| Merlin
Merlin ist wohl die bekannteste Figur neben König Artus. Er
ist ein mächtiger Magier und wahrscheinlich die Schöpfung von Geoffrey
of Monmouth, der ihn in seiner „Historia Regum
Britannae“ erstmals auftreten lässt. In seiner Figur verschmolzen
scheinbar verschiedene Geschichten.
Zum einen ist da „das vaterlose Kind“, der jugendliche Seher namens Ambrosius.
Der Sage nach soll er der Sohn eines Inkubus, des Teufels, eines Königs oder eines
Gottes und einer Nonne aus königlichem Geschlecht gewesen sein. König
Vortigern will eine mächtige Festung bauen, doch die Fundamente
stürzen immer wieder in sich zusammen. Des Königs Seher und Berater
sind ratlos und schlagen schließlich vor, dass nach altem Brauch ein
vaterloses Kind geopfert und mit seinem Blut der Bauplatz sicher werde
soll. Doch der junge Ambrosius/Merlin verblüfft den
sächsischen Usurpator und seine Berater damit, dass er genau sagen
kann, was den wiederholten Zusammensturz des Bauvorhabens verursacht:
Unter dem Berg ist eine Höhle und in dieser ein See, trocken gelegt
wird man ein Gefäß finden, in dem zwei Drachen schlummern, die beim
Erwachen gegeneinander kämpfen und dabei das ganze Land verwüsten. All
das tritt ein und Votigern macht den Jungen zu seinem neuen Berater. Mit seiner
Vision hat er allerdings auch das Kommen von Artus und Votigerns
Untergang vorausgesagt, denn die beiden Drachen - rot und weiß - stehen für die
Sachsen und die Kelten und der rote Drachen der Kelten gewinnt
schließlich den Kampf. Wales trägt noch heute
den roten Drachen im Wappen.
Zum anderen gibt es eine Vielzahl von Barden und Druiden in der
keltischen Mythologie, die auf den Namen Merlin oder keltlisch Myrdin
hören: Da wäre der fili, also Dichter, Myrddin Lailoken oder der walisische Barde Myrdin, der die Gabe der Wahrsagung erhalten haben soll, als er während der Schlacht von Arfderydd
im Jahre 573 den Verstand verlor, in die Wälder rannte und dort mit einem Apfelbaum sprach, der ihm Nahrung und Weisheit lieferte.
Desweiteren gibt es den walischen Barden Myrdin Wyllth, der der erste getaufte Barde gewesen
sein soll, oder Myrdin Wyllth, der in einem Bardenverzeichnis des Dichters Taliesin
erwähnt wurde, der ebenfalls eine Vorlage für Merlin gewesen sein könnte. Merlin wurde oft auch gleichgesetzt mit Aneirin oder Gwydion mâb
Dôn.
In der Artussage ist Merlin Berater der Könige vor Artus und sorgt für
die Zusammenkunft von Artus Eltern Uther Pendragon und Igraine; er sorgt
auch für Artus Erziehung. Später ist er
der wichtigste Berater von Artus und leitet die Ritter der Tafelrunde an. In einigen
Versionen der Sage gibt er auch den Auftrag, den Heiligen Gral zu suchen,
oder steckt Artus Schwert Excalibur in den Stein.
Sein Ende wird von
einer Frau verursacht: Seine Geliebte Nimue, die manchmal mit der Dame vom See gleichgesetzt wird,
fängt ihn mit einem Zauber, nachdem er ihr alle seine Geheimnisse und
Zauber verraten hat.
Dieses unsichtbare Gefängnis ist in einigen Versionen der Sage eine
Höhle und in anderen eine Eiche oder ein anderer mächtiger Baum. Wie auch Artus
soll er nie gestorben sein, sondern
wurde in die Anderwelt entrückt.

