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Elemente und Themenkreise der Artussage

Die Sage um König Artus hat verschiedene charakteristische Elemente und Verbindungen mit anderen Sagen, die für uns heute untrennbar zur Artussage gehören.

Merlin
Der Heilige Gral
Tintagel
Excalibur
Camelot
Tafelrunde
Avalon

Merlin

Merlin ist wohl die bekannteste Figur neben König Artus. Er ist ein mächtiger Magier und wahrscheinlich die Schöpfung von Geoffrey of Monmouth, der ihn in seiner „Historia Regum Britannae“ erstmals auftreten lässt. In seiner Figur verschmolzen scheinbar verschiedene Geschichten.
Zum einen ist da „das vaterlose Kind“, der jugendliche Seher namens Ambrosius. Der Sage nach soll er der Sohn eines Inkubus, des Teufels, eines Königs oder eines Gottes und einer Nonne aus königlichem Geschlecht gewesen sein. König Vortigern will eine mächtige Festung bauen, doch die Fundamente stürzen immer wieder in sich zusammen. Des Königs Seher und Berater sind ratlos und schlagen schließlich vor, dass nach altem Brauch ein vaterloses Kind geopfert und mit seinem Blut der Bauplatz sicher werde soll. Doch der junge Ambrosius/Merlin verblüfft den sächsischen Usurpator und seine Berater damit, dass er genau sagen kann, was den wiederholten Zusammensturz des Bauvorhabens verursacht: Unter dem Berg ist eine Höhle und in dieser ein See, trocken gelegt wird man ein Gefäß finden, in dem zwei Drachen schlummern, die beim Erwachen gegeneinander kämpfen und dabei das ganze Land verwüsten. All das tritt ein und Votigern macht den Jungen zu seinem neuen Berater. Mit seiner Vision hat er allerdings auch das Kommen von Artus und Votigerns Untergang vorausgesagt, denn die beiden Drachen - rot und weiß - stehen für die Sachsen und die Kelten und der rote Drachen der Kelten gewinnt schließlich den Kampf. Wales trägt noch heute den roten Drachen im Wappen.
Zum anderen gibt es eine Vielzahl von Barden und Druiden in der keltischen Mythologie, die auf den Namen Merlin oder keltlisch Myrdin hören: Da wäre der fili, also Dichter, Myrddin Lailoken oder der walisische Barde Myrdin, der die Gabe der Wahrsagung erhalten haben soll, als er während der Schlacht von Arfderydd im Jahre 573 den Verstand verlor, in die Wälder rannte und dort mit einem Apfelbaum sprach, der ihm Nahrung und Weisheit lieferte. Desweiteren gibt es den walischen Barden Myrdin Wyllth, der der erste getaufte Barde gewesen sein soll, oder Myrdin Wyllth, der in einem Bardenverzeichnis des Dichters Taliesin erwähnt wurde, der ebenfalls eine Vorlage für Merlin gewesen sein könnte. Merlin wurde oft auch gleichgesetzt mit Aneirin oder Gwydion mâb Dôn.
In der Artussage ist Merlin Berater der Könige vor Artus und sorgt für die Zusammenkunft von Artus Eltern Uther Pendragon und Igraine; er sorgt auch für Artus Erziehung. Später ist er der wichtigste Berater von Artus und leitet die Ritter der Tafelrunde an. In einigen Versionen der Sage gibt er auch den Auftrag, den Heiligen Gral zu suchen, oder steckt Artus Schwert Excalibur in den Stein.
Sein Ende wird von einer Frau verursacht: Seine Geliebte Nimue, die manchmal mit der Dame vom See gleichgesetzt wird, fängt ihn mit einem Zauber, nachdem er ihr alle seine Geheimnisse und Zauber verraten hat. Dieses unsichtbare Gefängnis ist in einigen Versionen der Sage eine Höhle und in anderen eine Eiche oder ein anderer mächtiger Baum. Wie auch Artus soll er nie gestorben sein, sondern wurde in die Anderwelt entrückt.

