerichtshofs Lord Darcy zusammen mit dem Obersten Justizhexer des Reichs Sean O'Lochlain, stellen muss. Die Zeit drängt, denn nimmt man das Gedicht, die der Mörder hinterlässt, ernst, so wird es noch neun weitere tote Hexer geben... Neben diesen Problemen scheint die Frage nach den zwei Mordopfer beim Gasthof Gryhon d'Or eher unwichtig. Oder gibt es da eine Verbindung?

7 Eine Studie in Zauberei (1992) Die Originalausgabe erschien 1989 unter dem Titel "A Study in Sorcery" und entstammt der Feder von Michael Kurland.

Im anglo-französischen Reich herrscht Recht und Ordnung und schwarze Magie ist verboten. Doch im Reich der Azteken gelten die alten blutrünstigen Götter noch immer viel. Das anglo-französischen Reich hat zwar den letzten Krieg gewonnen, aber will doch viel eher den Frieden. Als also ein aztekischer Prinz, der zur Vorhut einer diplomatischen Abteilung gehört, auf rätselhafte Weise ermordet wird und das ganze nach einem Opferritual für die alten Götter aussieht, scheint der brüchige Frieden in Gefahr. Lord Darcy, durch das Gemini-Geheimnis, anscheinend eine Art Teleklang über Wasser, rechtzeitig benachrichtigt reist mit Master Sean O'Lochlain auf den westlichen Kontinent und versucht den Mord zu klären. Dabei sticht er in ein Wespennest aus alten Götterkulten, Geheimnissen und Serka-Intrigen.

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