Merlin's Cave
in Tintagel - einer der Orte, an denen Merlin ruhen soll
Merlin ist eine positive Figur. Er ist zwar oft geheimnisvoll,
aber immer loyal und gut zu Artus. Auch in der "christlichen"
Zeit bleibt er als ein Überbleibsel des keltisch-heidnischen
Glaubensystems erhalten. Gleichzeitig markiert er in manchen Darstellungen den Bruch mit dem alten keltischen
Glauben und wird zum Bringer des Christentums. |
| Der Heilige Gral
Die etymologische Bedeutung des Wortes Gral ist nicht restlos geklärt: Am wahrscheinlichsten ist die Herleitung
von dem okzitanischen 'grazal' oder altfranzösischen 'graal', was
soviel wie Gefäß oder Schüssel bedeutet und seinerseits auf das lateinische
'crater'', einem Mischgefäß für Getränke, zurückgeht.
König Artus wird immer wieder mit dem Heiligen Gral in Verbindung gebracht. Auch
wenn der Gralsmythos auch ein eigenständiger Sagenkreis ist. Im
Mittelalter wurden die beiden Sagen in Zusammenhang gebracht; vermutlich
weil man dachte, dass der beste aller Könige auch die größte aller
Questen auf sich nehmen musste.
Es gibt keine einheitliche oder originale Fassung der Gralssage, aber allen Überlieferungen
ist gemein, dass sie den Gral als ein wundertätiges Gefäß
beschreiben, das Christus beim Letzten Abendmahl benutzte. Joseph von
Arimathäa fing mit diesem Gefäß das Blut Christi bei der
Kreuzigung auf. Er
war es auch, der sein Grab zu Verfügung stellte, so das Christus
begraben werden konnte. Der Legende nach war er Händler, der mit
britischem Zinn handelte. Er brachte der Legende nach den Gral und die Lanze nach England; in
Glastonbury, auf dem Glastonbury Tor gründete er eine Einsiedelei. Als
er auf der Insel von Avalon landete, stieß er erschöpft seinen Stab in den Boden. Bis zum
nächsten Morgen hatte dieser Wurzeln geschlagen - so entstand der heilige Dornenbusch
von Glastonbury; der noch heute in der Glastonbury Abbey
befindliche Dornenbaum soll ein Ableger sein und jeweils zu Ostern und
Weihnachten blühen.
Glastonbury Tor aus Sicht des Garten um
Chalice Well
Diese Quelle soll die rötliche Färbung durch den Gral haben, aus dem
immer noch das Blut Christi tritt.
Später wurde Joseph von Arimathäa der erste Gralskönig
und schuf den Gralshof.
Zusammen mit einer blutenden Lanze,
dem Speer des Longinius, eben jenem Speer, mit dem Christus am Kreuz
verletzt wurde, um zu überprüfen, ob er bereits gestorben sei, soll der
Gral in einer unzugänglichen Burg vom Gralskönig und seinen Gralsrittern
bewacht werden. Der Gral ist in der Lage Glückseligkeit, ewige Jugend und Speisen in unendlicher Fülle
zu spenden. Er ist jedoch umgeben von einer Gemeinschaft, die unter einem
furchtbaren Mangel leidet: Der Gralskönig leidet an einer unheilbaren
Wunde und siecht dahin, das Reich ist unfruchtbar und die
Gralsgemeinschaft, der Gralshof ist erstarrt. Daher wartet die Gralsgemeinschaft auf einen Helden, der den Gralskönig erlösen und ablösen kann.
Dieser Held, der ein wahrer Ritter sein muss, also Heldenmut und Reinheit
in sich vereint, wächst abseits der Welt auf. Ihm fehlt daher die
Bildung seiner Zeit, also das höfisches Benehmen. Diesen Mangel gleicht er jedoch durch seine Unschuld wieder
aus. Er ist der "unschuldige Tor". In seinen Abenteuern muss er
sich beweisen, sich selbst entdecken und dem Ritterideal entsprechend
die Unschuldigen schützen. Erst wenn er alle Prüfungen und Lehren
überwunden und verstanden hat, kann er das Geheimnis des Heiligen Grals enthüllen. Durch die Taten des Helden wird der
Gralskönig geheilt und das öde Land erblüht wieder. Der Held wird der Nachfolger des
Gralshüters. Diese Geschichte prägte im Mittelalter die Vorstellung des
Gral als Kelch.