Merlin's Cave in Tintagel - einer der Orte, an denen Merlin ruhen soll

Merlin ist eine positive Figur. Er ist zwar oft geheimnisvoll, aber immer loyal und gut zu Artus. Auch in der "christlichen" Zeit bleibt er als ein Überbleibsel des keltisch-heidnischen Glaubensystems erhalten. Gleichzeitig markiert er in manchen Darstellungen den Bruch mit dem alten keltischen Glauben und wird zum Bringer des Christentums.

Der Heilige Gral

Die etymologische Bedeutung des Wortes Gral ist nicht restlos geklärt: Am wahrscheinlichsten ist die Herleitung von dem okzitanischen 'grazal' oder altfranzösischen 'graal', was soviel wie Gefäß oder Schüssel bedeutet und seinerseits auf das lateinische 'crater'', einem Mischgefäß für Getränke, zurückgeht.
König Artus wird immer wieder mit dem Heiligen Gral in Verbindung gebracht. Auch wenn der Gralsmythos auch ein eigenständiger Sagenkreis ist. Im Mittelalter wurden die beiden Sagen in Zusammenhang gebracht; vermutlich weil man dachte, dass der beste aller Könige auch die größte aller Questen auf sich nehmen musste.
Es gibt keine einheitliche oder originale Fassung der Gralssage, aber allen Überlieferungen ist gemein, dass sie den Gral als ein wundertätiges Gefäß beschreiben, das Christus beim Letzten Abendmahl benutzte. Joseph von Arimathäa fing mit diesem Gefäß das Blut Christi bei der Kreuzigung auf. Er war es auch, der sein Grab zu Verfügung stellte, so das Christus begraben werden konnte. Der Legende nach war er Händler, der mit britischem Zinn handelte. Er brachte der Legende nach den Gral und die Lanze nach England; in Glastonbury, auf dem Glastonbury Tor gründete er eine Einsiedelei. Als er auf der Insel von Avalon landete, stieß er erschöpft seinen Stab in den Boden. Bis zum nächsten Morgen hatte dieser Wurzeln geschlagen - so entstand der heilige Dornenbusch von Glastonbury; der noch heute in der Glastonbury Abbey befindliche Dornenbaum soll ein Ableger sein und jeweils zu Ostern und Weihnachten blühen.

Glastonbury Tor aus Sicht des Garten um Chalice Well
Diese Quelle soll die rötliche Färbung durch den Gral haben, aus dem immer noch das Blut Christi tritt.