Im Gralsmythos laufen verschiedene Traditionen zusammen. Es handelt sich um eine Mischung aus
christlichen und keltischen Sagen und Mythen.
Die Form des Grals variiert in verschiedenen Fassungen der Sage. Er kann
eine Schale, ein Kelch oder gar ein Stein sein. In der keltischen
Mythologie gibt es Steine, die, wenn man sie kocht, ganze Armeen satt
kriegen, und auch magische Trinkhörner, die sich nie leeren. Das Speisewunder des Grals
kann vermutlich auf diese Vorstellungen zurückgeführt werden. Weiter gibt es die Vorstellung von einem Kessel, in dem die Toten wieder
zum Leben erweckt werden. Dieses Leben ist jedoch nicht mehr fruchtbar
und die wiedererweckten Krieger sind stumm. Auch dies mag in
Gralsgeschichte als Sterilität des Hofs eingeflossen sein. Die
Gralsritter sind nicht in der Lage ihrem König zu helfen. Ein weiterer
Punkt ist noch die Wunde des Königs und die Öde des Landes. In der
keltischen Vorstellung waren König und Land eins. In Zeiten der Not
musste der König sein Leben für das Land opfern. Ein starker und
potenter König versprach auch ein reiches und fruchtbares Land. Der
Gralskönig ist jedoch verwundet, bettlägerig und siech und daher ist
auch sein Land öde und leer. Der schwache, kranke König durch einen
starken und sehr fähigen neuen König ersetzt und das Land erblüht
wieder.
In der anonym überlieferten Dichtung Quête du saint Graal, die
vermutlich um 1215/30 geschrieben ist, finden drei von Artus Rittern, nämlich
Percival, Bors und Galahad den Gral und bringen ihn an einen Platz in einer Kirche im Fernen Osten. |
| Tintagel
Tintagel ist der Sage nach der Zeugungs- und Geburtsort von Artus. Diese Feste
ist aufgrund ihrer Lage so sicher, dass es
das letzte Bollwerk von Herzog Gorlois gegen Hochkönig Uther Pendragon
ist. Hier versteckt er seine Gemahlin Igraine und zieht sich selber in
eine andere Feste zurück, um von dort aus Krieg gegen seinen König zu
führen, der es auf seine Frau abgesehen hat und den er durch seinen
unerlaubten Aufbruch vom Hof beleidigt hat. Uther Pendragon
bestürmt
Merlin ihm zu helfen, zu Igraine zu gelangen, und dieser willigt schließlich ein, wenn Uther
Pendragon ihm dafür sein Erstgeborenen überlässt. In genau der Nacht,
in der der König, durch List und Zauberei Merlins als Gorlois
verkleidet, sich Zugang zu Tintagel verschafft und endlich bei Igraine ist,
die ihn natürlich für ihren Gemahl hält und mit ihm schläft, wird
Gorlois bei einem Ausfall meilenweit entfernt getötet. In dieser Nacht wird Artus
gezeugt und, obwohl der König die Witwe Igraine sobald er kann
heiratet, bleibt an Artus Zeugung ein Makel kleben.
Neun Monate später wird der zukünftige König auf Tintagel geboren und
- der Abmachung entsprechend - an Merlin übergeben.
Eine Verbindung zu Artus scheint eine durch Einritzungen beschriebene Schiefertafel
belegt zu werden, die 1998 bei Grabungen auf Tintagel gefunden wurde.
Bemerkenswert ist das 1500 Jahre alte Stück Schiefer wegen der Beschreibung
mit einem Namen, der als "Artos" entziffert werden könnte. Ob
dies allerdings wirklich auf den König Artus der Sage hinweist, ist
fraglich.