Später wurde Joseph von Arimathäa der erste Gralskönig und schuf den Gralshof.
Zusammen mit einer blutenden Lanze, dem Speer des Longinius, eben jenem Speer, mit dem Christus am Kreuz verletzt wurde, um zu überprüfen, ob er bereits gestorben sei, soll der Gral in einer unzugänglichen Burg vom Gralskönig und seinen Gralsrittern bewacht werden. Der Gral ist in der Lage Glückseligkeit, ewige Jugend und Speisen in unendlicher Fülle zu spenden. Er ist jedoch umgeben von einer Gemeinschaft, die unter einem furchtbaren Mangel leidet: Der Gralskönig leidet an einer unheilbaren Wunde und siecht dahin, das Reich ist unfruchtbar und die Gralsgemeinschaft, der Gralshof ist erstarrt. Daher wartet die Gralsgemeinschaft auf einen Helden, der den Gralskönig erlösen und ablösen kann. Dieser Held, der ein wahrer Ritter sein muss, also Heldenmut und Reinheit in sich vereint, wächst abseits der Welt auf. Ihm fehlt daher die Bildung seiner Zeit, also das höfisches Benehmen. Diesen Mangel gleicht er jedoch durch seine Unschuld wieder aus. Er ist der "unschuldige Tor". In seinen Abenteuern muss er sich beweisen, sich selbst entdecken und dem Ritterideal entsprechend die Unschuldigen schützen. Erst wenn er alle Prüfungen und Lehren überwunden und verstanden hat, kann er das Geheimnis des Heiligen Grals enthüllen. Durch die Taten des Helden wird der Gralskönig geheilt und das öde Land erblüht wieder. Der Held wird der Nachfolger des Gralshüters. Diese Geschichte prägte im Mittelalter die Vorstellung des Gral als Kelch.
Im Gralsmythos laufen verschiedene Traditionen zusammen. Es handelt sich um eine Mischung aus christlichen und keltischen Sagen und Mythen.
Die Form des Grals variiert in verschiedenen Fassungen der Sage. Er kann eine Schale, ein Kelch oder gar ein Stein sein. In der keltischen Mythologie gibt es Steine, die, wenn man sie kocht, ganze Armeen satt kriegen, und auch magische Trinkhörner, die sich nie leeren. Das Speisewunder des Grals kann vermutlich auf diese Vorstellungen zurückgeführt werden. Weiter gibt es die Vorstellung von einem Kessel, in dem die Toten wieder zum Leben erweckt werden. Dieses Leben ist jedoch nicht mehr fruchtbar und die wiedererweckten Krieger sind stumm. Auch dies mag in Gralsgeschichte als Sterilität des Hofs eingeflossen sein. Die Gralsritter sind nicht in der Lage ihrem König zu helfen. Ein weiterer Punkt ist noch die Wunde des Königs und die Öde des Landes. In der keltischen Vorstellung waren König und Land eins. In Zeiten der Not musste der König sein Leben für das Land opfern. Ein starker und potenter König versprach auch ein reiches und fruchtbares Land. Der Gralskönig ist jedoch verwundet, bettlägerig und siech und daher ist auch sein Land öde und leer. Der schwache, kranke König durch einen starken und sehr fähigen neuen König ersetzt und das Land erblüht wieder.
In der anonym überlieferten Dichtung Quête du saint Graal, die vermutlich um 1215/30 geschrieben ist, finden drei von Artus Rittern, nämlich Percival, Bors und Galahad den Gral und bringen ihn an einen Platz in einer Kirche im Fernen Osten.

Tintagel

Tintagel ist der Sage nach der Zeugungs- und Geburtsort von Artus. Diese Feste ist aufgrund ihrer Lage so sicher, dass es das letzte Bollwerk von Herzog Gorlois gegen Hochkönig Uther Pendragon ist. Hier versteckt er seine Gemahlin Igraine und zieht sich selber in eine andere Feste zurück, um von dort aus Krieg gegen seinen König zu führen, der es auf seine Frau abgesehen hat und den er durch seinen unerlaubten Aufbruch vom Hof beleidigt hat. Uther Pendragon bestürmt Merlin ihm zu helfen, zu Igraine zu gelangen, und dieser willigt schließlich ein, wenn Uther Pendragon ihm dafür sein Erstgeborenen überlässt. In genau der Nacht, in der der König, durch List und Zauberei Merlins als Gorlois verkleidet, sich Zugang zu Tintagel verschafft und endlich bei Igraine ist, die ihn natürlich für ihren Gemahl hält und mit ihm schläft, wird Gorlois bei einem Ausfall meilenweit entfernt getötet. In dieser Nacht wird Artus gezeugt und, obwohl der König die Witwe Igraine sobald er kann heiratet, bleibt an Artus Zeugung ein Makel kleben. Neun Monate später wird der zukünftige König auf Tintagel geboren und - der Abmachung entsprechend - an Merlin übergeben.
Eine Verbindung zu Artus scheint eine durch Einritzungen beschriebene Schiefertafel belegt zu werden, die 1998 bei Grabungen auf Tintagel gefunden wurde. Bemerkenswert ist das 1500 Jahre alte Stück Schiefer wegen der Beschreibung mit einem Namen, der als "Artos" entziffert werden könnte. Ob dies allerdings wirklich auf den König Artus der Sage hinweist, ist fraglich.