Replik der bei Grabungen gefundenen
Schiefertafel
Noch heute kann man die Ruinen von der Burg besichtigen, die jedoch aus dem
13. Jahrhundert
stammen. Der normannische Graf Richard of Cornwall ließ 1233 an dem
verlassenen, aber schon legendären Platz wieder eine Burg errichten.
Eine strategische Bedeutung kann die Burg zu dieser Zeit nicht mehr
besessen haben, wohl aber eine prestigereiche. Sich auf eine alte
Tradition und den legendären König Artus berufen zu können, dürfte
für die königliche Familie - Graf Richard war der Bruder von König
Henry III. - sicherlich von großem Vorteil gewesen sein.
Bei Grabungen in den 1930ern wurden allerdings mehrere Gebäudereste entdeckt, die in das 5. Jahrhundert datiert werden
konnten. Bei einem Feuer 1985 wurden weitere Strukturen feigelegt, die
darauf hinweisen, dass die Siedlung größer war, als bislang
angenommen. Und auch der große Graben, der den Zugang auf der Landspitze
vor der Insel schützt, wird auf das 5. oder 6. Jahrhundert datiert. Die
Erdmassen, die aus dem Graben ausgehoben wurden, wurden zu einem Wall
aufgeschüttet, so dass nur noch ein kleiner, schmaler Eingang übrig
blieb. Dies gab der Burg auch ihren berühmten Namen: Din Tagell - die
Feste des engen Eingangs. Offensichtlich war also auch schon zu Artus
Zeiten hier eine sehr gut zu verteidigende Festung eines kornischen
Fürsten; dieser Fürst könnte natürlich Artus, sein Vater oder dessen
Konkurrent gewesen
sein. 
Der
schmale Eingang von Din Tagell - Tintagel
rechts ist der Graben zu erkenne, links erhebt sich mit den Felsen eine
natürliche Verteidigung des Orts
Tintagel ist wild-romantisch und von dramatischer und wundervoller Natur umgeben.
Es ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Tintagel kann auch im Internet auf der eigenen (englischsprachigen)
Seite
und einer Seite vom English Heritage
besucht werden. |
| Excalibur
Excalibur hat einen festen Platz in der Artussage. Das Schwert im Stein oder
nach einer anderen Quelle im Amboss war nach Uther Pendragons Tod auf
dem Kirchhof in London erschienen. Und es konnte nur durch den wahren König
(nämlich Uther Pendragons Erbe) herausgezogen werden. Viele versuchten
sich daran, aber alle scheiterten, bis Artus es mehr aus Versehen nahm
und sich damit als König zu erkennen gab.
In einer anderen Version der
Geschichte wird jedoch erzählt, dass Excalibur von einer Hand aus einem See
gegeben wurde, und dass es Artus von einer mächtigen Zauberin oder Fee, der
Herrin des Sees, kurz nach seinem Regierungsbeginn gegeben worden war. Die Klinge
konnte angeblich durch jedes Material schneiden und seine Scheide machte den Träger
unsichtbar oder nach anderer Überlieferung unverwundbar.
Nach Artus schwerer Verwundung in der letzten Schlacht von Camlann trug er seinem Ritter
Bedivere auf,
Excalibur wieder in einen See zu werfen. Zweimal verweigerte dieser den
Befehl, doch Artus erkannte dies aus der Antwort auf die Frage "Was
hat du gesehen, als du das Schwert ins Wasser geworfen hast?" und befahl
es von neuem. Beim dritten Mal wurde das Schwert von
einer Hand aufgefangen und dreimal geschwenkt, bevor es endgültig im
Wasser verschwand.

von Josephine Wall "Lady of the
Lake"
Mehr Bilder von ihr findet man auf ihrer Website.
Das Motiv des aus dem Stein gezogenen Schwerts könnte auch mit den Sarmantern in Verbindung
stehen. Seit Kaiser Marcus Aurelius standen in Britannien fünf Legionen schwerer sarmatischer Lanzenreiter. Sie und möglicherweise ihre Nachfahren übten
bestimmte Riten, beispielsweise die Verehrung eines im Boden steckenden Schwertes aus.
Die Sage vom Schwert aus dem Stein könnte aber auch auf einen Überlieferungsfehler
zurückzuführen sein. Mittelalterliche Schreiber kürzten oft bestimmte
Buchstabenkomibationen mit bestimmte Kürzeln ab. Bei einer falschen
Abschrift könnte so aus dem Schwert aus einem Stein (ex Saxo) das
Schwert von einem Sachsen (ex Saxone) geworden sein. Für diese Variante spricht auch eine
jütische Sage, nach der ein sächsischer Krieger das Wunderschwert des Schmieds Wieland,
das aus Sterneneisen geschmiedet war, an einen großen britischen König verloren haben
soll. Die Bezeichnung Sterneneisen dürfte wohl für Meteoreisen gestanden haben, das sowohl von
den Kelten als auch den Nordmännern als wunderkräftig und gesegnet betrachtet
wurde. Ein Schwert aus diesem Metall sollte seinen Träger unbesiegbar machen.
Insofern ist auch das Ende des Schwertes von Interesse. Wie viele
archäologische Funde
im skandinavischen und norddeutschen Raum gezeigt haben, opferten die
Nordmänner, aber auch die Kelten an Seen, Quellen oder Mooren Schwerter und andere
Wertgegenstände, um sich die Götter gewogen zu halten.
Übrigens finde ich den Gedanken recht amüsant, dass, wenn es Excalibur tatsächlich
gegeben hätte, es sicherlich überhaupt nicht einem mittelalterlichen
Langschwert oder Anderthalbhänder, also unserer üblichen Vorstellung des Aussehens von Excalibur, entsprochen
hätte. Denn, wenn man sich überlegt, in welcher
Zeit die Ursprünge der Sage liegen, müsste ja auch schon
Excalibur aus dieser Zeit stammen. Dann jedoch hätte es sich bei dem
Schwert eher um eine der üblichen Schwertformen, die die römischen Legionäre nach Britannien
mitgebracht hatten, gehandelt: um ein Gladius oder eine Spatha. Der Gladius ist ein Schwert mit einer
zweischneidigen, etwa 55-60 cm langen Klinge, das sowohl als Hieb- wie auch als
Stoßwaffe gedacht war. Eine Spatha ist ebenfalls zweischneidig, jedoch ausschließlich zum Hieb
konzipiert und besitzt eine deutlich längere, gerade Klinge. Auch die so genannten "Wikingerschwerter"
gehören zu den Spathae. Vermutlich ist letztere Schwertform für
Excalibur wahrscheinlicher, weil die Spatha auch vom Pferd aus
eingesetzt werden konnte und Artus ja vermutlich die Sachsen durch seine
Kavallerie schlug.
Da die Sage - nicht nur im Mittelalter - jedoch immer ihrer
Zeit angepasst wurde, ist unsere landläufige Vorstellung des Schwertes
wahrscheinlich der der Zuhörer von Chrétien de Troyes oder Hartmann
von Aue ähnlich...
|
| Camelot
Camelot ist der Sage nach der Ort, an dem König Artus Hof hielt und
seine Hauptfestung. Im
späten Mittelalter wurde daraus eine reiche und über alle Massen
prächtige Königsstadt mit mächtiger Burg, starken Befestigungen,
reicher Stadt, geschäftigen Märkten und überwältigenden Kirchen.
Sollte es Artus jedoch gegeben haben, ist aber ein
befestigtes Heerlager des 5. Jahrhunderts wahrscheinicher: ein möglichst sicherer
Ort, an dem Männer und Pferde überwintern, die Familien der Männer
sicher untergebracht und die Vorräte sicher gelagert werden konnten.
Wo Camelot
genau gelegen hat,
ist ein Feld sehr weiter Spekulationen und bis heute nicht gesichert -
ebenso wie die Tatsache seiner Existenz...