Replik der bei Grabungen gefundenen Schiefertafel

Noch heute kann man die Ruinen von der Burg besichtigen, die jedoch aus dem 13. Jahrhundert stammen. Der normannische Graf Richard of Cornwall ließ 1233 an dem verlassenen, aber schon legendären Platz wieder eine Burg errichten. Eine strategische Bedeutung kann die Burg zu dieser Zeit nicht mehr besessen haben, wohl aber eine prestigereiche. Sich auf eine alte Tradition und den legendären König Artus berufen zu können, dürfte für die königliche Familie - Graf Richard war der Bruder von König Henry III. - sicherlich von großem Vorteil gewesen sein.
Bei Grabungen in den 1930ern wurden allerdings mehrere Gebäudereste entdeckt, die in das 5. Jahrhundert datiert werden konnten. Bei einem Feuer 1985 wurden weitere Strukturen feigelegt, die darauf hinweisen, dass die Siedlung größer war, als bislang angenommen. Und auch der große Graben, der den Zugang auf der Landspitze vor der Insel schützt, wird auf das 5. oder 6. Jahrhundert datiert. Die Erdmassen, die aus dem Graben ausgehoben wurden, wurden zu einem Wall aufgeschüttet, so dass nur noch ein kleiner, schmaler Eingang übrig blieb. Dies gab der Burg auch ihren berühmten Namen: Din Tagell - die Feste des engen Eingangs. Offensichtlich war also auch schon zu Artus Zeiten hier eine sehr gut zu verteidigende Festung eines kornischen Fürsten; dieser Fürst könnte natürlich Artus, sein Vater oder dessen Konkurrent gewesen sein.

Der schmale Eingang von Din Tagell - Tintagel
rechts ist der Graben zu erkenne, links erhebt sich mit den Felsen eine natürliche Verteidigung des Orts

Tintagel ist wild-romantisch und von dramatischer und wundervoller Natur umgeben. Es ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Tintagel kann auch im Internet auf der eigenen (englischsprachigen) Seite und einer Seite vom English Heritage besucht werden.

Excalibur

Excalibur hat einen festen Platz in der Artussage. Das Schwert im Stein oder nach einer anderen Quelle im Amboss war nach Uther Pendragons Tod auf dem Kirchhof in London erschienen. Und es konnte nur durch den wahren König (nämlich Uther Pendragons Erbe) herausgezogen werden. Viele versuchten sich daran, aber alle scheiterten, bis Artus es mehr aus Versehen nahm und sich damit als König zu erkennen gab.
In einer anderen Version der Geschichte wird jedoch erzählt, dass Excalibur von einer Hand aus einem See gegeben wurde, und dass es Artus von einer mächtigen Zauberin oder Fee, der Herrin des Sees, kurz nach seinem Regierungsbeginn gegeben worden war. Die Klinge konnte angeblich durch jedes Material schneiden und seine Scheide machte den Träger unsichtbar oder nach anderer Überlieferung unverwundbar.
Nach Artus schwerer Verwundung in der letzten Schlacht von Camlann trug er seinem Ritter Bedivere auf, Excalibur wieder in einen See zu werfen. Zweimal verweigerte dieser den Befehl, doch Artus erkannte dies aus der Antwort auf die Frage "Was hat du gesehen, als du das Schwert ins Wasser geworfen hast?" und befahl es von neuem. Beim dritten Mal wurde das Schwert von einer Hand aufgefangen und dreimal geschwenkt, bevor es endgültig im Wasser verschwand.

von Josephine Wall "Lady of the Lake"
Mehr Bilder von ihr findet man auf ihrer Website.

Das Motiv des aus dem Stein gezogenen Schwerts könnte auch mit den Sarmantern in Verbindung stehen. Seit Kaiser Marcus Aurelius standen in Britannien fünf Legionen schwerer sarmatischer Lanzenreiter. Sie und möglicherweise ihre Nachfahren übten bestimmte Riten, beispielsweise die Verehrung eines im Boden steckenden Schwertes aus.
Die Sage vom Schwert aus dem Stein könnte aber auch auf einen Überlieferungsfehler zurückzuführen sein. Mittelalterliche Schreiber kürzten oft bestimmte Buchstabenkomibationen mit bestimmte Kürzeln ab. Bei einer falschen Abschrift könnte so aus dem Schwert aus einem Stein (ex Saxo) das Schwert von einem Sachsen (ex Saxone) geworden sein. Für diese Variante spricht auch eine jütische Sage, nach der ein sächsischer Krieger das Wunderschwert des Schmieds Wieland, das aus Sterneneisen geschmiedet war, an einen großen britischen König verloren haben soll. Die Bezeichnung Sterneneisen dürfte wohl für Meteoreisen gestanden haben, das sowohl von den Kelten als auch den Nordmännern als wunderkräftig und gesegnet betrachtet wurde. Ein Schwert aus diesem Metall sollte seinen Träger unbesiegbar machen.
Insofern ist auch das Ende des Schwertes von Interesse. Wie viele archäologische Funde im skandinavischen und norddeutschen Raum gezeigt haben, opferten die Nordmänner, aber auch die Kelten an Seen, Quellen oder Mooren Schwerter und andere Wertgegenstände, um sich die Götter gewogen zu halten.
Übrigens finde ich den Gedanken recht amüsant, dass, wenn es Excalibur tatsächlich gegeben hätte, es sicherlich überhaupt nicht einem mittelalterlichen Langschwert oder Anderthalbhänder, also unserer üblichen Vorstellung des Aussehens von Excalibur, entsprochen hätte. Denn, wenn man sich überlegt, in welcher Zeit die Ursprünge der Sage liegen, müsste ja auch schon Excalibur aus dieser Zeit stammen. Dann jedoch hätte es sich bei dem Schwert eher um eine der üblichen Schwertformen, die die römischen Legionäre nach Britannien mitgebracht hatten, gehandelt: um ein Gladius oder eine Spatha. Der Gladius ist ein Schwert mit einer zweischneidigen, etwa 55-60 cm langen Klinge, das sowohl als Hieb- wie auch als Stoßwaffe gedacht war. Eine Spatha ist ebenfalls zweischneidig, jedoch ausschließlich zum Hieb konzipiert und besitzt eine deutlich längere, gerade Klinge. Auch die so genannten "Wikingerschwerter" gehören zu den Spathae. Vermutlich ist letztere Schwertform für Excalibur wahrscheinlicher, weil die Spatha auch vom Pferd aus eingesetzt werden konnte und Artus ja vermutlich die Sachsen durch seine Kavallerie schlug.
Da die Sage - nicht nur im Mittelalter - jedoch immer ihrer Zeit angepasst wurde, ist unsere landläufige Vorstellung des Schwertes wahrscheinlich der der Zuhörer von Chrétien de Troyes oder Hartmann von Aue ähnlich...

Camelot

Camelot ist der Sage nach der Ort, an dem König Artus Hof hielt und seine Hauptfestung. Im späten Mittelalter wurde daraus eine reiche und über alle Massen prächtige Königsstadt mit mächtiger Burg, starken Befestigungen, reicher Stadt, geschäftigen Märkten und überwältigenden Kirchen. Sollte es Artus jedoch gegeben haben, ist aber ein befestigtes Heerlager des 5. Jahrhunderts wahrscheinicher: ein möglichst sicherer Ort, an dem Männer und Pferde überwintern, die Familien der Männer sicher untergebracht und die Vorräte sicher gelagert werden konnten. Wo Camelot genau gelegen hat, ist ein Feld sehr weiter Spekulationen und bis heute nicht gesichert - ebenso wie die Tatsache seiner Existenz...
Einige vermuten Camelot in Tintagel in Cornwall, also jenem Ort, an dem der Sage nach Artus auch gezeugt und geboren wurde. In der Tat scheint die Festung dort eine sichere und sehr gut zu verteidigende Zuflucht gewesen sein. Archäologische Grabungen haben zudem belegt, dass dort - im Gegensatz zu der langjährigen Meinung - bereits im 5. Jahrhundert eine Feste war. Ich persönlich finde den Gedanken, dort Pferde unterzubringen, allerdings eher abwegig; zudem ist dieser Ort deutlich abgelegener als andere Orte, die auch mit Camelot in Verbindung gebracht werden. 