Einige vermuten Camelot in Tintagel
in Cornwall, also jenem Ort, an dem der Sage nach Artus auch gezeugt und
geboren wurde. In der Tat scheint die Festung dort eine sichere und sehr
gut zu verteidigende Zuflucht gewesen sein. Archäologische Grabungen
haben zudem belegt, dass dort - im Gegensatz zu der langjährigen
Meinung - bereits im 5. Jahrhundert eine Feste war. Ich persönlich
finde den Gedanken, dort Pferde unterzubringen, allerdings eher abwegig;
zudem ist dieser Ort deutlich abgelegener als andere Orte, die auch mit
Camelot in Verbindung gebracht werden.
 Blick
von Tintagel - durch die Überreste der Kapelle St. Juliot - auf das
Festland und ein viktorianisches Hotel mit dem schönen Namen Camelot. Auch Caerleon oder genauer Caerleon-on-Usk in Süd-Wales
wird als Kandidat für Camelot gehandelt. Das römische Isca Silurum war
der Sitz der zweiten Augustinischen Legion. Damit einher gingen die
Bauten der römischen Zivilisation: ein großes Bad, ein Amphitheater,
Fußbodenheizung, Befestigungsanlagen. Nach dem Abzug der Römer ist
nicht überliefert, wer hier die Infrastruktur nutzte - im Gegensatz zu
den anderen großen Legionsfestungen Chester und York. Artus hätte also
eine gute Infrastruktur vorgefunden und über den Usk und Severn ist
England sehr schnell zu erreichen. Die Verknüpfung von Carleon mit Artus geht auf Geoffreys of Monmouth
Historia Regum Britanniae zurück, der die "Stadt der
Legionen" als Hauptstadt Artus nennt. Die Verbindung besteht also
sicher seit dem 12.
Jahrhundert.

Die
Überreste des Amphitheaters von Caerleon;
die Mauer links im Hintergrund gehört zu den Überresten der römischen Mauer, die einst die römische Stadt
Isca Silurum umschloss.
1959 meinte man mit sprachwissenschaftlichen Methoden Cadbury Castle in Somerset als Camelot identifizieren zu
können. Cadbury Castle ist eine eisenzeitliche Hügelfestung. An diesem Ort gibt es
seit der Jungsteinzeit Befestigungsanlagen. Auch hier
hätte der Feldherr Artus also auf bereits bestehende Strukturen
zurückgreifen können. Die Lage wäre ebenfalls recht zentral und im
sicheren Gebiet gewesen. Archäologische Grabungen haben Hinweise auf
eine rege Benutzung des Ortes während des 5. und 6. Jahrhunderts ergeben.
Es gab eine große Halle und beträchtliche Befestigungen. Vermutlich
war dies mehr als ein Heerlager; es war eine mächtige Feste, in der
eine stehende Armee permanent residieren konnte und ein einflussreicher
Herrscher Hof halten konnte. Vielleicht war dieser Herrscher Artus.
Auch Winchester wurde lange Zeit für Camelot gehalten. Im
Mittelalter galt es als die alte Hauptstadt Englands und natürlich
berief man sich auch auf die Artus-Sage, daher erschien es im
Mittelalter auch völlig überzeugend, dass dort die Tafelrunde des
legendären Königs aufbewahrt wurde. 
Die
Great Hall in Winchester, Aufbewahrungsort der runden Tafel
Nicht unwahrscheinlich finde ich den Gedanken, dass sich verschiedene wichtige und mächtige
Orte der cornischen, walisischen und englischen Geschichte in dem
sagenhaften Camelot subsummiert haben.
|
| Tafelrunde
Die Idee einer Tafelrunde wurde erstmals von Mestre Wace
um 1150 in den Sagenkreis eingeführt. Im "Roman de Brut" heißt es, Artus habe den runden Tisch erfunden, damit es nicht zu Streitigkeiten
unter der Ritter um die besten Plätze am Tafelende beim König kam; an
der runden Tafel waren alle Plätze am Tisch des Königs und daher boten
sie die gleiche Ehre, Prestige und Ansehen.