 Blick von Tintagel - durch die Überreste der Kapelle St. Juliot - auf das Festland und ein viktorianisches Hotel mit dem schönen Namen Camelot.

Auch Caerleon oder genauer Caerleon-on-Usk in Süd-Wales wird als Kandidat für Camelot gehandelt. Das römische Isca Silurum war der Sitz der zweiten Augustinischen Legion. Damit einher gingen die Bauten der römischen Zivilisation: ein großes Bad, ein Amphitheater, Fußbodenheizung, Befestigungsanlagen. Nach dem Abzug der Römer ist nicht überliefert, wer hier die Infrastruktur nutzte - im Gegensatz zu den anderen großen Legionsfestungen Chester und York. Artus hätte also eine gute Infrastruktur vorgefunden und über den Usk und Severn ist England sehr schnell zu erreichen. Die Verknüpfung von Carleon mit Artus geht auf Geoffreys of Monmouth Historia Regum Britanniae zurück, der die "Stadt der Legionen" als Hauptstadt Artus nennt. Die Verbindung besteht also sicher seit dem 12. Jahrhundert.

Die Überreste des Amphitheaters von Caerleon;
die Mauer links im Hintergrund gehört zu den Überresten der römischen Mauer, die einst die römische Stadt Isca Silurum umschloss.

1959 meinte man mit sprachwissenschaftlichen Methoden Cadbury Castle in Somerset als Camelot identifizieren zu können. Cadbury Castle ist eine eisenzeitliche Hügelfestung. An diesem Ort gibt es seit der Jungsteinzeit Befestigungsanlagen. Auch hier hätte der Feldherr Artus also auf bereits bestehende Strukturen zurückgreifen können. Die Lage wäre ebenfalls recht zentral und im sicheren Gebiet gewesen. Archäologische Grabungen haben Hinweise auf eine rege Benutzung des Ortes während des 5. und 6. Jahrhunderts ergeben. Es gab eine große Halle und beträchtliche Befestigungen. Vermutlich war dies mehr als ein Heerlager; es war eine mächtige Feste, in der eine stehende Armee permanent residieren konnte und ein einflussreicher Herrscher Hof halten konnte. Vielleicht war dieser Herrscher Artus.
Auch Winchester wurde lange Zeit für Camelot gehalten. Im Mittelalter galt es als die alte Hauptstadt Englands und natürlich berief man sich auch auf die Artus-Sage, daher erschien es im Mittelalter auch völlig überzeugend, dass dort die Tafelrunde des legendären Königs aufbewahrt wurde.

Die Great Hall in Winchester, Aufbewahrungsort der runden Tafel

Nicht unwahrscheinlich finde ich den Gedanken, dass sich verschiedene wichtige und mächtige Orte der cornischen, walisischen und englischen Geschichte in dem sagenhaften Camelot subsummiert haben.

Tafelrunde

Die Idee einer Tafelrunde wurde erstmals von Mestre Wace um 1150 in den Sagenkreis eingeführt. Im "Roman de Brut" heißt es, Artus habe den runden Tisch erfunden, damit es nicht zu Streitigkeiten unter der Ritter um die besten Plätze am Tafelende beim König kam; an der runden Tafel waren alle Plätze am Tisch des Königs und daher boten sie die gleiche Ehre, Prestige und Ansehen.
In einer Fassung der Sage soll der "Runde Tisch" immer an dem Königshof gestanden haben, dessen Ritter nach dem Gral suchten. Das sei zuerst Uther Pendragon gewesen, dann Guineveres Vater Leondegrance und schließlich Artus.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Vorstellung der Tafelrunde zu einem festen Element der Artussage. Die Zahl der Ritter, die an der Tafel Platz fanden, war nicht festgelegt und verschieden hoch angegeben: Französische Texte des 13. Jahrhunderts sprechen von 150, 240 oder 366 Rittern, Layamons "Brut" sogar von 1600 Rittern. Die mittelalterliche Literatur kennt auch keine kanonisch festgelegten Ritter der Tafelrunde. Vielmehr galten alle, die an ihr Platz nehmen durften als die besten Ritter. In jüngeren Geschichten ließen sich die Autoren mehr von der Durchführbarkeit bei der Größe der Tafel leiten. John Drydon zufolge zählte die Tafelrunde des König Artus zwölf Ritter. Nach Sir Walter Scott hingegen waren es 16 Ritter.
Es wird ebenfalls diskutiert, ob die Tafelrunde nicht ein altes römisches Amphitheater gewesen sein kann, in dem der Kriegsherr Artus im 5. Jahrhundert seine Krieger versammelte, um die nächste Kampagne zu besprechen und nach Erfolgen zu feiern. Diese Idee wiederum begünstigt Caerleon in Wales als möglichen Sitz des dux bellorum, denn dort sind noch heute die steinernen Fundamente des Amphitheaters zu sehen.
In der Great Hall in Winchester wird eine runde Tafel gezeigt, die lange als die echte Tafelrunde galt - nicht zuletzt, da Winchester als die alte Hauptstadt von England mit Camelot gleichgesetzt wurde. Sie hängt seit 1873 an der Westwand, davor hatte sie ihren Platz an der Ostwand. Ursprünglich hatte sie jedoch tatsächlich Beine und konnte als Tisch und Tafel benutzt werden. Eine dendrochronologische Untersuchung hat gezeigt, dass da Holz aus den Jahren 1236-1257 stammt. Die Tafel ist also erst lange nach der Zeit des dux bellorum entstanden. Vielleicht wurde sie zu einem Fest 1290 angefertigt, als König Edward I. die Hochzeitsarrangements seiner Kinder mit einem großen Turnier und Fest feierte. Er hegte ein großes Interesse an der Artus-Sage; so war er auch bei der Umbettung der Knochen des großen Königs in Glastonbury anwesend. Die Bemalung der tafel stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert, als Henry VIII. König war. So erklärt sich auch die rot-weiße Tudorrose im Zentrum der Tafel. Eine nette Anekdote besagt, dass König Henry VIII. 1522 seinen Cousin dem vor kurzem, gegen den eigenen Anspruch von Henry VIII. zum Kaiser des heiligen römischen Reichs deutscher Nation gekrönten Karl V. nach Winchester brachte, um sich die Tafel anzusehen. Die Gesichtszüge des gemalten Artus ähnelten auf verblüffende Weise denen von König Henry VIII., der als Tudor ja auch seine Ahnenlinie auf König Artus zurückführte. Jenen Mann, der laut Geoffrey of Monmouth ganz Europa eroberte und beherrschte und nur deshalb nicht selber römischer Kaiser wurde, weil sein Neffe Mordred eine Revolte startete und er so von seinem Heerzug gegen Rom ablassen musste, um nach England zurückzukehren.

Die Tafelrunde in der Great Hall in Winchester

Die Winchester-Tafel hat 25, mit Namen bezeichnete Plätze: Artus, Bedivere, Blubrys, Bors, Brunor, Brunor der Schwarze, Dagonet, Degove, Ector de Maris, Galahad, Gareth, Gawain, Kay, Lamorak, Lancelot, Libeaus Desconus, Lionel, Lucas, Mordred, Palomides, Parzival, Pellinore, Safere und Tristan. Die Great Hall und die Tafel kann auch im Internet auf dieser (englischsprachigen) Seite angesehen werden.