In einer Fassung der Sage soll der "Runde Tisch" immer an dem Königshof gestanden haben, dessen Ritter nach dem Gral suchten. Das sei zuerst Uther Pendragon gewesen, dann Guineveres Vater
Leondegrance und schließlich Artus.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Vorstellung der Tafelrunde zu einem festen Element der Artussage. Die
Zahl
der Ritter, die an der Tafel Platz fanden, war nicht festgelegt und
verschieden hoch angegeben:
Französische Texte des 13. Jahrhunderts sprechen von 150, 240 oder 366
Rittern, Layamons "Brut" sogar von 1600 Rittern. Die mittelalterliche
Literatur kennt auch keine kanonisch festgelegten Ritter der
Tafelrunde. Vielmehr galten alle, die an ihr Platz nehmen durften als
die besten Ritter.
In jüngeren Geschichten ließen sich die Autoren mehr von der
Durchführbarkeit bei der Größe der Tafel leiten. John Drydon zufolge zählte die Tafelrunde des König Artus
zwölf Ritter. Nach Sir Walter Scott hingegen waren es 16 Ritter.
Es wird ebenfalls diskutiert, ob die Tafelrunde nicht ein altes
römisches Amphitheater gewesen sein kann, in dem der Kriegsherr Artus im
5. Jahrhundert seine Krieger versammelte, um die nächste Kampagne zu
besprechen und nach Erfolgen zu feiern. Diese Idee wiederum begünstigt
Caerleon in Wales als möglichen Sitz des dux bellorum, denn dort sind
noch heute die steinernen Fundamente des Amphitheaters zu sehen.
In der Great
Hall in Winchester wird eine runde Tafel gezeigt, die
lange als die echte Tafelrunde galt - nicht zuletzt, da Winchester als
die alte Hauptstadt von England mit Camelot gleichgesetzt wurde. Sie hängt seit 1873 an der
Westwand, davor hatte sie ihren Platz an der Ostwand. Ursprünglich
hatte sie jedoch tatsächlich Beine und konnte als Tisch und Tafel
benutzt werden. Eine dendrochronologische Untersuchung hat gezeigt, dass
da Holz aus den Jahren 1236-1257 stammt. Die Tafel ist also erst lange
nach der Zeit des dux bellorum entstanden. Vielleicht wurde sie zu einem
Fest 1290 angefertigt, als König Edward I. die Hochzeitsarrangements
seiner Kinder mit einem großen Turnier und Fest feierte. Er hegte ein
großes Interesse an der Artus-Sage; so war er auch bei der Umbettung
der Knochen des großen Königs in Glastonbury anwesend. Die Bemalung
der tafel stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, als Henry VIII. König war. So
erklärt sich auch die rot-weiße Tudorrose im Zentrum der Tafel. Eine
nette Anekdote besagt, dass König Henry VIII. 1522 seinen Cousin dem
vor kurzem, gegen den eigenen Anspruch von Henry VIII. zum Kaiser des
heiligen römischen Reichs deutscher Nation gekrönten Karl V. nach
Winchester brachte, um sich die Tafel anzusehen. Die Gesichtszüge des
gemalten Artus ähnelten auf verblüffende Weise denen von König Henry
VIII., der als Tudor ja auch seine Ahnenlinie auf König Artus
zurückführte. Jenen Mann, der laut Geoffrey of Monmouth ganz Europa
eroberte und beherrschte und nur deshalb nicht selber römischer Kaiser
wurde, weil sein Neffe Mordred eine Revolte startete und er so von
seinem Heerzug gegen Rom ablassen musste, um nach England
zurückzukehren.