Avalon - Glastonbury

Glastonbury ist eine kleine, entzückende Stadt in Somerset, zu Füßen des beeinduckenden Glastonbury Tors, einer Landmarke, die noch von vielen Meilen entfernt in dem ansonsten eher flachen Land sichtbar ist. Immer wieder ist Glastonbury mit dem mythischen Avalon in Verbindung gebracht worden. 
Vor zweitausend Jahren reichte das Meer bis zum Fuß des Felsens und umkreiste ihn fast. Nach und nach wurde das Meer durch einen riesigen See ersetzt. Ein alter Name für Glastonbury Tor ist Ynys-witrin, die Insel des Glases; Insel konnte der Berg genannt werden, weil es von den meisten Winkeln aus gesehen tatsächlich wie eine Insel erschien, auch wenn es sich nur um eine Halbinsel handelte. Der Name 'Avalon' stammt nach Geoffrey of Monmouth von Avalloc oder Avallach ab, der in der Unterwelt herrschte. In der keltischen Überlieferung war Avalon eine Insel der Verzauberung und ein Ort des Übergangs.
In der Artuslegende ist Avalon die mythische und gnadenreiche Insel der Apfelbäume mit Königinnen, die den zu Tode verwundeten König nach seiner letzten Schlacht bei Camlann auf einer Barke zu ihrer Insel brachten, um ihn dort wieder gesund zu pflegen. Diese Entrückung in die Anderwelt sorgte für die Legende, dass er mit seinen Rittern ruht und darauf wartet, zurückzukehren und Britannien in der Stunde der größten Not beizustehen. Er ist also niemals gestorben, sondern ist der König, der war und der sein wird. Im Gegensatz dazu steht natürlich der Fund der Grabstelle Artus.
Im Jahre 1191 verkündeten die Mönche der Abtei von Glastonbury, dass sie die Grabstätte von König Artus und Königin Guinevere gefunden hatten. Entweder um Gerüchten nachzugehen oder durch einen Zufall stießen die Mönche bei Bauarbeiten auf dem Friedhof der Abtei auf ein altes Grab mit einer Steinplatte. Unter dieser war ein Bleikreuz - ungefähr 30 cm lang - mit der Inschrift: "Hic iacet sepultus inclitus rex Arturius in insula Avalonia" - zu deutsch: "Hier ruht der berühmte König Artus auf der Insel Avalon."
Das ungewöhnlich große Skelett soll eine schwere Kopfverletzung aufgewiesen haben. Einige kleinere Knochen und eine goldene Haarlocke, die angeblich bei Berührung zerbröselte, wurden zu denen von Königin Guinevere erklärt. 
Schon im Mittelalter war die Artussage sehr beliebt und so wurde das Grab von einem wahren Strom von Pilgern besucht. Möglicherweise war es also auch eine bewusste Lüge oder Fehlinformation der Mönche, die dazu dienen sollte, sich durch die Pilgerscharen Geld für den Wiederaufbau der Abtei, die 1184 durch ein Feuer stark beschädigt worden war, zu beschaffen - zumal das Bleikreuz kurze Zeit später verschwand und nie wieder auftauchte.
Die Knochen wurden in Särge gebettet und 1278 bei einem Besuch König Edwards I. in einem schwarzen Marmorgrab vor dem Hochaltar zwischen zwei hervorragenden Pfosten beigesetzt. Dort blieben sie, bis die Abtei nach ihrer Auflösung geplündert wurde. Danach verlor sich jede Spur von ihnen. Heute kennzeichnet eine kleine Tafel den Punkt, wo sich der Schrein mit Artus Grab befunden hat.

Das Artus-Grab in der Abtei von Glastonbury

Die Abtei von Glastonbury hat eine eigene (englischsprachige) Seite im Internet.