Die Tafelrunde in der Great Hall in
Winchester
Die Winchester-Tafel hat 25, mit Namen bezeichnete
Plätze: Artus, Bedivere, Blubrys, Bors, Brunor, Brunor der Schwarze,
Dagonet, Degove, Ector de Maris, Galahad, Gareth, Gawain, Kay, Lamorak,
Lancelot, Libeaus Desconus, Lionel, Lucas, Mordred, Palomides, Parzival,
Pellinore, Safere und Tristan. Die Great Hall und die Tafel kann auch im Internet auf
dieser (englischsprachigen) Seite angesehen werden. |
| Avalon - Glastonbury
Glastonbury ist eine kleine, entzückende Stadt in Somerset, zu Füßen des
beeinduckenden Glastonbury Tors, einer Landmarke, die noch von vielen Meilen entfernt
in dem ansonsten eher flachen Land sichtbar ist. Immer wieder ist Glastonbury mit dem
mythischen Avalon in Verbindung gebracht worden.
Vor zweitausend Jahren reichte das Meer bis zum Fuß des Felsens und umkreiste
ihn fast. Nach und nach wurde das Meer durch einen riesigen See ersetzt. Ein alter Name für
Glastonbury Tor ist Ynys-witrin, die Insel des Glases; Insel
konnte der Berg genannt werden, weil es von den meisten Winkeln aus
gesehen tatsächlich wie eine Insel erschien, auch wenn es sich nur um
eine Halbinsel handelte. Der Name 'Avalon' stammt nach Geoffrey of
Monmouth von Avalloc oder Avallach ab, der in der Unterwelt herrschte. In der keltischen
Überlieferung war Avalon eine Insel der Verzauberung und ein Ort des
Übergangs.
In der Artuslegende ist Avalon die mythische und gnadenreiche Insel der Apfelbäume mit Königinnen, die den zu Tode verwundeten König nach seiner letzten
Schlacht bei Camlann auf einer Barke zu ihrer Insel brachten, um ihn
dort wieder gesund zu pflegen. Diese Entrückung in die Anderwelt sorgte
für die Legende, dass er mit seinen Rittern ruht und darauf wartet, zurückzukehren und Britannien in der Stunde der
größten Not beizustehen. Er ist also niemals gestorben, sondern ist
der König, der war und der sein wird. Im Gegensatz dazu steht
natürlich der Fund der Grabstelle Artus.
Im Jahre 1191 verkündeten die Mönche der Abtei von Glastonbury, dass sie die
Grabstätte von
König Artus und Königin Guinevere gefunden hatten. Entweder um
Gerüchten nachzugehen oder durch einen Zufall stießen die Mönche
bei Bauarbeiten auf dem Friedhof der Abtei auf ein
altes Grab mit einer Steinplatte. Unter dieser war ein Bleikreuz - ungefähr
30 cm lang - mit der Inschrift: "Hic iacet sepultus inclitus rex Arturius in insula Avalonia"
- zu deutsch: "Hier ruht der berühmte König Artus auf der Insel Avalon."
Das ungewöhnlich große Skelett soll eine schwere Kopfverletzung aufgewiesen
haben. Einige kleinere Knochen und eine goldene Haarlocke, die angeblich
bei Berührung
zerbröselte, wurden zu denen von Königin Guinevere erklärt.
Schon im Mittelalter war die
Artussage sehr beliebt und so wurde das Grab von einem wahren Strom von
Pilgern besucht. Möglicherweise war es also auch eine bewusste Lüge
oder Fehlinformation der
Mönche, die dazu dienen sollte, sich durch die Pilgerscharen Geld für den Wiederaufbau der Abtei, die 1184 durch ein Feuer
stark beschädigt worden
war, zu beschaffen - zumal das Bleikreuz kurze Zeit später verschwand und
nie wieder auftauchte.
Die Knochen wurden in Särge gebettet und 1278 bei einem Besuch König Edwards
I. in einem schwarzen Marmorgrab vor dem Hochaltar zwischen zwei hervorragenden Pfosten
beigesetzt. Dort blieben sie, bis die Abtei nach ihrer Auflösung
geplündert wurde. Danach verlor sich jede Spur von ihnen.
Heute kennzeichnet eine kleine Tafel den Punkt, wo sich der Schrein mit Artus
Grab befunden hat.
Das Artus-Grab in der Abtei von
Glastonbury
Die Abtei von Glastonbury hat eine eigene (englischsprachige) Seite im Internet. |